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Nickel in Seitwärtsbewegung. Per Saldo weist die Entwicklung nach oben und trotzt einem eher pessimistischen, gesamtwirtschaftlichen Newsflow. Durchschnitte haben nach oben gedreht.

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Brexit kommt nicht voran. Eine Fristverlängerung folgt der nächsten. Warum sollten die Briten nicht ihre Meinung revidieren dürfen? Irren ist menschlich. Wenn nicht, dann Austritt mit „immediate effect“.

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Auch die LME bereitet sich auf den Brexit vor. Unabhängig von Form und Datum. Gespräche mit der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde ESMA laufen. Notfallplanung steht aber.

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„The Metals Risk Team“ meint: Natural Hedge ist bei Edelstahl zu hinterfragen. ISSF veröffentlicht Produktionszahlen für 2018. Auch die EU-Kommission erlässt weitere Regeln zu Konfliktmetallen.

Der Preis für Nickel an der London Metal Exchange (LME) bewegte sich in den letzten Wochen in einem recht engen Band zwischen USD 12.900/mt und USD 13.400/mt. Die Seitwärtsbewegung hatte per Saldo eine leichte Tendenz nach oben. Das spiegelt sich auch in den gleitenden 10-, 30- und 100-Tage-Durchschnitten wieder, die allesamt nach oben gelaufen sind. Zuletzt hatte der träge 100-Tage-Durchschnitt etwa Mitte Februar nach oben gedreht. Damit ist der Markt gegenüber der Spitze von USD 13.765/mt etwas zur Ruhe gekommen, was man im Interesse einer nachhaltigen Entwicklung nur begrüßen kann. Extreme Ausschläge oder rasante Anstiege sorgen mittel- und langfristig eher für das Gegenteil, nämlich zu ebenso überraschenden Korrekturen und Einbrüchen, welche die Übertreibungen dann wieder in normale Bahnen leiten.

Die LME-Nickel-Lagerbestände gehen weiter kontinuierlich zurück, was zumindest optisch für eine gute Unterstützung des Marktes sorgt. Inzwischen wurde ein Stand von 179.328 Tonnen erreicht. Wir erinnern uns, dass die in akkreditierten Lagerhäusern eingelagerte Tonnage Anfang Juni 2015 noch über 470.000 mt betragen hat. Seitdem gehen die Nickelbestände zurück. Auf die allgemeine Problematik der Interpretation aufgrund der sichtbaren und vor allem der unsichtbaren Bestände wurde hier gelegentlich schon hingewiesen. So sind beispielsweise die LME-Kupfer-Bestände mit 197.550 Tonnen schon seit langer Zeit sehr niedrig, wenn man den täglichen, weltweiten Verbrauch zugrunde legt. Die Reichweite beträgt demnach nur noch weniger als 3 Tage. Dennoch besteht in der Realität kein Versorgungsengpass, was an einer entsprechenden Vorratshaltung und Lieferkette außerhalb der Metallbörsen liegt.

Dennoch kann man inzwischen sicherlich von einer deutlichen Trendwende im Nickelmarkt sprechen, welche über einige Jahre von einem strukturellen Überangebot geprägt war. Dieses baut sich nun sukzessive ab, denn in der Periodenbetrachtung gibt es bei diesem Industriemetall schon seit einiger Zeit ein Angebotsdefizit beziehungsweise einen Nachfrageüberhang. So erklären sich relativ einleuchtend die regelmäßigen Abnahmen. Allerdings sind die steigenden Nickelnotierungen sowie das rasche Ende der Preismodell-Odyssee bei Schrott durchaus geeignet, die Angebotssituation bei Nickel zu verbessern, sei es in Form von Nickel-Pig-Iron (NPI) aufgrund kostendeckender Produktion oder durch eine allgemein höhere Schrottverfügbarkeit.

Dabei sollte aber nicht vergessen werden, dass die Edelstahlproduktion und auch die Nickelnachfrage aus anderen Bereichen weiter wachsen und es außerdem mit der im Aufbau befindlichen indonesischen Edelstahlproduktion inzwischen einen neuen gewichtigen Verbraucher gibt. Und zwar gilt das nicht nur für Nickel und NPI, sondern auch für Schrott. Die vorbeschriebene Irrfahrt dauerte aber, anders als bei Odysseus in der Ilias von Homer, weniger als zehn Jahre, um wieder den Boden der Tatsachen zu erreichen.

„Irren ist menschlich“ lautet ein bekanntes Sprichwort. Aber gibt es auch eine Kultur des Irrendürfens? Diese Frage kann man aktuell an den Entwicklungen rund um den Brexit in Großbritannien festmachen. Das Volk hat ein, bei aller gesunden Skepsis und gepflegten EU-Ressentiments, mehrheitlich EU-freundliches Parlament und eine EU-freundliche Regierung wiederum auf eine Odyssee geschickt, deren Ausgang mehr als unklar ist. Nun versuchen Parlamentarier und Regierung schon seit geraumer Zeit erfolglos einen Ausweg aus dem Dilemma zu finden. Dabei geht es auch darum möglichst alle Strömungen unter einen Hut zu bringen, was de facto unmöglich ist.

Bei den Bürgerinnen und Bürgern des Vereinigten Königreichs ist, mit der Ausnahme von wenigen Hardlinern, ein gewisser Ermüdungszustand festzustellen und ein gewisses peinliches Erstaunen über das Bild, welches die Mutter aller Demokratien aktuell in Sachen Parlamentarismus und Handlungsfähigkeit abgibt. Man versucht zur Gesichtswahrung mit allen Mitteln zu verhindern, dass eine vor allem für Großbritannien elementare Frage erneut dem Stimmvolk vorgelegt wird. Auch wenn Ängste bezüglich einer Trivialisierung von Volksabstimmungen durchaus nachvollziehbar sind, wäre ein erneutes Referendum vermutlich ein würdiger und ebenso eleganter Weg aus der politischen Krise.

Denn die Parlamentarier fühlen sich trotz anderer eigener Meinung natürlich in erster Linie der Umsetzung des Willens des Volkes verpflichtet und möchten aber andererseits ökonomischen Schaden vom Königreich fernhalten. Dadurch sind sie in einer Zwickmühle und die bestehenden Vorschläge von ultraweich bis extrem hart allesamt nicht konsensfähig, woran sich zeigt, dass die Frage über einen EU-Austritt eben nicht nur mit Ja oder Nein zu beantworten ist, sondern auch das Wie eine wesentliche Rolle spielt.

Darüber wurde aber seinerzeit gar nicht debattiert, geschweige denn abgestimmt. Um nicht auch in zeitlicher Hinsicht völlig aus dem Ruder und aus der Kontrolle zu laufen – und darauf haben auch die übrigen EU-Mitglieder einen Anspruch – sollte man die Frage des Austritts dem Volk erneut und zügig in einem zweiten Referendum vorlegen. Wieso auch nicht? Das Stimmvolk hatte den Parlamentariern einen unlösbaren Auftrag gegeben, also sollte es jetzt den Karren auch selber wieder aus dem Dreck ziehen. Wenn das Parlament vier Mal über denselben „Deal“ abstimmen soll oder kann, dann kann es auch das Volk. Nach dem aktuellen Stimmungsbild zu urteilen, ist es nicht ausgeschlossen, dass das seinerzeitige Votum auf Basis von Irrrungen und Verwirrungen zustande gekommen ist. Und damit sollte das Volk als der Souverän auch die Möglichkeit bekommen sein eigenes Urteil zu korrigieren. Denn Irren ist menschlich.

Jeder Wählerin und jedem Wähler wird im Fall eines zweiten Referendums unmissverständlich klar sein, welche Stunde geschlagen hat. Daher werden dieses Mal die Stimmen mit Bedacht abgegeben werden und die Wahlbeteiligung der Frage angemessen sein. Sollte das Volk nun wiederum für einen sofortigen Austritt plädieren, dann muss diese Realität auch durch die Parlamentarier anerkannt und sofort vollzogen werden. Und zwar ohne Wenn und Aber und auch ohne Deal. Das heißt nicht, dass man in der Folge zu sinnvollen Abkommen kommt oder in Jahrzehnten noch einmal einen Anlauf für eine Mitgliedschaft nimmt, aber Austritt heißt dann eben auch erst einmal raus. Ein wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass, kann es dann nicht mehr geben.

Natürlich hat auch die LME ihre Vorbereitungen hinsichtlich Brexit getroffen. Und zwar, wie der Chief Executive Officer Chamberlain mitteilte, unabhängig zu welcher Form von Austritt es kommen sollte, also auch im Fall eines harten Brexits. Erstes Ziel war es, ohne Rücksicht auf persönliche Überzeugungen und Präferenzen in der Brexit-Frage, die unbedingte Handlungsfähigkeit der LME für Mitglieder und Kunden sicherzustellen. Dabei gab es zwei wesentliche Dinge zu regeln. Und zwar zum einen eine entsprechende Handelslizenz in allen EU-Staaten, in denen auch die Mitglieder der Börse domiziliert sind sowie die Anerkennung als Clearingstelle für die Transaktionen.

So befindet man sich in entsprechenden Gesprächen mit der Europäischen Finanzmarktaufsicht ESMA um über die bereits ausgesprochene Erlaubnis für ein Clearing der Börsenmitglieder über London einen entsprechenden Drittlandstatus zu bekommen. Eine Anerkennung als gleichwertiger Handelsplatz wird auch angestrebt, ist aber eher ein „nice to have“ als eine harte Voraussetzung. In gleicher Weise wie die LME bereiten sich natürlich auch die in London ansässigen Mitglieder der Börse, zum Beispiel Broker, darauf vor, ihre in den EU-Staaten beheimateten Kunden auch bei einem harten Brexit weiter reibungslos bedienen zu können. Hierzu gibt es verschiedene Strategien, von der Gründung einer europäischen Niederlassung bis hin zur sogenannten „Reverse Solicitation“.

Wenn Unternehmensvorstände nach deren Strategien gegen Rohstoffpreis- und Währungsschwankungen gefragt werden, wird oft auf den sogenannten Natural Hedge verwiesen. Beispielsweise werden Produkte für lokale Märkte vor Ort produziert. Bei einer möglichen Abwertung einer Fremdwährung verringert sich zwar der Umsatz in einem Währungsraum, dies geht dann immerhin auch mit einer Reduktion der lokalen Kosten (zum Beispiel Lohnkosten) einher. Auch können etwa Fremdwährungskredite eingesetzt werden, um Vermögen und Schulden einer lokalen Tochtergesellschaft anzugleichen. Beim Hedging von Edelstahl steckt der Teufel allerdings im Detail, so Michael Lockwood, Principal bei „The Metals Risk Team“, der kürzlich einen Artikel zu diesem Thema publiziert hat.

Der Preis für Edelstahl ist letztlich eine Formel und bezieht unter anderem den Nickeldurchschnittspreis vorheriger Perioden mit ein. In Fachkreisen spricht man von einem Legierungszuschlag. Bei steigenden Rohstoffpreisen erhöhen Einkäufer für Edelstahl das Volumen, in der Erwartung noch von den niedrigeren historischen Preisen und damit einem entsprechend geringen Legierungszuschlag zu profitieren. Umgekehrt verhält es sich bei fallenden Preisen. Es handelt sich also beim Legierungszuschlag letztlich um einen sich selbstverstärkenden Mechanismus. Zudem folgen Nickeleinkäufe für die Edelstahlproduktion dem Produktionsbedarf. Die Edelstahlverkäufe der Produzenten hingegen unterliegen der Marktnachfrage. Nachfrage und Produktion sind daher in gewisser Weise voneinander entkoppelt. Des Weiteren dauert es bei Marktbewegungen, aufgrund der Altbestände, die erst verbraucht werden müssen (first-in-first-out), einige Monate bis diese sich im Ergebnis niederschlagen. Aus diesen Gründen ist das Hedging von Edelstahl eine komplexe Angelegenheit.

Mitte März veröffentlichte das International Stainless Steel Forum (ISSF) das weltweite Edelstahl-Produktionsvolumen für das Gesamtjahr 2018. Insgesamt wurden 50,7 Millionen Tonnen Edelstahl produziert, was einem Anstieg von 5,5% gegenüber dem Vorjahr entspricht. Der europäische Markt stagnierte mit 0,1% Wachstum. Das größte Wachstum, absolut zwar noch sehr klein, wird der Region „Other“ mit 35,9% zugeschrieben (5,6 nach 4,1 Millionen Tonnen im Vorjahr). Obwohl dies in der Pressemitteilung nicht weiter kommentiert wird, dürfte sich dahinter der Aufbau neuer Edelstahlkapazitäten in Indonesien verbergen.

Wie Reuters berichtete, gab Thomas Lembong, Leiter des indonesischen Investment Coordinating Board, Ende März bekannt, dass innerhalb der nächsten zehn bis fünfzehn Jahre die nickelverarbeitende Industrie sogar zweitgrößter Exporteur des Landes sein könnte. Damit ist weiter mit einem ambitionierten Wachstum der Edelstahlproduktion aus Indonesien zu rechnen. Die wichtigsten Exportgüter Indonesiens sind momentan Erdöl (ca. 42 Mrd. USD p.a.), gefolgt von Palmöl (ca. 20 Mrd. USD p.a.) und elektronische Geräte (ca. 9 Mrd. USD p.a.). 

Während bei manchen aufstrebenden Wirtschaftsnationen das Wirtschaftswachstum auch auf Kosten der Umwelt geht, hat die Europäische Kommission eine weitere EU-Verordnung zur Sorgfaltspflicht in der Lieferkette von Zinn, Tantal, Wolfram und Gold aus Konflikt- und Hochrisikogebieten (EU-Verordnung 2019/429) erlassen. Damit soll sichergestellt werden, dass Unternehmen keine Rohstoffe von Zulieferern beziehen, die Verstöße gegen die Menschenrechte begehen. Die Verordnung steht im Einklang mit den von den Vereinten Nationen aufgestellten Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte. Die Ursprünge stammen aus dem Jahre 1952, als der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen eine Resolution, speziell im Hinblick auf die „Demokratische“ Republik Kongo und ihre Nachbarn in Zentralafrika, zur Erfüllung der Sorgfaltspflicht in der Lieferkette forderte. Damit soll auch verhindert werden, dass Warlords von Unternehmen finanziert werden. In diesem Zusammenhang erscheint der auch in gesellschaftlicher Dimension nachhaltige Rohstoff Schrott in einem anderen Licht.

Die Benchmark für Lieferungen von Charge und High-Carbon Ferrochrom nach Europa für das 2. Quartal 2019, welcher traditionell jedes Quartal zwischen einem führenden Südafrikanischen Ferrochrom-Produzenten und einem der großen europäischen Edelstahlhersteller verhandelt wird, ist gegenüber dem Vorquartal leicht angestiegen. Betrug die Preisreferenz für Januar bis März 2019 noch USD 1,12 per pound, liegt die Benchmark nun bei USD 1,20 per pound und damit um 8 USD-cents oder 7,1% höher als in der Vorperiode. Bei der Benchmark handelt es sich aber lediglich um eine Orientierung für den Markt. Die tatsächlich verhandelten Preise liegen in der Regel niedriger.

LME (London Metal Exchange)

LME Official Close (3 Monate)
8. April 2019
  Nickel (Ni) Kupfer (Cu) Aluminium (Al)  
Official Close
3 Mon.Ask
13.240,00
USD/mt
6.452,00
USD/mt
1.883,00
USD/mt
 
LME Bestände in mt
  11. März 2019 8. April 2019 Delta in mt Delta in %
Nickel (Ni) 194.046 179.328 – 14.718 – 7,59%
Kupfer (Cu) 113.525 197.550 + 84.025 + 74,02%
Aluminium (Al) 1.213.125 1.098.925 – 114.200 – 9,41%

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