Endlich einmal gute Nachrichten
Der Krieg zwischen den USA und Iran scheint beendet. Am Freitag, den 19. Juni 2026 soll auf einem Berg, nahe des Vierwaldstättersees in der Schweiz eine entsprechende Abmachung unterzeichnet werden. Zufällig (?) findet vom 15. bis 17. Juni 2026 in Évian-les-Bains am Genfer See in Frankreich, quasi einen Steinwurf oder 200 Kilometer Luftlinie entfernt, der G7-Gipfel statt. Im Zentrum des Friedensvertrags steht die Öffnung der Straße von Hormus, welche allerdings vor dem Krieg gar nicht geschlossen war. Ob die USA also ihre Kriegsziele erreicht haben, wird sich daher erst dann beantworten lassen, wenn auch die Verhandlung über das Nuklearprogramm abgeschlossen ist. Diesen Punkt hatten die Parteien, wohl auch um nicht den Rest zu gefährden, erst einmal offengelassen.
Sicher ist aber, dass die unbeschränkte Aufnahme des Schiffsverkehrs wieder für eine bessere Versorgung der Welt mit einer Vielzahl von Rohstoffen und Gütern sorgen wird, obwohl es noch einige Zeit dauern sollte, bis sich die Lieferketten normalisiert haben. Dadurch sollte sich auch die globale Wirtschaftslage verbessern und damit auch die Wachstumsaussichten in den einzelnen Regionen. Denn bezahlbare Öl- und Energiepreise sind weiterhin eine wichtige Voraussetzung für die positive Entwicklung und Aussicht einer jeden Volkswirtschaft. Weiterhin dürften sich damit die gestiegenen Inflationssorgen zerstreuen oder zumindest abschwächen und damit den Zentralbanken die Möglichkeit geben, die Zinsen unverändert zu lassen oder vielleicht sogar zu senken.
Nun wäre es sicher wünschenswert, wenn man zusätzlich den Konflikt zwischen Russland und der Ukraine in die richtigen Bahnen lenken könnte. Und beinahe wie inszeniert kommen auch entsprechende Signale der USA vom G7-Gipfel in Évian. Dann sähe die Welt in der Tat schon wieder ganz anders aus als noch in der ersten Jahreshälfte und die Hoffnungen auf eine baldige Rückkehr von Konsumneigung der privaten Haushalte und Investitionsbereitschaft der Unternehmen ständen nicht schlecht. Wie hier schon häufig vorgetragen, vermag eine bessere Stimmung der Wirtschaftssubjekte und ein entsprechend positives Sentiment an den Märkten einiges zu bewirken.
Derweil hatten die Nickelpreise an der London Metal Exchange (LME) zuletzt einiges an Terrain verloren. Zwar konnten sich die zunehmende Mangellage bei Schwefel sowie die Nachrichten der Reduzierung von Förderlizenzen sowie Zentralisierung und staatliche Kontrolle der Rohstoffexporte und so auch von Primärnickel aus Indonesien zunächst als Unterstützung auf die Notierungen auswirken, doch mit zunehmender Dauer des Krieges im Nahen Osten bei unvermindert fortschreitenden Kampfhandlungen in der Ukraine und Gegenschlägen bis weit in das russische Territorium, rückten Konjunktur- und Inflationsängste wieder in den Vordergrund.
Auch dürften sich spekulative Investoren in einer allgemeinen Risk-off-Bewegung zurückgezogen haben. Dabei spielten sicher auch die Erwartung steigender Zinsen eine Rolle, nachdem die Europäische Zentralbank (EZB) vorsorglich eine Erhöhung des Leitzinses um 0,25 % vorgenommen hatten. Mal sehen, ob sich die EZB nun wieder im Timing vertan hat, nachdem man dieses Mal besonders bemüht war, nicht wieder den richtigen Zeitpunkt für einen Zinsschritt zu verpassen. Der neue US-Notenbankgouverneur Warsh hat nun ein wenig mehr Luft, als zuvor noch angenommen. Alles unter dem Vorbehalt, dass es am Freitag auch tatsächlich zum „Deal“ kommt.
Konkret spiegelten sich die Ereignisse in der nachfolgend beschriebenen Nickelkursbewegung wider. Nach dem sehr kurzen Test eines Hochs von USD 20.000,00/mt am 6. Mai 2026 ging es zunächst einmal rasch abwärts. Zum Zeitpunkt der letzten Ausgabe Mitte Mai notierten die Preise gerade noch bei USD 18.500,00/mt (-7,5 %). Es ging noch ein wenig tiefer, bis wieder Hoffnung aufkeimte und die Notierungen Anfang Juni zurück in Richtung von USD 19.300,00/mt brachte.
Widersprüchliche Meldungen und eine abermals schwindende Hoffnung auf eine Einigung, brachte dann die Preise nicht nur von Nickel, sondern auch die der meisten anderen Industriemetalle, weiter nach Süden bis schließlich am 10. Juni mit USD 17.500,00/mt ein Boden erreicht war. Seitdem geht es wieder aufwärts und wenn alles gut geht wird am 19. Juni 2026 auf dem Bürgenstock in der Schweiz das Ende des Iran-Kriegs mit den Unterschriften der USA und Irans besiegelt. Zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses handelte der 3-Monats-Nickel-Future an der LME bei USD 18.000,00/mt
Nickelmarkt unter Spannung: Indonesische Förderkürzungen treffen auf globale Lieferengpässe
Nachdem wir in der vergangenen Ausgabe bereits über die Bedeutung von Schwefel und dessen Einfluss auf die Edelstahlproduktion berichtet haben, rückte nun ein kritischer Energierohstoff in den Fokus. Die aktuellen geopolitischen Verwerfungen – insbesondere der andauernde Krieg im Nahen Osten – führten zunehmend zu Engpässen bei zentralen Einsatzstoffen im Bergbau und trieben die Produktionskosten von Minen und Raffinerien weltweit nach oben.
Neben Schwefel, der für die Herstellung von Schwefelsäure und damit neben der Nickelproduktion auch für rund 17% der globalen Kupferproduktion essenziell ist, entwickelte sich der fossile Treibstoff Diesel zu einem entscheidenden Risikofaktor. Als Kraftstoff zum Antrieb von schweren Maschinen beeinflusst er nahezu alle Bereiche des Bergbaus – von Tagebauen über Förderlogistik bis hin zur Erzverarbeitung. Während große Produzenten steigende Kosten bislang noch abfedern können, geraten insbesondere kleinere Betreiber zunehmend unter Druck. In Regionen wie Afrika und Australien kommt es bereits zu ersten Produktionsdrosselungen, da Diesel schwer verfügbar oder deutlich teurer geworden ist.
Besonders kritisch ist die Lage in logistisch (und übrigens auch politisch) anspruchsvollen Märkten wie der Demokratischen Republik Kongo. Dort ist die Versorgung mit importiertem Diesel nicht nur ein Kostenfaktor, sondern ein operativer Engpass, der unmittelbar über Produktionsniveaus entscheidet. Auch in Ländern wie Äthiopien oder Australien zeigten sich bereits konkrete Auswirkungen: Projekte werden verlangsamt, nicht essenzielle Aktivitäten reduziert und Investitionsentscheidungen zunehmend hinausgezögert. Die Unsicherheit in den Lieferketten nimmt damit spürbar zu.
Parallel dazu verschärft Indonesien – der mit Abstand wichtigste Nickelproduzent weltweit mittlerweile mit einem Anteil von deutlich über 60 % – die Situation zusätzlich durch eine gezielte Angebotssteuerung. Die Regierung hatte die Förderquoten für Nickel drastisch reduziert, um die Preise am Weltmarkt zu stabilisieren. Dies trifft insbesondere die Weda Bay Mine auf Halmahera, eine der bedeutendsten Nickellagerstätten weltweit. An dem Projekt ist unter anderem auch der französische Minenkonzern Eramet beteiligt. Die Mine steht kurz davor, ihre Produktion vorübergehend einzustellen, da die deutlich reduzierte Jahresquote bereits ausgeschöpft ist.
Die Maßnahme zeigt bereits Wirkung: Nickelpreise sind seit Jahresbeginn gestiegen. Gleichzeitig geraten Verarbeitungsanlagen im Land unter zusätzlichen Druck, da neben den Förderrestriktionen auch steigende Kosten für Energie, Erz und insbesondere Schwefel die Margen belasten. Erste Produzenten sehen sich gezwungen, ihre Aktivitäten anzupassen oder temporär zurückzufahren.
Flankiert wird diese Entwicklung durch strategische Überlegungen auf staatlicher Ebene. Der indonesische Staatsfonds Danantara prüft derzeit einen Einstieg bei Weda Bay Nickel und könnte damit Anteile von Eramet übernehmen. Dies würde die staatliche Kontrolle über den Nickel-Sektor weiter ausbauen und unterstreicht den zunehmenden Ressourcen-Nationalismus des Landes. Ziel ist es, Wertschöpfung stärker im Inland zu bündeln und sich gleichzeitig den Einfluss auf globale Lieferketten zu sichern. Dabei haben wir noch gar nicht über die von heute auf morgen zentralisierte Kontrolle aller Rohstoffexporte gesprochen, mit der wir uns in der nächsten Ausgabe beschäftigen werden.
Insgesamt entsteht damit ein zunehmend angespanntes Bild für die Rohstoffmärkte: Auf der einen Seite stehen geopolitisch bedingte Engpässe bei kritischen Betriebsmitteln wie Diesel und Schwefel, auf der anderen Seite eine politisch gesteuerte Angebotsverknappung bei Schlüsselmetallen wie Nickel. Während die Nachfrage nach Rohstoffen auch im Zuge der Energiewende hoch bleibt, könnten Faktoren auf der Angebotsseite die Märkte weiter verknappen und Preise nachhaltig auf einem erhöhten Niveau halten – mit entsprechenden Auswirkungen auf Industrie, Lieferketten und Versorgungssicherheit.
Neue EAF-Projekte beschleunigen Asiens Stahltransformation
In Asien nimmt die Transformation der Stahlindustrie weiter Fahrt auf. Neue Investitionen in Japan und Vietnam zeigen, dass moderne Elektrostahl-Technologien zunehmend eine zentrale Rolle bei der Dekarbonisierung der Branche spielen.
In Japan setzt Nippon Steel in seinem Werk Yawata auf eine neue Generation der Elektrostahlproduktion. Gemeinsam mit Tenova und GE Vernova entsteht dort der künftig weltweit größte Elektrolichtbogenofen (EAF). Mit einer Chargengröße von 340 Tonnen wird die Anlage neue Maßstäbe setzen. Gleichzeitig ermöglicht die eingesetzte Direct-Feed-Technologie eine besonders stabile Stromversorgung – ein entscheidender Faktor bei derart leistungsstarken Anlagen.
Für Nippon Steel ist das Projekt ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Klimaneutralität bis 2050. Der Konzern verfolgt damit die Strategie, klassische Hochofenprozesse schrittweise durch Elektrostahlverfahren zu ersetzen. Unterstützt wird dies auch durch Japans staatliche Green-Transformation-Initiative.
Auch in Vietnam entstehen derzeit große Projekte rund um den „grünen Stahl“. Die Xuân Thiện Group hat mit Primetals Technologies eine Partnerschaft zum Aufbau von zwei neuen Produktionslinien geschlossen. Geplant sind unter anderem mehrere moderne Elektrolichtbogenöfen, Vakuumentgasungsanlagen sowie eine Anlage zur Herstellung ultradünner Warmbandprodukte.
Besonders wichtig ist das Vorhaben für heimische Branchen wie den Bau von Offshore-Windkraftanlagen, den Schiffbau oder die Automobilindustrie. Bislang war Vietnam bei vielen hochwertigen Stahlprodukten stark auf Importe angewiesen.
Die neuen Anlagen sollen künftig mit Strom, Erdgas und perspektivisch auch grünem Wasserstoff arbeiten. Dadurch könnten die CO₂-Emissionen deutlich sinken und vietnamesische Stahlprodukte besser die Anforderungen internationaler Märkte in Europa und den USA erfüllen. Auch bezüglich CBAM (Carbon Border Adjustment Mechanism) würden die niedrigen Emissionen für Vorteile beim Export nach Europa sorgen.
Die Projekte in Japan und Vietnam verdeutlichen, dass die grüne Transformation der Stahlindustrie in Asien längst begonnen hat. Moderne EAF-Technologien, sauberere Energieträger und Investitionen in hochwertige Stahlprodukte dürften dabei in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen. In diesem Zusammenhang wundert man sich, dass man gerade in einer ehemaligen Stahlnation wie Deutschland in geradezu religiösem Eifer in der Politik und beim größten Stahlhersteller vor allem auf grünen Wasserstoff gesetzt hat. Letzterer hat bisher keine ökonomische Machbarkeit erreicht und die Frage steht weiter im Raum, ob diese im Wettbewerb je erreicht werden wird.
KI und Jobs: Warum die Angst vor Massenarbeitslosigkeit bisher fehl am Platz ist
Kaum ein Thema sorgt derzeit für so viel Unsicherheit wie die Künstliche Intelligenz (KI). Während Investoren und Unternehmen weltweit Milliarden in neue KI-Anwendungen investieren, wächst gleichzeitig die Sorge, dass Millionen Arbeitsplätze verschwinden könnten. Doch ein Blick in die Geschichte zeigt: Technologischer Fortschritt hat Arbeitsmärkte zwar immer verändert – aber selten dauerhaft geschwächt.
Tatsächlich könnte KI für viele Volkswirtschaften sogar zur richtigen Zeit kommen. Angesichts alternder Bevölkerungen, hoher Staatsverschuldung und schwacher Wachstumsraten hoffen viele Regierungen auf einen neuen Produktivitätsschub. Bislang bleibt dieser allerdings weitgehend aus: Trotz aller Aufmerksamkeit rund um KI zeigen die offiziellen Daten bisher noch keine deutliche Beschleunigung der Produktivität. Und auch die Rentabilität der hohen Investments hat sich bisher noch nicht eingestellt. Aber was nicht ist, kann ja noch kommen.
Sollte KI künftig tatsächlich für mehr Effizienz sorgen, dürfte das einzelne Branchen erheblich verändern. Einige Tätigkeiten werden wegfallen, andere an Bedeutung gewinnen. Doch genau solche Verschiebungen gab es in der Vergangenheit immer wieder. Nach dem Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2000 verlor die Telekommunikationsbranche innerhalb von zwei Jahren rund 20 Prozent ihrer Arbeitsplätze. Heute liegt die Beschäftigung dort sogar rund 60 Prozent unter ihrem früheren Höchststand. Trotzdem erholte sich der gesamte Arbeitsmarkt mit dem folgenden Wirtschaftsaufschwung schnell wieder.
Auch der langfristige Wandel des Arbeitsmarktes zeigt, wie flexibel Volkswirtschaften auf neue Technologien reagieren können. In den Anfangsjahren der USA arbeiteten rund 80 Prozent der Menschen in der Landwirtschaft. Heute sind es weniger als 1,5 Prozent. Gleichzeitig dominiert inzwischen der Dienstleistungssektor, der rund 85 Prozent der privaten Beschäftigung ausmacht – viele dieser Berufe existierten vor wenigen Jahrzehnten noch gar nicht. Allein im vergangenen Jahr wechselten rund 60 Millionen Amerikaner ihren Arbeitsplatz. Das schießt allerdings nicht aus, dass es immer auch individuelle Schicksale geben kann, wo der Strukturwandel nicht so rund läuft.
Bereits 1930 sagte John Maynard Keynes voraus, dass technologischer Fortschritt eines Tages deutlich kürzere Arbeitszeiten ermöglichen würde. Tatsächlich ist die Wirtschaftsleistung pro Arbeitsstunde in den USA heute mehr als achtmal so hoch wie damals. Doch statt weniger zu arbeiten, entstanden immer neue Berufe, Branchen und Konsumwünsche. Genau das könnte auch diesmal wieder passieren.
LME (London Metal Exchange)
| LME Official Close (3 Monate) | ||||
| 18. Juni 2026 | ||||
| Nickel (Ni) | Kupfer (Cu) | Aluminium (Al) | ||
| Official Close 3 Mon.Ask |
17.970,00 USD/mt |
13.685,00 USD/mt |
3.401,00 USD/mt |
|
| LME Bestände in mt | ||||
| 15. Mai 2026 | 18. Juni 2026 | Delta in mt | Delta in % | |
| Nickel (Ni) | 275.778 | 276.306 | + 528 | + 0,19 % |
| Kupfer (Cu) | 395.725 | 355.725 | – 40.000 | – 10,11 % |
| Aluminium (Al) | 344.000 | 315.525 | – 28.475 | – 8,28 % |




































