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Nickelkurse steigen weiter, unterbrochen von technischen Korrekturen. Uptrend wie im Bilderbuch. Schwächere Daten aus China, niedrigere EZB-Prognose und starker Dollar trüben das Bild.

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Der Kalauer im Karneval im Fokus von Moral und Medien. Manchen geht es um das Prinzip, auch im Karneval. AKK und andere Beispiele. Auf die innere Haltung kommt es an.

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Starke Nachfrage nach Edelstahlschrott aus Asien. Preisunterschiede forcieren Arbitrage. Edelstahlschrott ist ein globaler Rohstoff. Goldman Sachs passt Industriemetall-Prognose an.

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Fusion zwischen Commerzbank und Deutscher Bank wird diskutiert. Visionen des Josef Ackermann bisher an der Realität gescheitert. Kunden und Mitarbeiter sehen Zusammenschluss zu Recht kritisch.

Der Preis des Drei-Monats-Futures an der Londoner Metallbörse hat sich in den letzten Wochen weiter nach oben entwickelt. Stand die Notierung Mitte Februar – nach einer ersten technischen Korrektur des „Bilderbuch“-Trends seit Jahresanfang – noch bei USD 12.400/mt, setzte sich anschließend der Kursanstieg fort. Am 6. März wurde als vorläufiger Höhepunkt ein Kurs von USD 13.765/mt erreicht. Jedoch ging die Erhöhung wiederum ein wenig zu schnell, so dass ein erneuter technischer Rücksetzer zu erwarten war, um die überkaufte Situation zu bereinigen. Dieser führt die Notierung derzeit zurück auf ein Niveau von knapp über USD 13.000/mt, ein immer noch sehr solides Preisniveau. Wer hätte das zum Ende des letzten Jahres gedacht?

Parallel mit dem Kursrückgang wurden zwar auch schwächere chinesische Wirtschaftsdaten veröffentlicht und der US-Dollar konnte sich gegenüber dem Euro deutlich von USD/EUR 1,14 auf USD/EUR 1,12 befestigen. Aber darin allein ist noch keine wesentliche Veränderung der Lage zu erkennen, selbst wenn die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Wachstumsprognose für die Eurozone reduziert hat und die Zinsen weiterhin auf Null-Niveau belässt. Draghi ist damit der erste EZB-Präsident, der in seiner Amtszeit, welche am 1.11.2011 begann, noch nie eine Zinserhöhung durchgeführt hat. Und das wird vermutlich auch so bleiben.

Das mit zahlreichen 11en karnevalistisch anmutende Datum des Amtsantritts führt uns direkt in den deutschen Karneval. Gerade vorüber, hallt dieser dennoch nach. Denn in diesem Jahr wurden nicht wenige, im Karneval getätigte Äußerungen von selbsternannten Inhabern der moralischen Deutungshoheit (früher nannte man diese Leute auch schon einmal Moralapostel) und einer wie immer schlagzeilenlüsternen Presse in einem Maße auf die Goldwaage gelegt, wie man es in der Vergangenheit nicht kannte. Bitte, das soll aber nicht heißen, dass früher alles besser war.

Drei Beispiele: der bekannte Karnevalsredner, Fernsehmoderator und Entertainer Bernd Stelter machte in einer Kölner Karnevalssitzung Witze über den Doppelnamen von Annegret Kramp-Karrenbauer, der neuen CDU-Vorsitzenden und vielleicht nächsten Kanzlerin der Bundesrepublik Deutschland, wegen des langen und schwer auszusprechenden Doppelnamens gerne auch abgekürzt als AKK. Das echauffierte eine nicht-rheinländische Dame, zufällig ebenfalls mit Doppelnamen versehen, und den mitgereisten Ehemann im Publikum derart lautstark, dass der Auftritt von Herrn Stelter abgebrochen werden und das Ehepaar mit sanfter Unterstützung der Saalordner den Raum verlassen musste.

Eben gerade war AKK noch das „Opfer“ der scheinbar unangemessenen Witze, schon stand sie selbst im Fokus der heftigen Kritik. Wiederum auf einer Karnevalsveranstaltung hatte sie, als Saarländerin zumindest im Durchschnitt nicht für den überbordenden und herausgeschrienen Kalauerhumor bekannt, einen zugegeben sehr mäßigen Witz über die Pläne der Latte-Macchiato-Fraktion in Berlin, Toiletten für das dritte Geschlecht einführen zu wollen, gemacht. Schließlich wurde in den Medien von einer Kindertagesstätte in Hamburg berichtet, die die Eltern schriftlich darum gebeten hatte, dass sich die Kinder zu Karneval nicht als Indianer verkleiden sollten, weil das als Diskriminierung von Minderheiten verstanden werden könnte.

Nun sind dem Autor nicht allzu viele indianische Ureinwohner in Deutschland bekannt, aber wir sind wohl als Gesellschaft an einem Punkt angekommen, an dem es manchen, allerdings besonders Lautstarken vor allem um eins geht: ums Prinzip und das Besserwissen, was richtig und was falsch ist. Diese eher westdeutsche Mentalität ist schon den Mitbürgern aus den östlichen Landesteilen gehörig auf den Geist gegangen und so wundert es nicht, dass die Partei der Grünen dort bis heute nicht landen konnte. Eigentlich sollte es aber doch um die innere Haltung gehen. Wenn die nämlich stimmt und von Offenheit, Toleranz, Höflichkeit und Empathie geprägt ist, wird keine Minderheit oder Nationalität damit Probleme haben, wenn die Begrifflichkeiten nicht immer der Political Correctness entsprechen oder auch einmal ein Witz auf deren Kosten gemacht wird.

Ebenso ist es eine Anerkennung, wenn man, wie es der Kern des Karnevals ist, der alle und jeden verballhornt, Gegenstand des Geschehens und nicht Außenseiter ist. Das zeugt davon, dass man ernst genommen wird. Sicher sollte man nicht leichtfertig mit negativ konnotierten Begriffen umgehen oder sich in der direkten Kommunikation lautstark äußern, wenn man weiß dass man sein Gegenüber damit verletzt. Das sollte aber, wenn die oben beschriebene Haltung stimmt, selbstverständlich sein und weder AKK, noch Herr Stelter haben derartige Ziele verfolgt. Wir können gerne diskutieren und aufklären, aber wir sollten auch nicht alles in Watte packen.

Inwieweit die nachfolgende Geschichte auch dem Bereich von Fasching und Karneval zuzuordnen ist, überlassen wir den Lesern. Bekanntermaßen verfügt diese Publikation im internationalen Vergleich über einen überdurchschnittlich gebildeten und intelligenten Leserkreis: Die Nachfrage nach Sekundärrohstoffen im Edelstahlbereich ist aktuell sehr groß. Insbesondere das Interesse aus Asien unter Einbezug des indischen Subkontinents ist erheblich. Dennoch tun sich erhebliche Differenzen auf, was die Bewertung des Edelstahlschrotts angeht. Man hat mitunter das Gefühl, dass mancher Verbraucher die Rohstoffe am liebsten für lau haben möchte.  Das ist natürlich grundsätzlich nicht möglich, denn es gibt doch so etwas wie einen Weltmarkt und internationale Güterströme, die zum Ausgleich von Preisen sorgen.

Aber vielleicht träumen die Stahlhersteller ja von den venezolanischen Verhältnissen im Benzinmarkt. Dort ist es nämlich, wie der Deutschlandfunk recherchiert hat, aktuell so, dass es in Venezuela zwar keine bezahlbaren Lebensmittel gibt, Benzin aber für den Automobilisten quasi kostenlos ist. Eine Tankfüllung kostet nämlich 100 Bolivar. Nun betrug die Inflationsrate in 2018 rund 1,5 Millionen Prozent, weshalb sich die Regierung im August 2018 zu einem Währungsschnitt im Verhältnis 1:100.000 gezwungen sah. Der staatlich verordnete Preis blieb aber auch nach der Währungsreform unverändert bei 100 Bolivar, das sind also 0,001 neue Bolivar.

Das führt gegenwärtig zu der skurrilen Situation, dass Benzin de facto gratis ist. Auch gibt es gar nicht entsprechend kleine Münzen oder Geldscheine, um 0,001 neue Bolivar entrichten zu können. Daher geben die Autofahrer dem Tankwart einfach den kleinsten Geldschein, den sie gerade dabei haben. Oder sie erhalten den Treibstoff vielleicht im Tausch gegen eine Packung Kekse. Was ist nun die Erkenntnis aus diesem Gleichnis? Auch in Venezuela gibt es Karneval, aber die Bevölkerung hat leider nichts zu lachen, auch wenn das Benzin quasi geschenkt ist und Edelstahlschrott wird auch weiterhin als weltweiter Rohstoff immer noch in harten Währungen bezahlt.

Die Investmentbank Goldman Sachs, sicher unter den Analysten eine Vertreterin, die sich für regelmäßige Anpassungen hinsichtlich Prognosen nicht zu schade ist, hat gerade einmal wieder den Ausblick angepasst. Nach Monaten der Empfehlung, was den Kauf von Rohstoffen angeht, wird man dort nun etwas vorsichtiger. Die Rohstoffe seien nicht länger unterbewertet, schreibt Goldman Sachs in einem Bericht. Dennoch könnte eine stärker als erwartete Erholung hinsichtlich des Weltwirtschaftswachstums für eine schnelle Änderung sorgen, ebenso würden manche Industriemetalle auch aktuell noch eine attraktive Perspektive bieten. Dazu dürfte Nickel zweifelsohne gehören. Allgemein müssten aber weitere Kursanstiege durch entsprechend bessere Fundamentaldaten gestützt werden und daher seien die Aussichten heute nicht mehr so gut, wie noch vor einigen Monaten.

Mehrere Zeitungen berichteten in den letzten Wochen über eine mögliche Fusion der Commerzbank mit der Deutschen Bank. Beide Banken hatten in der Vergangenheit bereits mäßige Erfahrungen damit gemacht, wenn zwei Organisationen aufeinander treffen (Dresdner Bank, Postbank). Entsprechend groß dürfte auch der Unmut seitens Mitarbeiter sein. Der damalige Vorstandsvorsitzende Josef Ackermann glaubte im Februar 2009, dass seine Mitarbeiter in zehn oder zwanzig Jahren stolz darauf sein könnten, die Finanzkrise ohne Staatshilfe „eigenständig gemeistert“ zu haben. Rückblickend sind die letzten zehn Jahre der Deutschen Bank aber eher als katastrophal zu bezeichnen. Sollte es jetzt zu einer Fusion mit der Commerzbank kommen, würde es damit dann doch zu einer Staatsbeteiligung kommen. Durch diese indirekte Staatshilfe würden sich die Refinanzierungsbedingungen für die Deutsche Bank deutlich verbessern. Vermutlich dürfte sich zum Dank obendrein der Staat um die freigesetzten Angestellten kümmern.

Auch schwärmte Ackermann seinerzeit von der guten Qualität des Kreditbuchs. Noch heute ist die Deutsche Bank die Hausbank des derzeitigen amerikanischen Präsidenten Donald Trump. Im Falle einer Wiederwahl müsste die langfristige Finanzierung inmitten der zweiten Präsidentschaft neu verhandelt werden. Während die Deutsche Bank sich in der Vergangenheit gegenüber Herrn Trump interessiert zeigte, hatten einheimische Banken ihm bereits mehrfach eine Abfuhr erteilt. Die ARD und der DLF berichteten kürzlich sogar, dass russische Staatsbürger möglicherweise in die Finanzierung verwickelt waren und diese mit einer Garantieerklärung erst ermöglichten.

Laut einer durch die Europäische Union geförderten Studie des Mineral Intelligence Capacity Analysis (MICA) Projektes trägt die Förderung der Kreislaufwirtschaft („Circular Economy“) bei der Metallproduktion deutlich mehr zur Reduktion von Treibhausgasen bei, als alle anderen Maßnahmen. Die Forscher analysierten die Herstellung sieben wichtiger Metalle (u.a. Nickel, Eisen) und wie diese sich unter Berücksichtigung von fünf Faktoren (1. Entwicklung der Nachfrage, 2. Recyclingrate, 3. Metallgehalt, 4. Energieeffizienz in der Produktion und 5. Einsatz erneuerbarer Energien) im Zeitraum von 2010 bis 2050 auf die Umwelt auswirken werden.

So hat beispielsweise ein erhöhter Anteil erneuerbarer Energien einen geringen Einfluss auf die derzeitige Eisenproduktion, da für die Herstellung der fossile Brennstoff Koks benötigt wird. Bei der Aluminium- und Edelstahlproduktion ist der Einfluss durch die Produktion in elektrisch betriebenen Aggregaten heute schon deutlich. Die Forscher rechnen im Durchschnitt mit einem wesentlichen Rückgang von Treibhausgasen bedingt durch die Produktion von Metallen erst beginnend ab den Jahren 2050 bis 2100, da ab diesem Zeitraum die allgemeine Schrottverfügbarkeit ausreichend sein dürfte. Doch auch heute schon ist jede eingesetzte Tonne Edelstahlschrott angewandter Klimaschutz.

LME (London Metal Exchange)

LME Official Close (3 Monate)
11. März 2019
Nickel (Ni) Kupfer (Cu) Aluminium (Al)
Official Close
3 Mon.Ask
13.075,00
USD/mt
6.402,00
USD/mt
1.858,00
USD/mt
LME Bestände in mt
11. Februar 2019 11. März 2019 Delta in mt Delta in %
Nickel (Ni) 200.448 194.046 – 6.402 – 3,19%
Kupfer (Cu) 148.550 113.525 – 35.025 – 23,58%
Aluminium (Al) 1.292.175 1.213.125 – 79.050 – 6,12%

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