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Nickel ohne Eigendynamik. Dennoch ein Hin und Her. Korrektur zuletzt im Einklang mit der Wechselkursentwicklung. Und auch im Einklang mit dem Auf und Ab populistischer Weltpolitik.

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Die USA und die Türkei streiten. Erdogan im Schwitzkasten von Trump. Drakonische Maßnahmen folgen verbaler Eskalation. Dabei ist die Türkei nicht unbedeutend für die USA und die Welt.

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Das International Stainless Steel Forum veröffentlicht Edelstahlschmelzproduktion für Q1 2018. 12,8 Mio. Tonnen wurden produziert. Das ist ein Plus von 9,5%. Eine Edelstahlschrottstatistik wäre schön.

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Macquarie analysiert die Primärnickelproduktion. Starker Anstieg im ersten Halbjahr. Nickel Pig Iron ist der Treiber. Tsingshan nun die Nummer 2 hinter Vale bei den größten Nickelproduzenten.

Die Nickelnotierungen an der London Metal Exchange (LME) bewegen sich, allerdings ohne eine wirkliche Eigendynamik. Allenfalls dämpfen die Sommerferien in Europa ein wenig die Nachfrage. So befestigten sich die Nickelkurse zunächst im Verlauf des Juli bis auf USD 14.120,00/mt, um dann pünktlich zum Monatswechsel in den Sinkflug zu gehen. Die Korrektur führte bis auf ein Tief von USD 13.080,00/mt, wohl in der Folge schwächer als erwarteten Einkaufsmanagerzahlen aus China und der allgemeinen Unruhe an den Märkten.

Unmittelbar anschließend, nachdem sich wieder ein wenig mehr Realismus (oder Hoffnung?) breit gemacht hatte, erholten sich die Preise bis auf USD 14.145,00/mt. Seit dem 9. August gab es dann aber wieder einen deutlichen Abschwung, der im Wesentlichen parallel zur USD-/EUR-Wechselkursentwicklung verlief. Ursache vermutlich wieder einmal ein Tweet vom US-Twitter-König, mit der Androhung einer neuen protektionistischen Außenhandelsschweinerei, auch Strafzoll genannt. Alles natürlich im Interesse der nationalen Sicherheit, versteht sich.

Dieses Mal steht die Türkei im Fokus, ein ohnehin schwächelnder Gegner mit einem, für die meisten, nicht gerade allzu sympathischen Präsidenten. Die Auseinandersetzung zwischen den USA und der Türkei eskalierte, verbal und auch durch Maßnahmen, so dass der Nickelkurs, nicht erstaunlich, ein Tief von USD 12.770,00/mt erreichte. Das war dann allerdings doch etwas zu viel des Guten beziehungsweise Schlechten und so gab es unmittelbar am Tag darauf einen Rebound bis auf USD 13.465,00/mt. Aktuell handelt die Notierung bei um USD 13.250,00/mt.

Das ständige Auf und Ab ist aber eigentlich nur konsequent, denn letztlich folgt die in diesen Sommermonaten kursbeeinflussende Weltpolitik dem gleichen Muster. Erst draufhauen (für die eigene Wählerklientel) und dann zurückrudern (um sich nicht selbst im Amt angreifbar zu machen), das ist ein überall zu beobachtendes Handlungsmuster von politischen Populisten, egal, ob man nun nach Westen, Osten, Süden, Norden oder auf die entsprechenden Parteien und Politiker im eigenen Land schaut. Doch jeder Börsenhändler weiß, „Hin und her macht Taschen leer“ und so ist diese marktfremde Volatilität kein Wert an sich.

Der US-Präsident will Unruhe stiften, um seine Ziele zu erreichen und das gelingt ihm offensichtlich. Er verhält sich ganz bewusst und mit sichtlicher Freude wie der Elefant im Porzellanladen. Je mehr Porzellan zu Bruch geht, umso besser. Allerdings scheint er ein großes Problem damit zu haben, abzuschätzen, welche direkten und indirekten Folgen sein Handeln und Schwadronieren hat. Dadurch, dass er zum Beispiel die Türkei in den Schwitzkasten nimmt, schadet er der Weltwirtschaft, deren Bestandteil die USA immer noch sind. Denn die Türkei ist mit 80 Millionen Einwohnern und einem Bruttoinlandsprodukt von USD 900 Milliarden kein völlig unbedeutendes Land, zum Vergleich: Griechenland kommt gerade einmal auf USD 200 Milliarden und war dennoch geeignet die Stimmung an den Märkten ordentlich zu vermiesen.

Und eine schlechte Stimmung schadet letztlich auch den Amerikanern, die ja ein vergleichsweise hohes Kapitalmarkt-Exposure haben. Und in Zeiten von Unsicherheit kommt es in der Regel auch zu einer Befestigung des US-Dollars gegenüber anderen und insbesondere auch den Währungen der Emerging Markets. Ein fester Dollar und schwache Währungen bei den potenziellen Käufern US-amerikanischer Produkte sind aber sicher nicht dazu geeignet, die Ausfuhren anzukurbeln und die Exportschwäche der USA zu beseitigen.

Schaut man sich die Währungsentwicklung gegenüber dem Euro an, so wurden zum Jahresbeginn noch USD 1,25 für einen Euro bezahlt, vor der Eskalation der Trump‘schen Türkeiattacke stand der Euro noch bei USD 1,1620, am 15. August 2018 schließlich wurde ein vorläufiges Tief von USD 1,1297 erreicht. Seit Jahresanfang sprechen wir also über ein Minus von über 12 USD-cents oder mehr als 10% pro Euro. Das ist schon eine Hausnummer.

Aber auch die eigenen geostrategischen Interessen der USA sollte man nicht vergessen. Immerhin unterhalten die USA eigene Militärbasen in der Türkei. Da macht es wenig Sinn, den NATO-Partner auf beleuchteter Bühne zu brüskieren und in die Arme anderer Staaten zu treiben, die vielleicht nicht nur gutes im Schilde führen. Die Diplomatie scheint ausgedient zu haben. Und nicht zuletzt auch Basisindustrien, wie zum Beispiel die Stahlindustrie, die der amerikanische Präsident eigentlich in den USA im Interesse seiner Wähler stärken wollte, holt er mit solchen Maßnahmen von den Beinen. Denn vielleicht wird die gewichtige, türkische Kohlenstoffstahlproduktion durch die Sanktionen und die Lira-Schwäche beschädigt.

Aber eine fallende Nachfrage nach Rohstoffen wie Eisenerz, kann bei den entsprechenden Preiseffekten auch nicht im Interesse der amerikanischen Stahlproduzenten sein. So ist es nur konsequent, dass der schwedische Aluminiumproduzent am 17. August 2018 bekannt gab, seine Pläne für ein mit der Mitsubishi Aluminum Co., Ltd geplantes Joint Venture für eine Produktionsstätte in Nordamerika vorerst zu begraben. Unter den gegenwärtigen Bedingungen ist das Projekt nicht mehr hinreichend attraktiv. Sind das die Arbeitsplätze im Bereich der Industrie, die der US-Präsident versprochen hat.

Und das erkennen mehr und mehr Republikaner und auch die Institutionen beginnen sich zu wehren. Die geplante Truppenparade wurde aus Kostengründen vom Pentagon abgeblasen oder wie man sagt, in das kommende Jahr verschoben. Der Senat hat einstimmig (!) eine Resolution gefasst, die feststellt, dass die Medien nicht der Feind des amerikanischen Volkes sind. Damit hat der Senat auf den Streit zwischen dem Präsidenten und den amerikanischen Medien reagiert und die Bedeutung der freien Presse hervorgehoben.

Das International Stainless Steel Forum (ISSF) hat inzwischen die Zahlen der Edelstahlproduktion für das erste Quartal 2018 mitgeteilt. Der Output ist um 9,5% gegenüber dem Vorjahr auf 12,8 Millionen Tonnen gestiegen. Dabei hat China mit 6,5%, das andere Asien (ohne China und Südkorea) mit 4,0% und Europa immerhin noch mit 1,7% beigetragen. Das globale Wachstum gegenüber dem 4. Quartal lag bei „lediglich“ 1,8%. Die Überraschung sind aber die sonstigen Produzentenländer, hinter denen sich statistisch eine bunte Mischung von Brasilien, Russland, Südafrika, Südkorea und Indonesien verbirgt. Deren Produktion ist um sage und schreibe 70,2% oder 594.000 Tonnen gestiegen. Das dürfte vor allem an der Inbetriebnahme von neuen Stahlwerken in Indonesien liegen, die dort integriert auf das im Inland aus indonesischen Nickelerzen produzierte Nickel Pig Iron (NPI) als wesentlichen Rohstoff zurückgreifen.

Dazu passt auch die Analyse der Rohstoff- und Investmentbank Macquarie, die die bisherige Entwicklung der Nickelproduktion in 2018 analysiert hat. Demnach ist die Primärnickelproduktion in den ersten sechs Monaten des Jahres um 8,7% auf 1,065 Millionen Tonnen gestiegen. Der Anstieg wird im Wesentlichen auf NPI, produziert in China und Indonesien, zurückgeführt.

Die NPI-Produktion hatte um 31,5% zugenommen, wobei NPI inzwischen für insgesamt ein Drittel der Primärnickelproduktion steht. Inzwischen ist der chinesische Produzent Tsingshan, der auch Produktionsstätten in Indonesien besitzt, mit einem Wachstum von 29,2% gegenüber dem ersten Halbjahr 2017, zur Nummer 2 der weltweiten Nickelproduktion aufgestiegen. Hinter die Nachhaltigkeit und Profitabilität dieses Wachstums darf man aber getrost ein Fragezeichen machen.

Vale als Nummer 1 verzeichnete im gleichen Zeitraum ein Minus von 9,2%. Für das zweite Halbjahr geht aber Macquarie nicht davon aus, dass die hohen Wachstumsraten aufrechterhalten werden können. Es wird weniger neue Produktionskapazität in Indonesien an den Start gehen und ebenso bleibt die Folge der Umweltinspektionen in China abzuwarten. Dennoch wird auch weiterhin für die zweite Jahreshälfte ein Defizit am Primärnickelmarkt erwartet. Bezüglich der Verfügbarkeit von Nickel in Edelstahlschrott werden auch Angaben gemacht. Diese sind aber aufgrund der unsicheren statistischen Datenlage mit Vorsicht zu betrachten, denn die entsprechenden Werte beruhen auf mehr oder weniger seriösen Modellen.

Es wäre daher zu wünschen, dass das vorgenannte ISSF bei seinen Mitgliedern – denn eine Erhebung bei den relativ wenigen Verbrauchern weltweit ist im Vergleich zu den vielen Lieferanten wesentlich einfacher –entsprechende Einsatzmengen von Edelstahlschrott ermitteln und veröffentlichen würde, um zu besseren Aussagen zu kommen. Der von Macquarie für das erste Halbjahr 2018 angegebene Anstieg der Nickeleinheiten im Schrott von 3,7% scheint, ohne dass eine Überprüfung möglich ist, zumindest einigermaßen plausibel.

Was allerdings nicht plausibel ist, ist, warum bei einem Primärnickeldefizit insbesondere in den letzten Monaten die Bewertungen für Nickel im Schrott unter Druck geraten sind. Ungute Marktanteilskämpfe, die über den Preis auf Absatz- und Einkaufsseite geführt wurden, könnten hier eine Erklärung sein, was umso verwerflicher ist, wenn man bei fehlendem Devisenhedging Windfall-Profits aus der Devisenentwicklung quasi „verschenkt“. Das ist nicht nachhaltig und wird sich bei anderem Kursverlauf bitter rächen. Im Übrigen ist ein adäquates Devisenhedging für einen professionellen Edelstahlschrott-Prozessor unerlässlich.

 

LME (London Metal Exchange)

LME Official Close (3 Monate)
17. August 2018
Nickel (Ni) Kupfer (Cu) Aluminium (Al)
Official Close
3 Mon.Ask
13.350,00
USD/mt
5.878,00
USD/mt
2.026,00
USD/mt
LME Bestände in mt
12. Juli 2018 17. August 2018 Delta in mt Delta in %
Nickel (Ni) 263.730 246.534 – 17.196 – 6,52%
Kupfer (Cu) 262.750 258.850 – 3.900 – 1,48%
Aluminium (Al) 1.134.600 1.120.250 – 14.350 – 1,27%

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