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LME-Nickel-Future kann Preisniveau nicht halten. Nachrichten aus Indonesien überholen sich gegenseitig. Nickelmarkt auch im Fokus der LME Woche in London. Broker erhalten Fragebögen von der LME.
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Normalisierung wahrscheinlich wohl nur eine Frage der Zeit. Dauerhafte Entkopplung und fehlende Repräsentativität der LME-Nickelnotierung wäre ein Problem. Reuters erhebt Preiserwartung für 2020.
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Stimmung bei der LME-Woche nicht so schlecht wie die allgemeine Berichterstattung. Wird eine Rezession herbeigeschrieben? Europa hat keine Strategie zum Umgang mit Ländern anderer Interessen und Systeme.
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Deutscher Stahlrecyclingverband BDSV stellt Studie zum Thema Schrottbonus vor. Indonesien könnte durch Politik der volatilen Ankündigungen Investoren verschrecken. Schutzzölle können auch träge machen.
LME-Nickel-Future erst einmal im Rückwärtsgang
Der Nickelkurs an der London Metal Exchange (LME) musste zuletzt etwas Federn lassen. Die Höchstkurse von über USD 18.000,00/mt konnten sich nicht bestätigen. Allerdings war der Höhenflug von einem nicht gerade kleinen Teil des Marktes auch mit einiger Skepsis betrachtet worden. Denn die allgemeinen Konjunkturdaten und die Edelstahlkonjunktur im Besonderen gaben diesen Aufschwung eigentlich nicht her. Natürlich wurde der Markt durch das vorgezogene Verbot des Exports von unraffinierten Erzen ohne weitere Ausnahmen und allerlei damit mehr oder weniger verbundenen Nachrichten aus Indonesien auf dem falschen Fuß erwischt.

Auch wurde weiterhin die Batteriestory durch das Dorf getrieben, bei gegenwärtig (noch?) geringem, tatsächlichem Verbrauch, wegen der schleppenden Nachfrage nach Elektromobilen. Zu einem Durchmarsch kam es daher bisher nicht. Wie hier schon berichtet, lag die feste Markverfassung gegen den Trend der anderen Basismetalle wohl vielmehr an systematischen Nickelkäufen und der damit verbundenen kontinuierlichen Abnahme der LME-Nickel-Lagerbestände, welche sich aber seit einigen Tagen beruhigt haben. Kurzzeitig kam es zu einer erheblichen, technischen Marktenge an der LME verbunden mit dem Auftreten einer Backwardation.

Der Nickelmarkt im Fokus der LME-Woche
Und so gab es an der traditionellen LME-Woche Ende Oktober in London, wenn es um Nickel ging, vor allem ein Thema: der „unbekannte“, omnipotente Nickelkäufer und seine Unterstützer. Bisweilen wurden in diesem Zusammenhang aber auch kritische Stimmen laut, die auf die kaum übersehbare Abkoppelung des LME-Nickelmarktes von der tatsächlichen Markt- und Versorgungssituation aufmerksam machten. Und das nicht ohne Sorge.

Denn, sollte der LME-Nickel-Future langfristig nicht mehr den physischen Nickelmarkt repräsentieren, dann wäre damit die Erfolgsgeschichte dieses Warenterminkontrakts wohl bald am Ende. Das Derivat ließe sich dann auch nicht mehr als adäquates Hedge-Instrument für Industrie, Produzenten und Verbraucher einsetzen. Daher ist es nicht überraschend, dass die LME eine Untersuchung zu gewissen Transaktionen im Nickelmarkt eingeleitet hat. Die Börse ist sich der Bedeutung der Angelegenheit durchaus bewusst. Schließlich ist der LME-Nickel-Future der letzte „große“ Kontrakt den die LME mit einem wirklich durchschlagenden Erfolg im Jahr 1979 eingeführt hat. Und so wird die LME alles tun, um eine Beschädigung der Reputation des Nickel-Futures zu vermeiden.

Broker und Banken erhalten Fragebögen von der LME
Doch unabhängig von den Fragebögen, die nun zur Aufklärung nach bestehendem Anfangsverdacht an die Broker der LME verschickt wurden, gibt es auch noch weitere handfeste Tatsachen, die einen an der Nachhaltigkeit der Bewegung zweifeln lassen. Es ist beinahe Common Sense, dass die Ursache des Preisanstiegs in einer konzertierten Kaufaktion eines potenten, beherrschenden Marktteilnehmers zu sehen ist. Da kommen vor allem erfahrenen und langjährigen Teilnehmern der Rohstoffmärkte schnell vergleichbare Situationen aus der Historie in den Sinn.

Wie sich gezeigt hat, wird es selbst für extrem starke Player mit tiefen Taschen schwierig, wenn der gesamte Markt die Position kennt und dagegen zu spekulieren beginnt. So hatte eine ähnliche Situation im Ölmarkt im Herbst 1993 zur Zerschlagung der Metallgesellschaft, einem deutschen börsennotierten Konzern geführt. Fallende Ölpreise hatten zu einer unabwendbaren Liquiditätskrise geführt.

Wenn man Marktgerüchten glauben kann, soll auch bei dem unbekannten Player im Nickelmarkt bisweilen die Nervosität umgehen, wenn sich die Kurse zu stark in eine Richtung, nämlich nach unten bewegen. Da es sich aber in diesem Fall bislang mehr um Gerüchte als um Tatsachen handelt, wird man weiter abwarten müssen, wohin sich die Dinge entwickeln. Aber größere Überraschungen sind sicherlich nicht ausgeschlossen.

Wahrscheinliches Szenario: Normalisierung der Marktverwerfung nur eine Frage der Zeit
Wenn es nach der hiesigen Auffassung geht, sollte sich die nicht zu übersehende Marktverwerfung bald wieder normalisieren. Und zwar von zwei Seiten: zum einen sollten sich die Nickelpreise wieder dort einfinden, wo diese aufgrund von Angebot und Nachfrage hingehören, zum anderen sollte eine anziehende Rohstoffnachfrage dafür sorgen, dass die parallel ins Bodenlose gefallenen Abschläge für Non-LME grades einen Rebound erfahren.

Denn im Stahlwerksofen macht es schließlich keinen Unterschied, wo die Nickeleinheit ihren Ursprung hat. Nach dem Periodensystem der Elemente bleibt Nickel ein chemisches Element mit dem Elementsymbol Ni und der Ordnungszahl 28. Und um bei dieser Gelegenheit auch noch eine volkswirtschaftliche Theorie zu bemühen: die letzte nachgefragte Einheit zum höchsten Preis (Grenzpreis) bestimmt den Gleichgewichtspreis für ein Gut. Nicht selten werden die vorstehenden Fakten durch das jeweilige Marktumfeld (Käufer- versus Verkäufermarkt) in den Hintergrund geschoben. Das ändert aber nichts an deren faktischer Korrektheit und den im mittel- bis langfristigen Durchschnitt zu beobachtenden Realitätsbezug.

Reuters-Umfrage zu Nickel gerät zum Ratespiel
Traditionell erhebt der Nachrichten- und Datendienst Reuters im Umfeld der LME Woche die Erwartungen von Brokern und Banken bezüglich der Basismetallpreise. So wurde auch nach der Nickelnotierung für das kommende Jahr 2020 gefragt. Unter den 27 Teilnehmern verschiedener Finanzinstitutionen zeichnete sich ein gemischtes Bild ab. Im Durchschnitt sahen die Befragten für das Jahr 2020 die Nickelnotierung bei 16.273,20 USD/mt, wobei die Bandbreite der Antworten bemerkenswert ist. Die Antworten reichten von 12.200,00 USD/mt bis 19.003,80 USD/mt. Auch bei der Frage, ob es im kommenden Jahr ein Angebotsdefizit oder einen Angebotsüberschuss geben wird, reichten die Antworten von einem Defizit von 159.000 mt Nickel bis zu einem Überschuss von 91.000 mt. Nur neun Teilnehmer wagten es überhaupt, sich zur Angebotssituation für das Jahr 2020 zu äußern. Wohlmöglich basiert ein Großteil der Antworten auf purem Raten. Mit anderen Worten: Ein Dartpfeil werfender Affe hätte von der Bandbreite her ähnliche Prognosen abliefern können.

Brexit und anderen Herausforderungen zum Trotz keine schlechte Stimmung in London
Insgesamt war während der LME Woche eine recht ordentliche Stimmung zu verzeichnen. Kein Vergleich zu den Katastrophenjahren 2008 und 2015, wo den Teilnehmern die Oliven im geschüttelten und nicht gerührten Wodka-Martini geradezu im Hals stecken blieben. Sicher, die weitere Entwicklung des Brexit war und ist gerade in London eine nicht unerhebliche Determinante. Aber wenn man die privaten und öffentlichen Äußerungen insbesondere der britischen Vertreter betrachtet, scheint sich – und das nicht wirklich überraschend – eine gewisse Überdrüssigkeit und Zermürbung bezüglich dieses politischen Themas breit zu machen. Das drückt sich unter anderem auch dadurch aus, dass das Brexit-Theater flächendeckend zum Gegenstand von Witzen und Gespött wird. So hatte der CEO der LME, Matthew Chamberlain höchst selbst kein Problem damit, über die ständigen Verschiebungen des Brexit bei seiner Rede anlässlich des LME-Dinners herzuziehen. Konkret sagte er den Gästen zu Beginn seiner Ausführungen, „Sie mögen sich einmal vorstellen, dass man das Jahr 2192 schreibe, und sich der britische Premierminister in Brüssel befände, um dort für eine weitere Verlängerung des Austrittsdatums zu plädieren.“

Wenn man sich – offen gestanden immer in einer nicht repräsentativen Stichprobe – bei den Unternehmen umhörte, so gibt es zwar in einzelnen Bereichen Schwierigkeiten, aber von einer großen, weltumspannenden Krise scheint (glücklicherweise) keine Spur. Vielmehr wird die Krise seit geraumer Zeit von vielen Seiten herbeigeredet und es fehlt auch nicht viel, dann wird sie auch zur Realität. Dies ist so, seit die Trump’sche Administration China und den anderen Staaten des Globus den Handelskrieg erklärt hat.

Wie töricht, wenn man überlegt, was da auch für das eigene Land auf dem Spiel steht und dass es im Kern vor allem um die Wiederwahl einer einzelnen Person geht. Andererseits ist es aber auch beeindruckend zu sehen, wie ein durchschnittlich begabter Mensch, der sich allerdings auf den Apparat einer mächtigen Nation stützen kann, tatsächlich zu solchen globalen Wirkungen in der Lage ist. Konnten sich Europa und die USA in der Vergangenheit noch auf ein gemeinsames Wertegerüst stützen, so ist das seit Trump passé. Es gilt nun das Recht des Stärkeren, Darwinismus pur, Beleidigungen werden zum Prinzip erhoben, mehrere Wahrheiten existieren und so weiter.

Doch ist das auch ein Versäumnis Europas. Hier war man schon immer ziemlich naiv nicht nur in der Annahme gewesen, man könne gemeinsam mit der erfolgreichen Marktwirtschaft auch gleich die Demokratie in alle Ecken der Welt exportieren. Solange es in den anderen Ländern, häufig in Entwicklung oder an der Schwelle dazu begriffen, wirtschaftlich aufwärts ging, konnte man dort auch den westlichen Ideen und Wertkanon etwas abgewinnen. Doch kaum kam die Entwicklung ins Stocken oder die Hoffnungen erfüllten sich für die breite Bevölkerung nicht, wurden die eilig – auch mit militärischer Hilfe des Westens – zerschlagenen Strukturen und hiernach eingeführten Demokratien zum Bumerang. Häufig kamen extreme und häufig religiös verbohrte Parteien an die Macht, die die noch jungen Demokratien häufig wieder scheitern ließen.

Noch haben Deutschland und Europa leider keine klare Strategie entwickelt, wie man mit Ländern mit sich widersprechenden Systemen und Werten, aber auch Interessen, wie aktuell den USA, umgehen soll. China hat hier aus einer anderen Kultur und Historie heraus eine deutlich pragmatischere Ausrichtung, was die Kooperation mit anderen Ländern angeht. Diese ist vor allem interessengeleitet, aus den internen Angelegenheiten der anderen Staaten hält man sich in aller Regel heraus. Das kann man nun verurteilen oder nicht, aber es ist ein Fakt. Deutschland und Europa müssen einen Weg finden, wie man zukünftig mit diesen Situationen umgehen will. Dabei geht es darum wirtschaftliche Ziele zu erreichen, ohne die eigenen Werte zu verraten. Kein leichtes Unterfangen. Wer gerne auch einmal über den eigenen Tellerrand schaut und sich für diese Fragen interessiert, dem sei an dieser Stelle das Buch mit dem Titel „Der Westen und die neue Weltordnung“ von Heinz Theisen erschienen 2017 im Kohlhammer Verlag empfohlen.

BDSV stellt Fraunhofer-Studie zum Thema Schrottbonus vor
Die Bundesvereinigung Deutscher Stahlrecycling- und Entsorgungsunternehmen e.V. (BDSV) wird anlässlich ihrer Jahrestagung am 13./14. November 2019 in Münster eine neue Studie mit dem Titel „Schrottbonus – Externe Kosten und fairer Wettbewerb in den globalen Wertschöpfungsketten der Stahlherstellung“ vorstellen. Wissenschaftlicher Partner der BDSV ist das Fraunhofer Institut IMWS. In der Studie geht es um die Quantifizierung der Wohlfahrtsgewinne der Gesellschaft, die durch das Stahl- und Edelstahlrecycling entstehen, die aber bei Politik und in einer breiteren Öffentlichkeit kaum Beachtung finden. Das soll sich durch die Studie ändern.

Indonesien könnte langfristig Investoren verschrecken
Die US-Tageszeitung Washington Post veröffentlichte kürzlich einen Artikel über das geplante Exportverbot unraffinierter Nickelerze aus Indonesien. Mit diesem Vorgehen möchte die Regierung die Wertschöpfung innerhalb Indonesiens erhöhen. Dabei stellte der Autor die Frage, ob das Vorgehen seitens der indonesischen Regierung langfristig tatsächlich zu einem ökonomischen Wohlstand der Bevölkerung führt. Auf den ersten Blick scheint die indonesische Regierung mit Ihren Maßnahmen erfolgreich zu sein. Bereits 11 Verarbeiter von Nickelerzen sind in Betrieb, weitere 25 in der Planung. Die Maßnahmen zeigen ihre Wirkung. Allerdings stagniert seit 2013 die Höhe ausländischer Direktinvestitionen mit 30 Milliarden USD pro Jahr. Nachdem bereits 2014 ein solches Exportverbot temporär in Kraft trat, welches ab 2020, sogar zwei Jahre früher als angekündigt, wieder eingeführt wird, könnten Investoren aufgrund der zahlreichen Richtungswechsel das Gefühl bekommen, dass bei Investitionen in Indonesien Vorsicht geboten ist.

Ferner ist zu bedenken, dass sich nicht nur die indonesische Regierung um ihre einheimische Industrie sorgt. Grundsätzlich gilt, dass, sobald ein Land eine Industrie zu stark subventioniert, ausländische Wettbewerber lautstark nach Schutzzöllen rufen. Sogar die Chinesen haben schon Anti-Dumping Zölle von 103,1% auf indonesischen Edelstahl verhängt. Daher sieht der Autor der Washington Post die Taktik der Australier für langfristig erfolgreicher. Australien hat sich weitestgehend auf die Rolle des Rohstoffexporteurs beschränkt und überlässt anderen Ländern die Verarbeitung der Rohstoffe.

Abschließend sieht der Autor noch Parallelen zu der Politik lateinamerikanischer Staaten nach dem zweiten Weltkrieg. Nachdem die Staaten Schutzzölle zum Aufbau der einheimischen Industrie einführten, schafften es die lateinamerikanischen Unternehmen nicht, langfristig auf eigenen Beinen zu stehen. Mit Blick auf die aktuellen Unruhen in Chile und Argentinien war diese Politik nicht erfolgreich.

LME (London Metal Exchange)

LME Official Close (3 Monate)
11. November 2019
  Nickel (Ni) Kupfer (Cu) Aluminium (Al)  
Official Close
3 Mon.Ask
15.770,00
USD/mt
5.877,00
USD/mt
1.805,00
USD/mt
 
LME Bestände in mt
  14. Oktober 2019 11. November 2019 Delta in mt Delta in %
Nickel (Ni) 94.134 65.064 – 29.070 – 30,88%
Kupfer (Cu) 277.350 234.200 – 43.150 – 15,56%
Aluminium (Al) 983.600 940.500 – 43.100 – 4,38%

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