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Durchmarsch der Nickelnotierungen bis über USD 18.500 pro Tonne. Zuletzt Korrektur durch technische Gewinnmitnahmen und „Risk off“ nach dem Drohnenangriff in Saudi-Arabien.
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Indonesien zieht Ausfuhrverbot für Nickelerze überraschend vor. China als größter Importeur stark betroffen. Die Philippinen laufen sich wieder warm. Minentätigkeit hat auch Umweltaspekt.
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EZB lockert die Geldpolitik. Pulver inzwischen verschossen. Einlagensatz für Banken nun bei minus 0,5%. Anleihenprogramm läuft auch wieder. Renditen gibt es nicht, politische Dimension unterschätzt.
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ISSF gibt Edelstahlproduktion des 1. Quartals 2019 bekannt. 5,4% mehr als im Vorquartal, aber 2,5% weniger als im 1. Quartal des Vorjahres. China schwächer als gewohnt. EU-Kommission untersucht Importe.
Der Durchmarsch der Nickelnotierungen setzte sich bislang weiter fort. Befeuert von immer neuen Gerüchten zu dem Exportverbot indonesischer Nickelerze, erreichte der Nickelkurs immer neue Höhen. Mitte August gingen Experten noch von einer Entscheidung des indonesischen Präsidenten Joko Widodo bezüglich des Verbots nicht vor Oktober, dem Beginn seiner zweiten Amtszeit, aus. Kurze Zeit später berichteten die Medien jedoch über ein vorgezogenes Exportverbot zum 01. Januar 2020.

Explosiv stieg der 3-Monats-Nickelkurs an der London Metal Exchange (LME) durch das vorverlegte Verbot auf bis zu 18.850 USD/mt, einem Fünfjahreshoch. Die Nachrichtenagentur Reuters zitierte in dem Zusammenhang einen hohen Beamten des indonesischen Energie- und Rohstoffministeriums, dass das Exportverbot alle Unternehmen betreffen wird, unabhängig davon, ob Verkaufsverträge noch offen sind. Zuletzt hatte sich die Nickelnotierung aber wieder etwas verbilligt und handelt derzeit bei USD 17.300,00/mt. Zum einen baute sich die überkaufte, technische Marktsituation ab und es gab Gewinnmitnahmen, zum anderen sorgte dann auch noch ein Drohnenangriff auf eine wesentliche Ölraffinerie in Saudi-Arabien für weitere Marktunsicherheit, natürlich nicht nur bei Nickel.

Das Verbot in Indonesien betrifft insbesondere China, den größten Verarbeiter der Erze zu Nickel Pig Iron (NPI). NPI ist der wesentliche Rohstoff zur Herstellung von Edelstahl Rostfrei in diesem Land. Dass das Exportverbot ernst genommen wird, lässt sich auch in den chinesischen Häfen sehen. Riesige 13,33 Millionen Tonnen an Nickelerzen lagern dort derzeit. Indonesien fördert ca. 26% der weltweiten Nickelerze. Zwar könnten die Philippinnen einen kleinen Teil kompensieren, jedoch könnte das Verbot die chinesischen Produzenten hart treffen.

Auch sind die meisten indonesischen Minenbetreiber über den Umstand alles andere als erfreut. Bisher war das Exportgeschäft nach China nämlich sehr bedeutend und ertragreich. Vor allem unterstützen die Erträge bei der Finanzierung des Aufbaus einer eigenen NPI-Produktion. Bereits im Jahr 2021 könnte Indonesien mit seinen eigenen Kapazitäten bei der Produktion von NPI mit denen der chinesischen Unternehmen gleichziehen, so die globale Forschungs- und Beratungsgruppe Wood Mackenzie.

Auch das Land Papua-Neuguinea kämpft mit den Folgen des Batterie-Booms. Kürzlich flossen über 200.000 Liter einer toxischen Gülle in die Basamuk Bucht, im Nordosten Papua-Neuguineas. Inzwischen sieht die Bucht so aus, als ob sie mit einem rotbraunen Schleier überdeckt wäre. Ursprung des giftigen Ausstoßes ist ein Werk der Firma Ramu Nickel, einer Tochtergesellschaft der chinesischen Metallurgical Corp of China, welches Nickelsulfat herstellt. Zwar bedauern offizielle Vertreter des Werks den Vorfall, jedoch haben die Umweltschäden weitreichende Folgen. Während einer Parlamentsdebatte teilte Peter Yama, Gouverneur der betroffenen Region Madang, mit, dass eine Anwohnerin der Stadt sogar ein Baby mit deformierten Fingern zur Welt gebracht habe, wie die führende, englischsprachige Tageszeitung Papua-Neuguineas Post-Courier berichtete. Die Regierung sieht sich zum Handeln gezwungen. Über eine mögliche Schließung des Werks wird bereits diskutiert.

Dies ist leider nicht der erste Vorfall. Seit Jahren beschweren sich Anwohner und Umweltschützer über die Verschmutzung, obwohl die Region für ihre großen Fischvorkommen bekannt ist. Umweltschützer tauften die Bucht schon in das „Rote Meer Papua-Neuguineas“ um.

Vor einigen Monaten wurde hier über die Pläne des amerikanischen Raumfahrtunternehmens SpaceX berichtet, den Prototyp einer Rakete mit einem Edelstahlmantel zu verkleiden. Der Erwartung, dass sich bald eine elegante Rakete mit einer glänzenden Ummantelung in Richtung Mars begeben wird, muss leider eine Absage erteilt werden. Der aktuelle Prototyp mit dem Namen Starhopper gleicht eher einer Getränkedose mit Seitenstützen. Der Gründer Elon Musk bezeichnete sich daher wegen der Ähnlichkeit schon als Vater von R2-D2. Das Unternehmen scheint aber auf einem guten Weg zu sein. Der letzte Testflug verlief einschließlich der Landung erfolgreich.

Trotz vorübergehender Hoffnungen, die Europäische Zentralbank (EZB) könnte die dringend notwendige Zinswende einleiten, bleibt diese doch auf einem Kurs der butterweichen Zinspolitik. Noch schlimmer wurden am Freitag, den 13. im September weitere Lockerungen angekündigt. Der Einlagensatz der Geschäftsbanken wurde erneut gesenkt und beträgt nunmehr minus 0,5%. Auch wurde das schon gestoppte Anleihenkaufprogramm wieder aufgenommen. Weiterhin bleiben damit Renditen für private sowie institutionelle Sparer und Anleger nicht vorhanden, noch gibt es einen nennenswerten Druck oder Anreiz für die Staaten der Eurozone die dringend notwendigen Strukturreformen durchzuführen. Und eins ist auch sicher, bei der durch diese Maßnahmen zusätzlich induzierten Unsicherheit in Gewerbe und Industrie führt die Geldschwemme eben nicht zu mehr Investitionen oder Ausgaben, die eigentlich die Wirtschaft ankurbeln sollen.

Man muss daher leider die sehr traurige Feststellung treffen, dass sich auch bei den letzten Gralshütern der EZB die ökonomische Vernunft endgültig verabschiedet hat. Eigentlich sollte doch das Primat der Unabhängigkeit von der Politik gelten. Donald Trump, rhetorischer Vorturner in den USA, betrachtet ebenfalls die dortige Zentralbank, die Federal Reserve schon als seinen Besitz und fordert unverhohlen auch einen Null-Zins für die Vereinigten Staaten von Amerika.

Dass es sich bei der gegenwärtigen Null- und Negativzinspolitik aber nicht nur um einen absurden, ökonomischen Wahnsinn handelt, sondern dass das Ganze zusätzlich auch massive politische Auswirkungen haben wird, ist vielleicht noch nicht überall angekommen. Eigentlich benötigte man auch für den Bereich der Geldpolitik schnellstens eine Greta Thunberg 2, die den verantwortungslosen Zeitgenossen einmal richtig Beine macht. Denn die so häufig kritisierte Schere zwischen Arm und Reich, wird natürlich gerade auch durch Niedrigzinsen weiter auseinandergehen.

Denn während kleine und mittlere Einkommensbezieher und Vermögende ihre Ersparnisse fast ausschließlich im festverzinsten Bereich anlegen und dort heute keine Erträge erhalten, stehen einer kleineren Gruppe auch solche Anlagemöglichkeiten zur Verfügung, an denen sich aufgrund der Negativzinsen ungesunde, artifizielle Preisblasen bilden. Aber auch die institutionellen Anleger, die die großen Vermögen zur privaten Alterssicherung verwalten, kommen auf keine akzeptablen Renditen mehr. Daher ist es absehbar, dass es in nicht allzu ferner Zukunft vor dem Hintergrund einer stark steigenden Altersarmut zu einem Verteilungswettbewerb, um nicht zu sagen Kampf, zwischen den Generationen kommen wird.

Spätestens mit der Erhöhung des negativen Einlagezins bei der EZB für Banken auf minus 0,5%, werden diese nun betriebswirtschaftlich gar nicht mehr anders können und zunächst ihren großen und dann auch den kleinen Kunden diese negativen Zinsen weiterbelasten. Mit anderen Worten wird daher das Einkommen der Bürger nicht nur durch die bestehende Inflation Jahr für Jahr entwertet, sondern zusätzlich auch die Ersparnisse durch die negativen Zinsen. Das wird in erster Linie die populistischen Parteien freuen, die von der EZB eine wahre Steilvorlage bekommen haben. Diesen waren zuletzt ein wenig die Themen ausgegangen, nachdem sich die stark kritisierte Eurozone als einigermaßen krisenresistent gezeigt hatte und das Thema Migration auch durch die arrivierten Parteien aufgegriffen und bearbeitet wurde.

Aktuell suchte man daher nach neuen Spielfeldern zur Mobilisierung der Massen. Da sind zum einen die bevorstehenden Fahrverbote im Zusammenhang mit dem Klimawandel auf die man sich gerne stürzt. Doch dagegen ist die „Aufzehrung“ der Guthaben von Sparern ein Thema mit einer solchen Sprengkraft, über die man sich bei der EZB offensichtlich keine Gedanken gemacht hat. Sollte es so kommen, wie befürchtet, werden die Wahlergebnisse der Populisten bei den letzten Landtagswahlen in Deutschland nur ein Vorgeschmack sein, von dem, was noch kommen kann. Wenn es ganz schlecht läuft, benötigen dann die Populisten zum Regieren noch nicht mal mehr einen Koalitionspartner. Davor kann es einem nur grauen. Man kann nicht weitgehend Unbeteiligte, letztlich für die Verfehlungen von Staaten und gewissen Unternehmen, bluten lassen. Das wird am Ende durchschaut und rächt sich. Soviel zur politischen und demokratischen Dimension der Zinssenkung der EZB. Noch ist es für einen Kurswechsel nicht zu spät.

Die weithin im Zusammenhang mit Kryptowährungen, wie zum Beispiel Bitcoin, bekannte Blockchain-Technologie macht auch vor den Rohstoffen nicht halt. So entwickelt ein Konsortium des Versicherers AON, des Softwareentwicklers Gen10, der niederländischen Rabobank, der internationalen Handelsfirma Concord Resources sowie der Lagerhausgesellschaft PGS eine Softwareplattform namens Beyond Commodities auf Basis von Blockchain zur Durchführung von strukturierten Rohstoff-Finanzierungen. Erste Transaktionen über die Plattform werden in Kürze erwartet, dann sollen weitere Teilnehmer für die Lösung gewonnen werden.

Auch wenn die Einführung moderner, effizienter und fehlerfreier Prozesse natürlich unbedingt zu begrüßen ist und den Initiatoren geschäftlicher Erfolg gewünscht sei, werden sich unter den zahlreichen Fintech-Ideen, wie in jedem anderen Markt auch, diejenigen durchsetzen, für die auch ein tatsächlicher Bedarf besteht. Bei standardisierten Rohstofffinanzierungen könnte das der Fall sein. Schlechte Geschäftsideen oder unsinnige Konzepte, werden jedoch nicht dadurch besser oder erfolgreich und schon gar nicht langfristig oder nachhaltig, wenn man diese mit derzeit angesagten Technologien verknüpft oder zum Beispiel mit dem Label „Green“ anstreicht.

Wenn man heute allerdings bei all der Digitalisierung, Agilität und Disruption – ganz unabhängig von dem konkreten, vorstehenden Projekt – sieht, wie in manchen Organisationen immer noch die einfachsten Dinge nicht funktionieren, möchte man sich gar nicht ausmalen, was erst passiert, wenn diese Prozesse wie von Geisterhand gesteuert, durch menschgemachte Artificial Intelligence (AI) ablaufen. Ein kurzer Stromausfall wäre vermutlich noch die geringste Folge.

Das International Stainless Steel Forum (ISSF) gab unlängst die Statistik der Edelstahlschmelzproduktion für das erste Quartal 2019 bekannt. Wurden im Auftaktquartal des Jahres insgesamt 12,5 Millionen Tonnen Edelstahl erschmolzen, das sind 5,4% mehr als noch im Vorquartal, ging es im Vergleich zum ersten Quartal des Vorjahres abwärts. Die Produktion lag um 2,5% niedriger. Einzig bei der Kategorie Sonstige Regionen, welche als bunte Mischung die Länder Brasilien, Russland, Südafrika, Südkorea und Indonesien umfasst, erhöhte sich der Output gegenüber dem 4. Quartal um 2%. Selbst das erfolgsverwöhnte China, welches noch immer für mehr als 50% der Weltproduktion steht, musste um 1,5% Federn lassen. Das zeigt sich auch bei den Vergleichswerten mit dem 1. Quartal 2018. Hier konnte China „lediglich“ um 4,4% zulegen. Die USA waren mit 12,7% der Spitzenreiter, gefolgt von den Sonstigen Ländern mit 11,9% und einem erfreulichen Anstieg von 8,7% in Europa.

Nach einer Meldung von MEPS Steel News, hat die Europäische Kommission gerade die Untersuchung der Schutzmaßnahmen abgeschlossen, welche im Zuge der protektionistischen Zölle der USA eingeführt wurden, um zu vermeiden, dass bislang für die USA bestimmte Produkte, den EU-Markt überfluten. In diesem Zusammenhang hat die Europäische Kommission Vorschläge gemacht, den bestehenden Umfang zu erweitern. Grundlage dieser neuen Bewertung war die vollständige Handelsstatistik des vergangenen Jahres sowie weitere Daten. Während Indien und Brasilien von der Liste der Herkunftsländer, die Einfuhrquoten für heißgewalzte Edelstahlbleche unterliegen, gelöscht wurden, sieht es für Indonesien anders aus. Dieses Land kann sich nicht länger auf den Status eines Entwicklungslandes berufen, wenn es um den Import von kalt- und warmgewalzten Edelstahlblechen und -bändern geht. Diese Importe unterliegen künftig Zöllen und Einfuhrquoten.

Insgesamt wird im Markt die Wirksamkeit der Schutzmaßnahmen bezweifelt. Im ersten Quartal 2019 waren die Importe an warmgewalztem Edelstahl aus Indonesien auf 25% der gesamten Importe in die EU gestiegen. Bei kaltgewalztem Edelstahl betrug der Anteil 8%. China steht bei den warmgewalzten Edelstählen allerdings immer noch für mehr als 50% der gesamten Einfuhren. Ab 1. Oktober 2019 treten die neuen Regelungen in Kraft. Man wird sehen, ob diese einem völlig aufgescheuchten Markt wieder die dringend notwendige Ruhe und Visibilität bringen können. Der europäische Stahlverband Eurofer hatte sich kurz vor Veröffentlichung noch mit einer Anti-Dumping-Beschwerde bezüglich warmgewalzter Bleche und Coils aus China, Indonesien und Taiwan an die EU-Kommission gewandt.

Zu dem Zirkus auf der europäischen Nachbarinsel enthalten wir uns hier bewusst eines jeden Kommentars. Was sich derzeit in einer der ältesten Demokratien der Welt abspielt, sollte uns allen eine Mahnung sein und zur Demut auffordern, wenn es einmal wieder öffentlichkeitswirksam darum geht, anderen Ländern und Regionen klar zu machen, dass unser „westliches“ Konzept allen anderen Formen überlegen ist. Es könnten einem da inzwischen gelinde Zweifel kommen, ohne dass man gleich ein Staatsfeind oder Zersetzer ist. Aber es ist auch in „Good old England“ noch nicht aller Tage Abend. „The show must go on!“

LME (London Metal Exchange)

LME Official Close (3 Monate)
16. September 2019
Nickel (Ni) Kupfer (Cu) Aluminium (Al)
Official Close
3 Mon.Ask
17.205,00
USD/mt
5.907,50
USD/mt
1.805,00
USD/mt
LME Bestände in mt
19. August 2019 16. September 2019 Delta in mt Delta in %
Nickel (Ni) 149.640 164.274 + 14.634 + 9,78%
Kupfer (Cu) 330.125 301.925 – 28.200 – 8,54%
Aluminium (Al) 962.350 908.425 – 53.925 – 5,60%

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