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Nickelpreise deutlich fester. Wenig fundamentale Gründe. Zinssenkungsphantasien in USA und anderswo. Indonesien will ab 2022 das Exportverbot für Nickelerze wieder verschärfen.

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Game-Changer NPI ist kurzfristig relevant. China wird deutlich in seinen Gegenmaßnahmen. Edelstahl aus Indonesien unterliegt Importbeschränkungen. Auch ein Exportverbot auf Nickelerz wird man nicht einfach akzeptieren.

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Projektkosten für Batteriefabrik laufen aus dem Ruder. Gesetze der Ökonomie gelten überall. Transparenz und Marktwirtschaft allerdings nicht. Fairness muss durch Regularien hergestellt werden.

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USA planen Strategie zur Sicherung strategischer Metalle. Rohstoff-NATO wird gefordert. Vale wird zur Entschädigung für Dammbruch in Brasilen verurteilt. ThyssenKrupp mag die Finnen.

Die Nickelpreise in an der Londoner Metallbörse (LME) konnten sich nach dem G20-Gipfel in Japan und insbesondere nach den etwas versöhnlicheren, bilateralen Gesprächen zwischen USA und China in Sachen Handelskrieg wieder etwas erholen. Anfang der zweiten Juli-Woche schoss der Nickelkurs um fast USD 1.000/mt in die Höhe. Auch in der dritten Woche setzte sich die Erholung fort und erreichte zwischenzeitlich USD 13.600/mt. Ob die realwirtschaftlichen Daten dieses Niveau allerdings hergeben, wird man sehen. Neben der Ankündigung des amerikanischen Notenbankchefs, den Leitzins zu senken, kündigte Indonesien eine Wiedersetzung eines strikten Exportverbots für Nickelerze an.

Der indonesische Generaldirektor des Ministeriums für Energie und Bodenschätze teilte während einer Anhörung im Repräsentantenhaus mit, das Verbot könne ab 2022 in Kraft treten. Denn ab diesem Zeitpunkt sei Indonesien in der Lage, die Erze im Inland in NPI zu verarbeiten. Das Ministerium plant, ab dem Jahr 2022 über 41 Verarbeiter zu verfügen, darunter 22 Nickelhütten. Die Zielsetzung ist es, nach 2022 keine Nickelerze mehr, sondern vielmehr den Rohstoff NPI zu exportieren und damit eine höhere Wertschöpfung in Indonesien zu generieren.

Der vorstehend beschriebene Einfluss ist allerdings Zukunftsmusik im Nickelmarkt. Daher darf einen das aktuelle Nickelpreisniveau durchaus etwas stutzig machen, denn der größte Nachfrager von Nickel, die Edelstahlproduktion, zeigt doch aktuell – zumindest sommer- und saisonbedingt – einige Schwäche. Doch spielt seit der Entkoppelung von Real- und Finanzwirtschaft das Fundamentale ohnehin kaum noch eine große Rolle. So konnten auch die Aktienkurse, trotz schwächerer US-Zahlen, aufgrund der Erwartung einer Trendwende in der Zinspolitik der US-Notenbank, wieder deutlich gewinnen.

Und dass, obwohl die weltweiten Konjunkturaussichten derzeit nicht gerade rosig sind. Vielmehr wurde nach besser als erwarteten Zahlen aus den USA sogar spekuliert, ob nun die Zinsen vielleicht doch weiter steigen würden, woraus unmittelbar eine Bedrohung für die Aktienerholung konstruiert wurde. In was für einer Welt leben wir eigentlich? Wo sind die Regierungen und Politiker, die für die Unternehmen einen verlässlichen Handlungsrahmen setzen und Märkte, die Preise wiederspiegeln, die durch reales Angebot und reale Nachfrage gebildet werden? Fehlanzeige.

Auch der Brexit, über lange Zeit, als eine der größeren Belastungen für die Wirtschaft gehandelt, findet in den Medien kaum noch Beachtung. Und zumindest einem großen Teil der EU-Bürger scheint es inzwischen auch egal zu sein, was die Nachbarn letztlich irgendwann entscheiden. Es sieht so aus, als würde weiterhin eine Mehrheit der Briten – und der großen Minderheit sei hier das ausdrückliche Bedauern und Mitgefühl ausgesprochen – zum zweiten Mal seit dem Ende des zweiten Weltkriegs einen großen Fehler begehen.

War Großbritannien seinerzeit schon kein Gründungsmitglied der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) gewesen, musste dann später aufgrund wirtschaftlicher Notwendigkeiten doch beitreten. Nun könnte es mit einem Austritt aus der EU abermals zu einer folgenschweren Entscheidung kommen. Und Geschichte wiederholt sich also doch. Damals wie heute konnten und können sich die stolzen, politischen Eliten Großbritanniens mit dem notwendigen politischen Überbau der EU nicht anfreunden. 

Vielmehr heißt es wieder oder immer noch „Britannia, Britannia, Britannia rules the World“ oder „Global Britain“. Doch glaubt man bei unseren Nachbarn allen Ernstes, bilaterale Verhandlungen mit den USA oder China würden sich einfacher gestalten als die mit der EU. Bei den zunehmend protektionistischen Tendenzen weltweit, kann die Heilserwartung doch kaum in einer größeren internationalen Orientierung liegen.

Doch wenden wir uns wieder den Details des Nickelmarktes zu. Auch schon im Hinblick auf die indonesischen Ankündigungen ist es mal wieder Zeit, die Entwicklung der NPI-Produktion zu betrachten, jenem Marktsegment im Primärnickelmarkt, welches so häufig auch gerne als Game-Changer bezeichnet wird. Da zeigt man doch gerne eine gewisse demütige Dankbarkeit, wenn man nicht in der Primärrohstoffindustrie, sondern im nachhaltigen – doch nach wie vor unterschätzten – Edelstahlrecyclingbereich aktiv ist.

Doch auch für die Player im NPI-Segment und in der weiteren regionalen Wertschöpfungskette ändern sich die Rahmenbedingungen ständig. So waren die Philippinen Anfang 2014, nach dem harten Exportstopp Indonesiens für unraffinierte Nickelerze, gerne in die Lücke als Erzlieferant Chinas gesprungen. Doch inzwischen hat sich das Bild schon wieder gewandelt. Nach dem Rohstoffkrisenjahr 2015 hatte Indonesien die Zügel für Exporte wieder etwas gelockert und konnte zunehmend von den im Zusammenhang mit dem Exportstopp initiierten Investitionen profitieren.

In 2019 könnte nach Schätzungen der australischen Investmentbank Macquarie das Gesamtnickelvolumen der NPI-Produktion in China und Indonesien einen Wert von 930.000 Tonnen erreichen. Darin enthalten sind auch rund  250.000 Tonnen Nickel im Erz, die aus Indonesien zur Weiterverarbeitung nach China exportiert werden. Eine gewaltige Zahl. Dennoch besteht kein Nickelüberangebot, denn insbesondere der stetige Anstieg der Edelstahlproduktion in China und langsam zunehmende Nachfrage nach Batterienickel absorbieren das zusätzliche Nickelangebot.

So wundert es nicht, dass nach Analysen des philippinischen Nickelproduzenten Nickel Asia die Nickelerzexporte an High- und Mid-Grade in diesem Jahr von über 26 Millionen Tonnen in 2018 auf nur noch 21 Millionen Tonnen zurückgehen werden.  Grund hierfür sind, wie nicht anders zu erwarten, der verschärfte Wettbewerb aus Indonesien sowie ein Preisverfall für die niedrigwertigeren Mid-Grade-Erze. Außerdem gibt es auf den Philippinen aus Umweltschutzgründen inzwischen ein Moratorium für neue Nickelminen. Ebenso weist keine der derzeit aktiven Minen noch eine Lebensdauer von mehr als 20 Jahren auf.

Aber auch beim Musterknaben bzw. –mädel (um hier die allenthalben um sich greifende Gender-Gerechtigkeit zu erfüllen) Indonesien zeigen sich gewisse Bremsspuren. Die Vorwärtsintegration der NPI-Produzenten in die Edelstahlproduktion ist zwar durchaus nachvollziehbar, doch müssen die zusätzlich produzierten Mengen auch irgendwo verkauft und verbraucht werden. Wenn aber selbst China die Grenzen für indonesische Edelstahlimporte dicht macht, kann es eigentlich nur eine Frage der Zeit sein, wann die Lobby-Bemühungen der europäischen Stahlindustrie und deren Verband Eurofer zum Ziel führen, auch den europäischen Markt abzuschotten.

Nur die heimische indonesische Edelstahlnachfrage wird vermutlich nicht ausreichen, trotz der behaupteten und vielleicht auch zu vermutenden Kostenvorteile, die erheblichen Kapazitäten profitabel auszulasten. Letztlich lassen sich in mittlerer und langer Frist die ökonomischen Gesetzmäßigkeiten nicht aushebeln, auch nicht in Asien. Kurzfristig müssen dann eben auch nachvollziehbare protektionistische Maßnahmen für eine Marktgerechtigkeit sorgen. Nur schiere Größe und tiefe Taschen sollten als Argument nicht ausreichen, über Jahrzehnte gewachsene, nachhaltig wirtschaftende Industrien in anderen Ländern zu zerstören.

Und aus diesem Grund hat die europäische Stahlindustrie auch weiterhin ihren Platz und ihre Bedeutung. Je früher das die politischen Entscheidungsträger und Institutionen in Europa verstehen, umso besser. Noch ist es nicht zu spät. Und insofern werden derzeit allzu eindimensionale Aktienanalysten, die bereits einen Abgesang auf die europäische Edelstahlindustrie geblasen haben, in nicht allzu ferner Zukunft eines Besseren belehrt. Denn auch bei den Game-Changern, die im Übrigen bisher jeden Nachweis einer ökonomischen Profitabilität und Rentabilität schuldig geblieben sind, laufen die Dinge vermutlich nicht ausschließlich rund.  Aus welchem Grund hat man dort Angst, die Kapitalmärkte und Investoren mit den positiven Zahlen zu erfreuen?

So berichtete Reuters, dass ein Konsortium um den chinesischen Batteriehersteller GEM in Indonesien eine Anlage zur Produktion von Batteriechemikalien plant und den Bau begonnen hat. Dauert der Bau einer solchen Anlage in aller Regel mindestens vier Jahre, so hatte man sich dort ganz bescheiden zwei Jahre als Ziel zur Fertigstellung vorgenommen. Nun ist die Schnelligkeit der Chinesen in der Herstellung von Anlagen durchaus berühmt und berüchtigt, jedoch gibt es auch Beispiele, wie die von ThyssenKrupp bei Chinesen in Auftrag gegebene Kokerei im Dschungel von Brasilien, die nie zur Vollendung kamen. Doch unabhängig von der Zeitschiene, von der wir einmal annehmen wollen, dass diese eingehalten werden kann, gibt es natürlich neben dem Zeit- auch noch einen Kostenaspekt.

Und hier schlägt es nun wirklich dem Fass den Boden aus. War man noch im September 2018 von günstigen 700 Millionen US-Dollar Investitionskosten ausgegangen, berichtet Reuters Anfang Juli 2019, dass man sich nun bei diesem Projekt einer unvorhergesehenen Kostensteigerung gegenüber sähe. Und zwar sollen die Kosten des Projekts in Sulawesi, trotz bestehendem Minenzugang, Energieversorgung und Infrastruktur nun, je nach zitierter Quelle, eher 1 Milliarde US-Dollar oder vermutlich sogar eher 1,5 Milliarden US-Dollar betragen. Auf Nachfrage spricht man beim Batteriehersteller GEM von „geringfügigen Abweichungen“ vom Budget.

Man sollte dieses Projekt unbedingt weiter beobachten, zumindest schon um ein besseres Verständnis für die tatsächliche Leistungsfähigkeit der chinesischen Wirtschaft und anderen asiatischen Player zu gewinnen. Unterschätzen darf man die Wettbewerber und deren strukturelle Vorteile auf gar keinen Fall, aber es bringt auch nichts, deren Fähigkeiten in einem Maße zu interpretieren, dass es kaum noch die Phantasie einer auskömmlichen Koexistenz gibt. Auch in Europa gibt es nämlich erhebliche strukturelle Vorteile für die Produzenten, nämlich den Edelstahlschrott und das enorme Prozess-Know-how. Doch diese Vorteile hebt man nicht dadurch, indem man zu unverhofften Gunsten der Konsumenten, den Schrott in den Export treibt.

Die Vereinigten Staaten von Amerika haben ihre Strategie zur Sicherung wichtiger Metalle und Mineralien dargelegt, die für ihren Verteidigungs- und Produktionssektor als kritisch erachtet werden. Die Veröffentlichung des amerikanischen Handelsministeriums enthält insgesamt 61 Empfehlungen. So wird etwa eine Prüfung vorgeschlagen, ob betroffenen Rohstoffe in den USA verfügbar sind. Andere Empfehlungen sehen die Überarbeitung der Regeln für die Genehmigung von Minen vor oder die Förderung von Recyclingaktivitäten. Darüber hinaus wird in dem Strategiepapier eine Rohstoff-Version des NATO-Militärbündnisses vorgeschlagen. Im Wesentlichen versuchen die Vereinigten Staaten, die globalen Lieferketten so umzugestalten, dass die Abhängigkeiten von Ländern wie China oder Russland reduziert werden.

Vor gut einem halben Jahr wurde hier über den verheerenden Dammbruch in Brasilien berichtet. Mehr als 200 Menschen starben und es kam zu massiven Umweltschäden. Anfang Juli verurteilte ein Gericht in Brasilien das Bergbauunternehmen Vale zur Wiedergutmachung. Der Konzern müsse alle entstandenen Schäden beheben. Die Schadensumme wurde noch nicht festgelegt, da sich diese gegenwärtig noch nicht beziffern lässt, so der vorsitzende Richter. Das Gericht hatte bereits im Vorfeld umgerechnet 2,6 Mrd. Euro für Entschädigungszahlen eingefroren und behielt dies mit diesem Urteil bei.

Der deutsche Misch- und Noch-Stahl-Konzern ThyssenKrupp und des Wirtschaftsminister Altmeyers Liebling oder „nationaler Champion“ scheint ein Faible für Finnland zu haben. Hatte man in der Vergangenheit bereits die Edelstahlaktivitäten von ThyssenKrupp Nirosta in einem sogenannten strategischen Move an den finnischen Player Outokumpu Stainless verkauft, so machen aktuell Gerüchte die Runde, ThyssenKrupp könne seine Aufzugssparte an den finnischen Konkurrenten Kone verkaufen. Vermutlich hat man sich nach den gescheiterten Verhandlungen mit der indischen Tata Steel überlegt, es vielleicht besser einmal mit einem Kontrahenten zu versuchen, mit dem Absprachen und Verhandlungen sicher eher von europäischen Kaufmannstugenden geprägt sind.

LME (London Metal Exchange)

LME Official Close (3 Monate)
15. Juli 2019
  Nickel (Ni) Kupfer (Cu) Aluminium (Al)  
Official Close
3 Mon.Ask
13.450,00
USD/mt
5.995,00
USD/mt
1.830,00
USD/mt
 
LME Bestände in mt
  11. Juni 2019 15. Juli 2019 Delta in mt Delta in %
Nickel (Ni) 163.878 150.324 – 13.554 – 8,27%
Kupfer (Cu) 211.225 285.825 + 74.600 +35,32%
Aluminium (Al) 1.096.300 945.375 – 150.925 – 13,77%

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