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Nickel an der LME korrigiert deutlich. Rallye war nicht nachhaltig und spekulativ getrieben. Ausfuhrstopp aus Indonesien sorgt jetzt schon für Anpassungen der Rohstoffströme. Und das ist erst der Anfang.
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Europäische Union geht wegen Exportverbot bei WTO gegen Indonesien vor. Der künftig fehlende Zugang der europäischen Verbraucher zu den indonesischen Rohstoffen wird gerügt.
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Auch Entwicklungsländer haben ein Recht auf Wachstum und Wohlstand. Die Industrieländer als Verschmutzer der Vergangenheit müssen sich an klimaschonenden Verfahren anderswo beteiligen.
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Jede Tonne Edelstahlschrott in der Produktion spart Emissionen von 23.000 Auto-Kilometern. Studie von Fraunhofer IMWS im Auftrag des führenden deutschen Stahlschrottverbands BDSV.

Nickel an der LME korrigiert deutlich
Für die Nickelpreise an der London Metal Exchange (LME) ist die Korrektur von den Höchstständen von über USD 18.000/mt auf unter USD 16.000/mt im Vormonat nur als der erste Akt zu bezeichnen. Inzwischen kam der Markt weiter ins Rutschen, insbesondere, nachdem sukzessive klar wurde, dass der Kaufrausch des ominösen Nickel-Käufers an der LME sowie die kontinuierlichen Lagerbestandsabnahmen ein Ende gefunden hatten. So handelt Nickel nun deutlich unter der Marke von USD 14.000/mt. War vor allem auch das vorgezogene Nickelerz-Ausfuhrverbot in Indonesien als fundamentaler Verursacher der vorherigen Rallye ausgemacht worden, so hat sich diese Ansicht inzwischen weitgehend relativiert. Vielmehr muss man wohl von einer spekulativen Übertreibung sprechen, bei der insbesondere die massiven Käufe aus Fernost den Markt stimuliert haben. Die Macquarie Bank stellt in diesem Zusammenhang die berechtigte Frage, wo eigentlich das ganze Metall geblieben ist.

Bei näherer Betrachtung haben sich weder der angekündigte Ausfuhrstopp, noch die bislang eher bescheidene Nachfrage nach Batterienickel als nachhaltig erwiesen. Dennoch bleibt die indonesische Handelsrestriktion natürlich nicht ohne Auswirkung. So sind die noch bis zum Jahresende zugelassenen Exporte von unraffiniertem Nickelerz im Oktober um 23,4% gegenüber dem Vormonat gestiegen. Chinesische Käufer möchten sich im Vorfeld des Verbots noch so gut es geht bevorraten. Im Oktober betrugen die Nickelerzexporte aus Indonesien 3,11 Millionen Tonnen und mit 132% mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr. Eine ähnliche Entwicklung hatte man schon vor dem Anfang 2014 in Kraft getretenen, dann aber wieder aufgeweichten Ausfuhrverbot feststellen können. Dies zeigt, wie schnell Rohstoffmärkte gewisse Entwicklungen antizipieren und auf Änderungen mit entsprechenden, unmittelbaren Anpassungen der Rohstoffströme reagieren.

Europäische Union mit Beschwerde über Indonesien vor der WTO
Die Europäische Union (EU) hat sich mit einer Beschwerde über Indonesien an die Welthandelsorganisation WTO gewandt. Konkret geht es um das angekündigte und vorgezogene Exportverbot von unraffinierten Nickelerzen und weiteren Rohstoffen. Von diesem profitieren konkret die inländischen, indonesischen Edelstahlproduzenten und Schmelzbetriebe. Argumentiert wird durch die EU, so Reuters, dass die Handelsbeschränkungen dazu führen, dass die EU-Produzenten keinen Zugang mehr zu diesen Rohstoffen hätten. Der sehr wesentliche Einfluss dieser protektionistischen Handelspolitik auf den Nickel- und Edelstahlmarkt ist unbestritten und durchaus kritikwürdig.

Indonesische Edelstahlproduzenten werden durch das Exportverbot im internationalen Wettbewerb um günstige Rohstoffe übermäßig bevorteilt. Ebenso könnten die Preise alternativer Rohstoffe, wegen außerhalb Indonesiens entstehender Engpässe, stark ansteigen. Für den Primärnickelpreis an der LME konnte man dies in diesem Jahr über einen gewissen Zeitraum beobachten. Beinahe anachronistisch traf das für Edelstahlschrott über das gesamte Jahr 2019 allerdings fast gar nicht zu. Es ist natürlich nicht auszuschließen, dass die „Stille Post“ die Informationen von der EU nicht ganz unverfälscht zu Reuters befördert hat und es insofern zu einer verzerrten Wiedergabe gekommen ist. Denn auch Journalisten sind bekanntlich keine Universalgenies.

Der Artikel von Reuters liegt aber sicher mit der Berichterstattung nicht völlig verkehrt, dass die Prozesse der Rohstoff- und Stahlherstellung in Indonesien ein Vielfaches mehr an CO2 emittieren, als die Verfahren in Europa, auch dank des sauberen Edelstahlschrotts. Nach Ansicht des europäischen Stahlverbands EUROFER besteht daher das Risiko, dass artifiziell billiger und nicht gerade sehr umweltfreundlicher Stahl den saubereren Stahl der europäischen Hersteller und weiterer traditioneller Handelspartner verdrängt. Das kann nicht im Interesse der Weltgemeinschaft und auch nicht Indonesiens sein, denn gerade die Entwicklungsländer werden von den verheerenden Folgen des Klimawandels als erste und am stärksten betroffen sein.

Wenn man dann auf der anderen Seite liest, dass Indonesien seine Hauptstadt verlegen will und Regierung und Parlament aus Jakarta abgezogen werden, um künftig ihren Sitz auf der Insel Borneo zu bekommen, kann eine Politik nicht inkonsistenter sein. Denn der Grund für den Umzug liegt vor allem auch darin begründet, dass die Mega-City bei weiter steigendem Meeresspiegel zu versinken droht. 40 Prozent von Jakarta liegen unter dem Meeresspiegel. Und der Klimawandel lässt die Spiegel der Weltmeere steigen. Am Ende kann es aber auch nicht darum gehen, dass die Industrieländer wieder einmal ausschließlich profitieren, obwohl diese in ihrer Historie während der Industrialisierung vermutlich auch schon einen erheblichen Beitrag zum Klimawandel geleistet haben.

Auch die Entwicklungsländer haben ein Anrecht auf Wachstum und Wohlstand. Allerdings sollte das nicht durch einen ruinösen, die Umwelt zerstörenden Wettbewerb geschehen. Vielmehr soll und darf es zu einem Kampf oder besser gesagt Wettbewerb um die günstigste Produktion unter umweltverträglichen Bedingungen kommen, aber auf einem fairen Spielfeld. Es scheint auch eher so, als hätte China hier den Masterplan und Indonesien ist das Spielzeug der globalen Stahlmärkte, aber das ist natürlich nur eine Vermutung. Doch man könnte die Sache auch anders gestalten, indem man im Gegenzug zu angemessenen Umweltauflagen in Indonesien den heimischen Markt mit immerhin 250 Millionen Konsumenten für eine gewisse Zeit gegenüber Importen schützt und vielleicht auch die Umweltschutzinvestitionen seitens der Industrieländer zu marktgängigen Bedingungen finanziert.

Das würde allen helfen, außer denen die sich durch Raubbau an der Natur und sehr kurzfristig orientiert die Taschen voll machen wollen. Was den Export von Stahl aus Indonesien angeht, könnte man dann – bei vergleichbaren Rahmenbedingungen – auf Handelsbarrieren verzichten. Alle müssten sich dann einem fairen Wettbewerb stellen, was Innovationen fördert und insbesondere auch die Stahlindustrie in Indonesien im internationalen Wettbewerb wettbewerbsfähiger macht. Protektionismus und unrealistische Bedingungen bewirken das Gegenteil und ob dort selbst unter den jetzigen Bedingungen jemals echtes Geld verdient wurde, hat nie je das Licht der Öffentlichkeit gesehen. Bescheidenheit oder Scham, das ist hier die Frage? Was irgendwelche diesbezüglichen Maßnahmen der WTO angeht, gibt es derzeit eine Blockadehaltung der USA. Vor Ablauf eines Jahres ist mit einer entsprechenden Entscheidung jedenfalls nicht zu rechnen.

Fraunhofer IMWS: Jede Tonne Edelstahlschrott spart Emissionen von 23.000 Auto-Kilometern
Schrott ist ein zentraler Rohstoff für die Stahlherstellung und trägt erheblich zur Minderung von Emissionen bei. Das ist das Ergebnis einer Mitte November von der Bundesvereinigung Deutscher Stahlrecycling- und Entsorgungsunternehmen e.V. (kurz: BDSV) veröffentlichten Studie „Schrottbonus – Externe Kosten und fairer Wettbewerb in den globalen Wertschöpfungsketten der Stahlherstellung“, die das Fraunhofer Institut IMWS erstellt hat. Demnach senkt der Einsatz von Stahl- und Edelstahlschrotten in Europa die Kosten des Klimawandels um bis zu 20 Milliarden Euro pro Jahr.

Die Verwendung von Schrott spart, im Vergleich zur Herstellung von Stahl aus Erzen, erhebliche Mengen an CO2-Emissionen. Auch andere Umweltschäden, wie beispielsweise die Versauerung von Gewässern, Sommersmog oder Eutrophierung, werden durch den Schrotteinsatz gemindert. Um diese Einsparungen verdeutlichen zu können, wurde für die Studie der Indikator „Schrottbonus“ eingeführt. Er gibt die Klima- und Umweltkosten an, die durch den Einsatz einer Tonne Stahl- und Edelstahlschrott in der Stahlherstellung vermieden werden.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler kommen zu dem Ergebnis, dass die Stahlindustrie mit dem Einsatz einer Tonne recyceltem Schrott aus rostfreiem Edelstahl in der Edelstahlproduktion 4,3 Tonnen CO2 einspart. Das bedeutet: Nutzt man eine Tonne Edelstahlschrott als Rohstoffinput, statt Primärrohstoffe einzusetzen, wird so viel CO2 eingespart wie ein durchschnittlicher Pkw mit Benzinmotor in Deutschland bei einer Fahrtstrecke von etwa 23.000 km ausstößt. Der Schrottbonus liegt zwischen 158 und 502 Euro pro Tonne Edelstahlschrott, hat das Forscherteam errechnet.

Die vermeidbaren Belastungen werden in der Studie durch Lebenszyklusanalysen ermittelt, die die Entstehung von Emissionen während der Herstellung von Stahl entlang der Wertschöpfungskette in den Blick nehmen. Dies beinhaltet eine lückenlose Aufzeichnung der Ökobilanz der verwendeten Werkstoffe von der Förderung, Herstellung und Nutzung der Rohmaterialien über den Einsatz von Energieträgern bis zur Verwertung von Reststoffen.
Für weitere Details sowie den vollständigen Studienbericht sei auf den folgenden Link verwiesen: https://www.bdsv.org/unser-service/publikationen/studie-schrottbonus/

Australiens Premierminister zieht wirtschaftliche Interessen der Umweltpolitik vor
Jean-Sébastien Jacques, Vorstandsvorsitzender des britisch-australischen Bergbaukonzerns Rio Tinto, warb bei seiner Rede während der LME Week in London für nachhaltiges Handeln im Hinblick auf den Klimawandel. Darüber hinaus sollten Bergbaukonzerne Verantwortung für die Herausforderungen der Gesellschaft übernehmen, um auch in Zukunft noch profitabel und von sozialer Relevanz sein zu können. Für sein Plädoyer erhielt Jacques einen herzlichen Applaus und interessierte Rückfragen.

Nur wenige Tage später widersprach ausgerechnet der australische liberal-konservative Premierminister Scott Morrison dem Vorstoß Jacques. Bei einem Treffen mit der Interessenvertretung von Minenbetreibern „Queensland Resources Council“ berichtete der Ministerpräsident sogar, dass man bereits an Maßnahmen arbeite, um das Demonstrationsrecht für Klimaschutz einzuschränken. Die „selbstgefälligen und egoistischen Praktiken“ der Klimaschutzaktivisten sieht Morrison als Gefahr für den Lebensunterhalt seiner australischen Mitbürger. Für die viertlängste durchgehend noch arbeitende Demokratie der Welt war das wahrlich keine Sternstunde. Gemeinsam mit anderen konservativen Politikern, wie Donald Trump, unterstützt Scott Morrison Minenbetreiber, insbesondere solche von Kohleminen.

EU-weite Standards können die Flut von Betrugs-E-Mails eindämmen
Kriminelle verursachen der deutschen Wirtschaft jährliche Schäden von 102,9 Milliarden Euro im Jahr. Das ist das Ergebnis einer Studie des Branchenverbands der deutschen Informations- und Telekommunikationsbranche Bitkom, für die rund 1000 Unternehmen in Deutschland befragt wurden.

Die Fake-Präsident-Betrugsmasche, bei der Firmen unter Verwendung falscher Identitäten zur Überweisung von Geld veranlasst werden, ist in aller Munde. Gefährlich ist auch das sogenannte Phishing. Dabei versenden Betrüger E-Mails im Namen von Unternehmen oder anderen vermeintlich vertrauenswürdigen Absendern, um an sensible Informationen der Empfänger zu gelangen. Die Industrie bietet bereits Sicherheitslösungen durch die Verwendung von qualifizierten elektronischen Signaturen an. Bei solchen Mails kann der Empfänger sicher sein, dass alle Inhalte ohne Manipulation bei ihm angekommen sind und der Sender tatsächlich der ist, der er vorgibt zu sein.

An dieser Stelle könnte die Politik auf europäischer Ebene mit dem Setzen von Standards für mehr Sicherheit sorgen. Beispielsweise könnten alle Unternehmen dazu verpflichtet werden, E-Mails von Mitarbeitern mit qualifizierten elektronischen Signaturen auszustatten. Es lässt sich dagegen argumentieren, dass Deutschland international besonders stark verflochten ist und es immer noch eine Vielzahl von ausländischen Unternehmen ohne eine solche Signatur geben wird. Jedoch würde die E-Mail als sichere und verlässliche Kommunikationsform wieder etwas aufgewertet werden.

Allen unseren Leserinnen und Lesern und Ihren Familien wünschen wir ein Frohes Weihnachtsfest und einen guten Jahreswechsel.

 

LME (London Metal Exchange)

LME Official Close (3 Monate)
9. Dezember 2019
  Nickel (Ni) Kupfer (Cu) Aluminium (Al)  
Official Close
3 Mon.Ask
13.275,00
USD/mt
6.012,00
USD/mt
1.762,00
USD/mt
 
LME Bestände in mt
  11. November 2019 9. Dezember 2019 Delta in mt Delta in %
Nickel (Ni) 65.064 69.276 + 4.212 + 6,47%
Kupfer (Cu) 234.200 190.825 – 43.375 – 18,52%
Aluminium (Al) 940.500 1.288.150 + 347.650 + 36,96%

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