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Handelskrieg USA-China dominiert die Märkte. Die USA sind eine starke Wirtschaftsnation mit entsprechenden Drohpotenzial. Es herrscht überdies bereits wieder Wahlkampf.

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Andere Nachrichten verkommen zur Randnotiz. So erwartet die International Nickel Study Group auch für 2019 ein erhebliches Nickelangebotsdefizit. Eine Marktreaktion blieb aus.

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Während China einen langfristigen Plan zu verfolgen scheint, wirkt das Vorgehen der USA mitunter sehr erratisch. Dennoch applaudieren die Unterstützer des US-Präsidenten.

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Eine Wirkung erzielt Donald Trump aber allemal. Die Importe aus China reduzieren sich um beinahe 10%. Die Exporte der USA nach China gehen um mehr als 30% zurück.

Bei aller Häme, die sich weltweit über den amerikanischen Präsidenten ausgießt, muss man neidlos anerkennen, dass die Mischung aus unverhohlenen Drohungen und drakonischen Maßnahmen Wirkung zeigt. Allerdings sollte sich Trump dafür nicht auf die eigene Schulter klopfen, denn mit Dreistigkeiten und Großmäuligkeit allein kommt man in aller Regel nur dann soweit, wenn hinter einem auch eine entsprechende wirtschaftliche Macht und Bedeutung steht. Das ist bei den Vereinigten Staaten von Amerika als großem Wirtschafts- und Währungsraum, trotz schleichendem Bedeutungsverlust, zweifelsohne der Fall.

Nicht nur sind die USA ein großer Absatzmarkt mit rund 300 Millionen Konsumenten mit erheblicher Kaufkraft, auch hat das Land die Kontrolle über die bedeutendste Währung im internationalen Handel und nicht zuletzt besteht ein wesentliches militärisches Potenzial. Und all das nimmt China verständlicherweise ernst. Das wird schon dadurch deutlich, dass die chinesische Delegation vom Vizepräsidenten Liu He angeführt wurde. Die amerikanische Administration bleibt, wie schon so oft zuvor, höchst unberechenbar. Sieht man sich in einem Augenblick bereits auf dem besten Weg zur Lösung des Handelskonflikts, mit einer entsprechend positiven Reaktion von Finanzmärkten und Analysten, so ist im nächsten Moment bereits alles wieder passé und es wird mit neunen Strafzöllen auf inzwischen beinahe alle Produkte gedroht.

Dass Donald Trump sich über alle Umgangsformen der zivilisierten Welt hinwegsetzt, ist ihm herzlich egal und bekanntlich sind nicht wenige Amerikaner mit dem zweifelhaften Auftreten auch noch völlig einverstanden. Der Präsident befindet sich bereits wieder voll im Wahlkampfmodus, um seine Wiederwahl für eine zweite Amtszeit zu sichern. Und dafür wird beinahe alles getan. Was jedoch der amerikanische Primus verkennt oder vielleicht sogar billigend in Kauf nimmt, ist, dass die von ihm erzeugten ökonomischen Folgen letztlich seinem Land – dem er angibt, sich in bester nationalistischer Tradition höchst verbunden zu fühlen – weitaus weniger nutzen, als diese den als wirtschaftliche Bedrohung deklarierten Chinesen schaden.

So sind seit der Einsetzung der Strafzölle und des Beginns des Handelskriegs die chinesischen Exporte in die USA tatsächlich um 9,7% zurückgegangen. Im gleichen Zeitraum sind aber die Exporte der USA um mehr als das Dreifache eingebrochen, ein Minus von 30,4%. Nach intelligenter Taktik sieht das Ergebnis jedenfalls derzeit noch nicht aus. Aber selbst das ist dem Präsidenten vermutlich egal, denn es geht ja nicht um das Land, sondern eigentlich um seine Person. Und das Fatale ist, dass es seinen Anhängern auch vollkommen egal sein dürfte. Denn entweder haben kleinere exklusive Kreise einen persönlichen Nutzen aus den Entwicklungen und sind daher bereit Schäden an der Wirtschaft zu tolerieren oder aber dem größeren Unterstützerkreis sind die Fakten völlig egal, wenn diese überhaupt wahrgenommen werden.

Das ist so bei großen populistischen Regierungen immer schon der Fall gewesen. Und leider ist daher auch nicht kurzfristig damit zu rechnen, dass Vernunft die weitere Entwicklung prägen wird, sondern, dass sich ähnlich wie beim Brexit in Nicht-mehr-ganz-so-Groß-Britannien, die Dinge eher wie Kaugummi ziehen. Was einer schnellen Lösung auch noch abträglich ist, ist die Tatsache, dass die US-amerikanische Wirtschaft aktuell sehr gut läuft. Stabiles hohes Wachstum, geringe Inflation und niedrige Arbeitslosigkeit. Das beziehen die Anhänger natürlich auf die erfolgreiche Politik ihres Idols. Von daher kann es nur von innen zu einer Politikänderung kommen, die insbesondere dann beschleunigt wird, wenn sich die negativen Folgen der Trump’schen Politik auch konkret in den Portemonnaies der derzeitigen Unterstützer bemerkbar machen.

Die australische Investment Bank Macquarie schreibt zur weiteren Eskalation des Handelskriegs, dass die Märkte grundsätzlich weiterhin von einer Lösung des Konflikts ausgehen und sich die Börsenkurse im Allgemeinen deswegen trotz Bedrohung des weltweiten Handels und Wachstums weiterhin auf beachtlichem Niveau befinden. Das liegt unter anderem auch an den bereits durch die Amerikanische Zentralbank Federal Reserve und die People’s Bank of China eingeleiteten geldpolitschen Maßnahmen. Macquarie spricht in diesem Zusammenhang vom „Living in a M.A.D. world…“ Mit M.A.D. ist die „Mutually Assured Destruction“ gemeint, die gegenseitig zugesicherte, größtmögliche Zerstörung, eine Doktrin aus der Zeit des Kalten Krieges, die seinerzeit die Balance gehalten und den Ausbruch eines Weltkriegs verhindert hat.

Daraus erwächst die Erwartung, dass die ohne Frage extrem negativen Auswirkungen eines vollumfänglichen Wirtschaftskrieges auf das Weltwirtschaftswachstum und damit auf die Streithähne sowie auch alle unbeteiligten Nationen so abschreckend sind, dass es am Ende doch zu einem Deal kommen sollte. Auch wenn vermutlich tatsächlich weiterhin von einer Einigung beziehungsweise von einem Deal auszugehen ist, so ist es vor dem Hintergrund der letzten populistischen Drohungen der US-Administration nicht abwegig, dass es noch beträchtliche Zeit dauern könnte, bis dieser Zeitpunkt erreicht ist. Das liegt vermutlich auch in einer Überschätzung der aktuellen, eigenen Wachstumsstärke durch die USA.

Macquarie hält es daher für möglich, dass es, ähnlich wie bei der Eurokrise 2011/2012, erst mit der Wahrnehmung der Hitze einer Kernschmelze zu einer Einigung kommen könnte. Auch wird von den Analysten befürchtet, dass dieser maximale Poker in den Assetpreisen noch nicht hinreichend diskontiert ist. China ist bei alldem natürlich auch kein Unschuldsknabe und wird sich seinerseits nicht einfach den Schneid abkaufen lassen und einknicken. Da sonstige externe Hilfe nicht in Sicht ist, bleibt daher für eine kurzfristige Lösung nur die Hoffnung auf eine weitere (positive) Unberechenbarkeit des amerikanischen Präsidenten oder auf einen positiven Einfluss der First Lady, jeweils aus welchen Gründen auch immer.

Die gegenwärtige Entwicklung der Rohstoffpreise scheint den vorstehenden Überlegungen Recht zu geben. Die Finanzmärkte sind wieder deutlich vorsichtiger und die erzielten Gewinne aus den Börsenrallys in vielen Märkten seit Jahresbeginn erodieren. Auch die LME-Nickelnotierung bewegte sich in den letzten Tagen eher südwärts, nachdem in den Wochen zuvor eine Seitwärtsbewegung, gleichbedeutend mit einer Unklarheit hinsichtlich der weiteren Entwicklung, vorherrschte. Auf dem Ölmarkt sieht es übrigens nicht viel anders aus. Auch hier rutschten die Preise aus der gleich makroökonomischen Unsicherheit unter die Marke von USD 70 pro Barrel. Und das, obwohl Fundamentaldaten wie ein erheblicher Lagerabbau in den USA sowie ein eskalierender Atomstreit mit dem Iran, eine andere Entwicklung suggerieren würden.

Daher scheint bis zum Vorliegen anderslautender Erkenntnisse in Sachen Handelskrieg erst einmal wieder eine negative Betrachtungsweise bei den Marktteilnehmern Einzug zu halten. Leider hat das nicht nur einen Einfluss auf den LME-Nickelkurs. Unlängst wurde die Kursschwelle von USD 12.000,00/mt wieder nach unten durchbrochen, von den Höchstkursen um und über USD 13.000,00/mt ganz zu schweigen. Zuletzt handelte der Dreimonatsfuture bei Preisen um USD 11.700,00/mt.

Und das trotz weiter stetig fallender LME-Lagerbestände; inzwischen wurde ein Wert von weniger als 170.000 Tonnen erreicht. Die International Nickel Study Group (INSG) gab unlängst aktualisierte Schätzungen zum Nickelmarkt bekannt. Das Angebotsdefizit für 2018 wurde auf 146.000 Tonnen nach oben revidiert und für 2019 soll der Nachfrageüberhang nun immer noch beträchtliche 84.000 Tonnen betragen. Damit ist von einem weiteren Rückgang der Reservebestände in den LME-Lagerhäusern auszugehen. Diese Daten blieben aber, wie die Commerzbank in ihrer TagesInfo Rohstoffe schreibt im Angesicht des Handelsstreits nur eine Randnotiz. 

In der Folge ist auch eine gewisse Verunsicherung auf Edelstahlverbraucher- und ergo auch Produzentenseite nicht überraschend. Das ist bedauerlich, denn nach einem allgemein erwarteten, schwächeren ersten Quartal, hatte der Markt im zweiten Quartal Fahrt aufgenommen und es wäre eigentlich vor dem Hintergrund sich erholender Wirtschaftsindikatoren unlogisch, wenn der Sommer bereits den Schlusspunkt der diesjährigen Entwicklung darstellen sollte. Da es vermutlich aber, wie oben beschrieben, bei einem Auf und Ab bleiben wird, ist auch eine erneute Aufwärtsbewegung alles andere als ausgeschlossen. Und die Richtung der Entwicklung wechselt sich inzwischen beinahe im Monatsrhythmus ab.

Dafür sind aber nicht unbedingt die Chinesen verantwortlich, die spürbar einen mittel- bis langfristigen Plan verfolgen und das sehr konsequent. Da ist noch nicht einmal ausgeschlossen, dass China aus taktischen Erwägungen auf die Halbstarkenrhetorik Trump’s einlenken könnte, um ihm einen kurzfristigen Erfolg zu gönnen. Denn es geht ihnen, anders als dem Präsidenten der USA, nicht um Effekte oder um Kategorien wie Bloßstellung oder Rache, sondern das große Ganze und natürlich den Erhalt des politischen Systems. Es soll unter allen Umständen vermieden werden, dass China das gleiche Schicksal wie die ehemalige Sowjetunion erfährt. Und wenn es der eigenen Strategie nutzt, geht man dafür auch gerne einen Umweg.

Vor gut einem halben Jahr veröffentlichte die London Metal Exchange (LME) ein Grundsatzpapier zur nachhaltigen Beschaffung von Rohstoffen. Dieses bezieht sich auf eine Leitlinie der OECD, welche Sorgfaltspflichten in Rohstofflieferketten vorsieht, um Menschenrechtsverletzungen und Konfliktfinanzierungen bei der Verarbeitung von Mineralien und beim Handel mit diesen zu unterbinden. Die LME setzte sich in ihrem Grundsatzpapier das ambitionierte Ziel, dass bis Ende 2022 alle von der LME zertifizierten Marken, die gegen einen entsprechenden LME Kontrakt geliefert werden dürfen, die Vorschriften der OECD erfüllen müssen.

Ende April revidierte die LME dieses Ziel für den Rohstoff Kobalt. Zu viele Kobaltproduzenten fühlten sich nicht in der Lage, innerhalb einer so kurzen Zeit diese Vorgaben zu erreichen. Insbesondere kleinere Rohstoffproduzenten sahen sich benachteiligt. Auch bei Industrieunternehmen steht die Kobalt-Problematik auf der Agenda. Taggleich veröffentlichte Reuters, dass der Automobilhersteller BMW in den Batterien der nächsten Generation seiner Elektrofahrzeuge nur noch Kobalt aus Australien und Marokko verwenden möchte. Bereits vor einigen Wochen veröffentlichte Volkswagen eine Pressemitteilung, in der auf diese Problematik eingegangen wird. Mithilfe der Blockchain-Technologie möchte Volkswagen die Effizienz, Nachhaltigkeit und Transparenz in seinen Zulieferketten erhöhen.

China, weltweit größter Emittent von Treibhausgasen, versucht mit seiner „blue sky“-Politik die Umwelt- und Gesundheitsschäden durch Kraftwerks- und Verkehrsemissionen zu bekämpfen. So blieben bereits in der Vergangenheit für die Einwohner Pekings mitunter die Heizungen aus, um die Emissionen zu reduzieren. Nun geht die chinesische Regierung noch weiter. Die Schrotteinsatzquote bei der Herstellung von Stahl im Lichtbogenofen soll durch neue Anreize weiter erhöht werden. Derzeit beträgt die Quote 20%. Von dieser Politik möchte auch die Singapore Exchange (SGX) profitieren. Denn die SGX verkündete Anfang Mai, Derivate für Eisenschrott seien das „next big thing“ und plane daher solche einzuführen. Unter dem Konzept „virtuelle Stahlhütte“ werden nun Finanzprodukte für Eisenerz, Kokskohle und Stahlschrott speziell für Stahlproduzenten und deren Zulieferer angeboten. Derzeit sieht die SGX noch als größte Herausforderung ein fehlendes Verständnis für solche sinnvollen Produkte bei den Marktteilnehmern, so William Chin, Head of Commodities bei der SGX.

LME (London Metal Exchange)

LME Official Close (3 Monate)
13. Mai 2019
  Nickel (Ni) Kupfer (Cu) Aluminium (Al)  
Official Close
3 Mon.Ask
11.770,00
USD/mt
6.069,00
USD/mt
1.801,00
USD/mt
 
LME Bestände in mt
  8. April 2019 13. Mai 2019 Delta in mt Delta in %
Nickel (Ni) 179.328 169.218 – 10.110 – 5,64%
Kupfer (Cu) 197.550 203.750 + 6.200 + 3,14%
Aluminium (Al) 1.098.925 1.261.450 + 162.525 + 14,79%

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