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Starker makroökonomischer Gegenwind und fester US-Dollar drücken die Nickelnotierung unter USD 12.000,00/mt. Kurze Erholung nach US-Zwischenwahlen nur ein Strohfeuer.

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Ist die Erde wirklich nur 6.000 Jahre alt? Letzte Funde von Höhlenmalereien auf Borneo scheinen etwas anderes zu beweisen. Dennoch gibt es in USA Kreise, die eine andere Wahrheit propagieren.

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Edelstahlproduktion in China wird auch in den nächsten Jahren der wesentliche Nickelnachfrager sein. Antaike-Konferenz in China beschäftigt sich mit den Erwartungen für 2018 und 2019.

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Preisbildung bei Edelstahlschrott wird auch durch den Rohstoffmix der Edelstahlwerke beeinflusst. Wenn Erwartungen nicht eintreffen, kann das auch suboptimal für die Beschaffungskosten sein.

Die Londoner Nickelnotierung konnte dem zunehmenden makroökonomischen Gegenwind zuletzt nicht mehr trotzen und auch der sehr feste US-Dollar macht es den Industriemetallen zusätzlich schwer. So konnte Nickel an der London Metal Exchange (LME) die Unterstützungslinie von USD 12.000,00/mt nicht erfolgreich verteidigen. Die Börsenpreise rutschten seit Anfang November bis auf ein 11-Monats-Tief von USD 11.400,00/mt, ein Niveau bei dem der Kurs auch aktuell handelt. Gegenüber der Jahresmitte, mit Höchstkursen von USD 15.750,00/mt, bedeutet das einen Rückgang von über 25%. Nach der Bekanntgabe des Ergebnisses der Zwischenwahlen in den USA, welches sowohl für den Präsidenten, als auch die Demokraten durchwachsen ausfiel, schwächte sich der US-Dollar zwar kurzfristig ab, was die Kurse der international in US-Dollar gehandelten Metalle leicht unterstützte, inzwischen handelt aber der Greenback mit 1,1250 USD/EUR noch fester als vor den Wahlen.

Exkurs: Die Zwischenwahlen haben aber wieder einmal gezeigt, dass nicht wenige US-Amerikaner inklusive ihres Präsidenten Donald Trump in ihrem eigenen Fantasyland leben. Jeder biegt sich die Wahrheit so zurecht, wie es ihm gerade passt. Und der subjektiven Wahrheit sind keine Grenzen gesetzt. Jeder glaubt, was er möchte. Nun sollte es grundsätzlich in Dingen der Religion keinerlei Beschränkungen geben. Jeder ist frei zu glauben, was er möchte. Wenn aber zum Beispiel die zahlreichen Anhänger der Kreationisten, die in der Regel auch zu den loyalen Unterstützern des Präsidenten zählen, in den USA auch heute noch glauben, dass die Erde lediglich rund 6.000 Jahre alt sei, dann darf man sich auch bei einem Land, wo alles „great“ ist, doch einmal kräftig die Augen reiben.

Dazu passend hat man gerade Malereien in einer Höhle auf Borneo gefunden, die wissenschaftlich fundiert auf mindesten 40.000 Jahre geschätzt werden. Das ist aber für die beschriebenen Gruppen noch immer kein Grund einmal über die eigenen Vorstellungen zu reflektieren, „weil es eben so ist, dass die Erde nur 6.000 Jahre alt ist“. Über die logischen Fortschritte in der menschlichen Wissensgenerierung von und durch Homo sapiens hat man sich dort noch keine Gedanken gemacht. Damit ist natürlich jede Diskussion am Ende. Selbst die nicht gerade als progressiv verschriene katholische Kirche und deren Anhänger haben irgendwann eingesehen, dass die Erde keine Scheibe ist und die Welt nicht an 7 Tagen erschaffen wurde und mussten ihren religiösen Glauben deshalb noch lange nicht aufgeben.

Die zwischenzeitliche, leichte Erholung des Nickelpreises nach den Wahlen hatte aber nur kurze Beine. Da half es auch nicht, dass der Rohstoffriese Glencore mit einer Meldung auf dem Nachrichtendienst Bloomberg vermutlich versuchte, das Marktsentiment für Nickel ein wenig zu stützen. Glencore ist der Ansicht, dass die meisten Marktteilnehmer nicht ausreichend realisierten, wie groß die Nachfrage für das Legierungs- und Batteriemetall wirklich sei und auch noch nicht begriffen hätten, welches Ausmaß in diesem Zusammenhang das weltweite Nickeldefizit annehmen würde. Die substanziellen Lagerabnahmen, so Glencore, zeigten doch, dass die Nickelproduzenten nicht in der Lage wären, die bestehende Nachfrage zu bedienen. Die LME-Nickellagerbestände befinden sich mit 216.612 Tonnen auf dem niedrigsten Stand seit 2013 und haben nun schon im vierzehnten Monat in Folge abgenommen.

Die Nickelbestände an der Shanghai Futures Exchange (SHFE) befinden sich aktuell bei 14.829 Tonnen. Das sind 100.000 Tonnen weniger als noch in 2016. Die Situation würde allerdings, so Glencore, vor allem dann richtig kritisch, wenn sich die Erwartungen bezüglich des Wachstums der Batterienachfrage bestätigen sollten. Wie Bloomberg berichtet ist Glencore in dieser Einschätzung aber nicht allein. Auch Goldman Sachs hätte sich in einem Report Mitte Oktober gleichlautend geäußert. Es ist aber sicher auch kein Geheimnis, dass das Eintreten der Nickel-Bull-Story sowohl Glencore, als auch Goldman Sachs in ihren jeweiligen eigenen geschäftlichen Interessen sehr gut gefallen würde.

So stützen Berichte von der Nickel- und Kobalt-Konferenz des chinesischen Metallinformationsunternehmens Antaike, welche zwischen dem 6. und 8. November 2018 in Xiamen, China stattfand und über die das Metal Bulletin berichtete, das Bild nicht ganz. Und das sollte einen zumindest ein wenig stutzig machen, weil vor allem auch die Wachstumserwartung hinsichtlich Elektromobilität in China ein wichtiger Parameter der Nickelstory ist. Und wenn man schon im eigenen Land nicht recht daran glauben möchte, dann sollte man als Beobachter umso hellhöriger sein. Aber natürlich hat auch China Interessen. Vielleicht möchte man, wegen des hohen Bedarfs und der eingegangenen politischen Verpflichtungen zur Elektromobilität, auch den Preisauftrieb ein wenig dämpfen.

Die Delegierten der Konferenz erwarten jedenfalls, dass die wesentliche Nachfrage nach Nickel aus China auch in den kommenden Jahren aus dem nationalen Edelstahlsektor kommen wird. Man rechnet auch mit einer Fortsetzung des Kapazitätsaufbaus der Edelstahlproduktion. Es gibt politikbezogene Faktoren, wie den Ausbau der Infrastruktur, als auch die Entwicklung der Provinzen, welche hier eine Rolle spielen. Für 2018 wird durch die chinesische Special Steel Enterprises Association mit einer Produktion von 28 Mio. Tonnen gerechnet, was einem Plus von 8% gegenüber dem Vorjahr entspricht. Für 2019 wird erwartet, dass sich das Wachstum bedingt durch den Konjunkturzyklus auf 6% abschwächt. Das entspräche aber bei einer Basis von 28 Mio. Tonnen immer noch einem absoluten Zuwachs von über 2,5 Mio. Tonnen Edelstahl und einem entsprechenden Nickelbedarf von rund 200.000 Tonnen. Das ist auch nicht gerade eine unerhebliche Menge in der globalen Nickel-Angebots- und Nachfrage-Bilanz.

Die Produktion von Batterierohstoffen in China, so ein Marktforscher von Antaike, hat von 2016 auf 2017 um 100% zugenommen, allerdings auf lediglich 100.000 Tonnen insgesamt und in 2018 wird wegen der höheren Basis nunmehr ein Wachstum von „lediglich“ 30% erwartet. Es gäbe aber auch aggressive Investitionen in neue Nickelprojekte, um den Bedarf aus den beiden Bereichen Edelstahl und Batterien zu decken. Indonesien und die dort vorhandenen Erze spielen bei diesen Projekten eine zentrale Rolle. Erwartet wird daher durch die Teilnehmer der Konferenz, dass die sehr intensive Investitionstätigkeit andererseits die Preisphantasie bei Nickel angebotsseitig dämpfen könnte. Dieser Ansicht war dem Bericht zufolge auch ein Vertreter des Nickel Institutes. Problematisch ist übrigens auch, dass die Special Steel Enterprises Association den Verbrauch von Edelstahl in China in 2018 nur mit 23 Mio. Tonnen schätzt. Das ist zwar ein Plus von 15% gegenüber dem Vorjahr, aber auch ein Überschuss von 5 Mio. Tonnen gegenüber der Produktion. Dieser Überschuss droht in andere Märkte zu drängen, zu Lasten der dort etablierten Edelstahlproduzenten.

Und was passiert derweil beim Edelstahlschrott? Auch weiterhin konnte der im Jahresverlauf festzustellende Abwärtstrend bei der Bewertung von insbesondere Nickel im Schrott nicht gestoppt werden. Die Preisfindung beim Schrott ist aber bei Licht betrachtet auch und vor allem eine Optimierungsaufgabe der Edelstahlwerke. Dabei treten diese aber gleichzeitig als der wesentliche Parameter der Nachfrage auf und können diese sogar wesentlich gestalten. In dem Maße, wie sich die Werke zum Jahresanfang langfristig mit einem gewissen Grundbedarf an Primärrohstoffen eindecken, dienen der Edelstahlschrott und weitere Spotkäufe von Primärrohstoffen kurzfristig als Regulativ.

Dabei sind die folgenden Fragen von Belang: Wurden Produktion und Nachfrage nach Edelstahl für das jeweilige Jahr richtig eingeschätzt? Wieviel Edelstahlschrott ist zu den gebotenen Preisen verfügbar? Wie entwickelt sich der Nickelkurs des jeweiligen Jahres? Insgesamt also durchweg keine leichte Aufgabe, hier die richtigen Antworten zu finden. Und zugegeben ist die statistische Datenlage, was die Verfügbarkeit und den Verbrauch des Schrottes angeht, auch nicht besonders breit. Der Edelstahlproduzentenverband ISSF (International Stainless Steel Forum) könnte hier vielleicht Abhilfe schaffen, da dieser relativ einfach und verlässlich den Schrottverbrauch seiner Mitglieder erheben und veröffentlichen könnte.

Klar ist jedoch auch, dass es in Abhängigkeit von der Qualität der Einschätzung in der Folge einen entsprechenden Einfluss auf die Schrottnachfrage gibt. Entweder wurde zum Jahresanfang sehr viel Primärmaterial fest kontrahiert, dann besteht zunehmend im Jahresverlauf unter Umständen nur ein relativ geringer Schrottbedarf und ergo ein reichliches Schrottangebot. Andererseits dürften aber dann die durchschnittlichen Rohstoffbeschaffungskosten nicht optimal sein, auch wenn man das geschaffene Ungleichgewicht für einen Druck auf die Schrottpreise nutzen kann. Doch per Saldo bleibt es suboptimal.

Kauft man jedoch wenig Primärmaterial, kann eine Versorgungslücke entstehen, die durch tendenziell teurere Spotkäufe von Primär- und gegebenenfalls Sekundärrohstoffen geschlossen werden muss. Schrott wäre hier aber, wenn verfügbar, immer die bessere Alternative, was aber auch eine angemessene Bewertung erfordern würde. Denn die Elastizität des Schrottangebots ist, wie der Volkswirt sagt, sehr preiselastisch. Eine Devise zur Optimierung der Rohstoffbeschaffung kann also nur heißen, dass man möglichst viel Schrott einkauft, um teureres Primärmaterial, wenn nicht gerade unbedingt technisch erforderlich, zu vermeiden.

Doch wie steht es dabei mit der Planungssicherheit hinsichtlich einer ausreichenden Schrottverfügbarkeit? Mit einer höheren Transparenz der statistischen Daten in Kombination mit längerfristigen Schrottbeschaffungsverträgen, zum Beispiel für ein Quartal, sollte eine deutliche Optimierung und Stabilisierung der Beschaffung von Edelstahlschrott möglich sein. Denn Schrott ist zwar grundsätzlich ein knappes Gut, dafür gegenwärtig aber auch wesentlich günstiger als Primärrohstoffe und damit sofern verfügbar immer die erst Wahl.

Die LME, so eine Meldung auf Reuters, hat mit einiger Erleichterung die Äußerungen der EU aufgenommen, nach denen es EU-Firmen auch nach einem harten Brexit vorübergehend gestattet sein soll, Clearing-Häuser in Großbritannien zu nutzen. Damit würde die LME Zeit gewinnen, um die entsprechend nach einem Brexit erforderlichen Genehmigungen für ihre Dienste und Transaktionen zu erlangen. Der Chief Executive der LME, Matthew Chamberlain brachte zum Ausdruck, dass man für den pragmatischen Ansatz der EU-Kommission in dieser besonderen Situation dankbar sei. Dennoch sei es, so Chamberlain, erforderlich, dass sich die LME bis zu dem Zeitpunkt, an dem es ein rechtlich verbindliches Dokument gäbe, mit entsprechenden Notfallplänen bei einem harten Brexit beschäftigt.

Von einer geradezu haarsträubenden Geschichte aus der Rohstoffwelt berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ). Ein mit Erz voll beladener Zug des Bergbaukonzerns BHP Billiton war in Australien auf dem Weg von den Minen zum Hafen Port Hedland, von dem aus der Konzern jede Woche rund 5 Mio. Tonnen Erz verschifft. Vor allem nach China, deren Stahlunternehmen jetzt um die Rohstoffversorgung bangen. Was war passiert? Der Zugführer des aus 240 Waggons bestehenden Superzuges hatte den Zug wohl zur Inspektion eines Waggons angehalten. Dummerweise setze sich dabei der Zug dann jedoch ohne Zugführer wieder in Bewegung und fuhr mit gut 120 km/h durch die Landschaft, bis der Zug, um Schlimmeres zu verhindern, von einem Steuerzentrum 120 km vor Port Hedland zum planmäßigen Entgleisen gebracht wurde. Zum Glück blieben menschliche Schäden aus, aber dafür gibt es nun einen kaputten Zug mit 240 Waggons, Ladung und Lokomotive sowie ein zerstörte Strecke, die schnellstens, zeitaufwändig und kostenintensiv wieder instandgesetzt werden muss.

LME (London Metal Exchange)

LME Official Close (3 Monate)
12. November 2018
Nickel (Ni) Kupfer (Cu) Aluminium (Al)
Official Close
3 Mon.Ask
11.380,00
USD/mt
6.093,00
USD/mt
1.942,50
USD/mt
LME Bestände in mt
11. Oktober 2018 12. November 2018 Delta in mt Delta in %
Nickel (Ni) 224.928 216.612 – 8.316 – 3,70%
Kupfer (Cu) 170.100 169.325 – 775 – 0,46%
Aluminium (Al) 941.500 1.056.450 + 114.950 + 12,21%

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