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Höhenflug bei Nickel setzt sich fort. Aktuell technische Konsolidierung nach Erreichen der Marke von USD 13.000,00/mt. Abbau der überkauften Marktsituation.

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Die fundamentale Nachfrageentwicklung sowie ein wieder zunehmendes Interesse von Investoren stecken hinter dem Aufschwung. Auch der Edelstahlschrottmarkt ist in Bewegung.

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LME stellt sieben neue Kontrakte vor. Diese zeichnen sich dadurch aus, dass diese, wie der Stahl- und Stahlschrott-Future durch eine Geldleistung und nicht durch Lieferung ausgeglichen werden.

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Grüner Stahl. Was nur wenige wissen: Schon heute spart die europäische Stahlindustrie durch Schrotteinsatz Millionen Tonnen CO2 ein, anders als so mancher Wettbewerber aus Fernost.

Wer hätte das gedacht? Nickel setzte seinen Höhenflug an der London Metal Exchange (LME) fort und ist nach einer Analyse von Reuters in 2019 mit einem Kursplus von mehr als 20% bislang der Spitzenperformer unter den Metallen. Nickel konnte seit Ende Dezember 2018 durch eine breite und konstante Aufwärtsbewegung Kurse von USD 13.000,00/mt und mehr erreichen. Aus charttechnischer Sicht war jedoch dieser Anstieg zu schnell, sodass Indikatoren, wie zum Beispiel der Relative Strength Index (RSI), den Nickelkurs doch deutlich dem sogenannten überkauften Bereich zuordneten. Von daher war es keine Überraschung und vielmehr für eine weiterhin „gesunde“ Preisentwicklung zu begrüßen, dass es nach dem Erreichen und Durchschreiten der vorstehenden psychologischen Kursschwelle zu einer Konsolidierung kam, die Nickel in einen Bereich von USD 12.500,00 führte. Am 11. Februar 2019 notiert der 3-Monats-LME-Future zwischen USD 12.500,00/mt und USD 12.730,00/mt.

Aber auch im Vergleich mit anderen Assetklassen wie Aktien, Anleihen und Alternative Investments braucht das Legierungs- und Batteriemetall Nickel den Vergleich nicht zu scheuen. Anders als noch in der ersten Jahreshälfte von 2018 hat der gegenwärtige Anstieg aber mit einem Hype oder einer Spekulation bezüglich Elektromobilität eher weniger zu tun. So musste im gleichen Zeitraum das andere wichtige Batteriemetall Kobalt deutliche Verluste einstecken. Der Kobaltpreis hatte sich zunächst in einer 16-monatigen Preisrally von rund USD 26.500,00/mt auf rund USD 97.000,00/mt beinahe vervierfacht. Die dahinterliegende Befürchtung, dass die instabile und inakzeptable politische Lage in der „Demokratischen“ Republik Kongo zu nachhaltigen Angebotsengpässen führen könnte, hat sich aber nicht bewahrheitet. Der Anstieg war in diesem Ausmaß weder nachhaltig, noch gerechtfertigt.

Daher kam es nach ersten Rückzugsgefechten zu einem regelrechten Kollaps der Preise.  Hintergrund für diese Entwicklung ist vor allem, dass die Minen in der „Demokratischen“ Republik Kongo sowie Aufarbeitungsfazilitäten in China und Indien zu einem Überangebot dieses grundsätzlich seltenen Metalls geführt haben. Selbst mit der positivsten Nachfrageentwicklung aus dem Bereich der Elektromobilität hätte dieser Output nicht absorbiert werden können. Und keine große Rolle dürfte dabei gespielt haben, dass bei Batterien neuerer Generation Kobalt verstärkt durch Nickel substituiert wird, denn ganz ohne Kobalt geht es derzeit noch nicht. Vielmehr wollten offensichtlich zu viele von dem Preisboom profitieren. Aktuell handelt Kobalt-Metall mit 99,3% Reinheit in Europa bei USD 44.000,00/mt und damit mehr als 50% niedriger als noch zum Höchststand im April 2018.

Daher sollte man es doch vielleicht einmal mit einer sehr einfachen und naheliegenden Erklärung für die Robustheit der Nickelnotierung seit Jahresbeginn versuchen. Es liegt vermutlich tatsächlich zu einem nicht unwesentlichen Teil an der fundamentalen Nachfrage, denn unabhängig von der Konjunkturabschwächung wird Nickel für die Edelstahl- und Batterieproduktion benötigt. Die Schrottverfügbarkeit ist zudem niedrig, die Edelstahlproduktion ist weltweit in den Vorjahren stark gewachsen und auch die neuen Stahlwerke in China und Indonesien benötigen zusätzliche Rohstoffe für die Produktion. So sucht sich aktuell der Edelstahlschrott schon seit einiger Zeit und auch aus Europa neue Wege. Denn der Weltmarkt macht nicht nur bei Nickel, sondern auch beim Schrott die Musik.

Regionale Preisunterschiede werden in einem funktionierenden Markt, dank der zahlreichen ökonomischen und ökologischen, aber auch gesellschaftlichen Vorteile von Schrott (siehe auch unten), aber auch dank einer vergleichsweise hohen Transportkostentragfähigkeit des Rohstoffs durch Arbitrage abgebaut. Ebenso bleibt Nickel nach Aussagen der Investment- und Rohstoffbank Macquarie auch in diesem Jahr das Industriemetall mit dem größten Angebotsdefizit und das unabhängig von einem sehr deutlichen Anstieg der Nickel Pig Iron-Produktion in China und Indonesien sowie von einer konjunkturell und spekulativ bedingt niedrigeren Edelstahlproduktion im Vorjahresquartal sowie zum Jahresbeginn. Die stark gestiegenen Preise könnten aber zu einem Re-Stocking und einem damit höheren Auftragseingang führen, welcher die Edelstahlproduzenten rohstoffseitig vor manche Herausforderung stellen könnte.

Zum anderen wird es in der Niedrigzinswelt von heute immer schwieriger, durch die Anlage von Geld etwas zu verdienen. Die Aktienmärkte haben nach den eher durchwachsenen Aussichten für die Weltkonjunktur in 2019 bereits deutlich nachgegeben und es ist auch noch nicht ausgemacht, ob die Korrektur schon abgeschlossen ist. Vor dem Hintergrund einer möglichen Wachstumsabschwächung ist die amerikanische Zentralbank Fed nun wieder zurückhaltender, was Leitzinserhöhungen angeht, von der Europäischen Zentralbank (EZB) gar nicht zu sprechen. Man spricht davon, die Fed könne in diesem Jahr die Zinsen nur noch einmal anheben und vielleicht dann sogar wieder in einen Zinssenkungszyklus einschwenken. Der EZB sind in diesem Zusammenhang die Hände gebunden, befinden sich die Zinsen ja schon bei null oder sogar darunter.

Daher suchen professionelle Vermögensverwalter und solche, die es werden wollen, auch weiterhin nach lukrativen Anlagealternativen. Solange sich das Wirtschaftsumfeld nicht noch stärker eintrübt – von einer echten Rezession kann derzeit nicht die Rede sein – und daher bei den Anlegern keine pauschale Risikoaversion vorherrscht, könnten die Rohstoffe nach längerer Zeit wieder in den Fokus der Investoren geraten. Hatten die Investmentfunds im zweiten Halbjahr 2018 ihre Long-/Kauf-Positionen stark zurückgefahren und waren damit ein entscheidender Faktor für den Preisverfall gewesen, legen nun Daten der LME nahe, dass diese zu einem guten Teil hinter der aktuellen positiven Preisentwicklung stehen.

Allerdings ist es auch bei den Funds nicht so, dass diese lediglich aus Mangel an Alternativen verstärkt im Nickelmarkt investieren, sondern dass es insbesondere die spezifische Angebots- und Nachfragesituation bei Nickel sowie die Erwartungen hinsichtlich der zukünftigen Entwicklung sind, die die Fondmanager zu Kaufentscheidungen veranlassen. Die in Deutschland für das zweite Halbjahr 2018 erklärte „technische Rezession“ darf man aktuell noch als Ausnahmefall ansehen, da diese vor allem auch durch Sonderfaktoren, wie den durch ein neues Zulassungsverfahren zwangsweise gedrosselten Pkw-Absatz, verursacht wurde. Seit Jahresanfang soll sich der Automobilabsatz durch entsprechende Nachholeffekte durchaus erholt zeigen.

Trotz bisweilen auch in Rohstoffpublikationen zu lesen, hat der Turnaround bei Nickel sicher nichts mit dem tragischen Minenunglück in einer Eisenerzmine in Brasilien des Konzerns Vale zu tun. Lange vor dem Unglück kam es zum Wendepunkt in der Nickelkursentwicklung.  Doch auch bei Nickel wachsen die Bäume nicht uneingeschränkt in den Himmel. Höhere Nickelpreise könnten dafür sorgen, dass ein zusätzlicher, derzeit noch brachliegender Teil der Nickel-Pig-Iron Produktion, wieder aktiviert wird und damit mit Erreichen entsprechender Nickelkursniveaus eine „natürliche“ Begrenzung nach oben darstellen könnte.

In einer Pressemitteilung hat die LME Mitte Januar sieben neue Future-Kontrakte vorgestellt, die bei Fälligkeit nicht durch physische Lieferung, sondern durch eine entsprechende Differenzzahlung ausgeglichen werden (sog. „cash-settled future“). Im Detail handelt es sich um drei neue Notierungen für den Aluminiummarkt zur besseren Preisdifferenzierung: Zwei Kontrakte für Aluminiumprämien in Europa und den USA und einen Alumina-Future, welcher die Preisdynamik des physischen Aluminamarkts möglichst präzise reflektieren soll. Darüber hinaus werden zwei Kontrakte für warmgewalzten Stahl in Nordamerika und China angeboten. Zudem wird die LME die Nischen-Futures auf Kobalt und Molybdän nun auch „cash-settled“, vermutlich zur Erhöhung der ansonsten mageren Liquidität in diesen zwei Kontrakten, anbieten. Abschließend stellt die LME in Aussicht, dass ab dem vierten Quartal ein Futures-Kontrakt für Lithium in die Produktpalette aufgenommen wird.

Das Handelsblatt berichtete über die grüne Wende bei ThyssenKrupp. Demnach möchte ThyssenKrupp bis 2050 zehn Milliarden Euro in die CO2-freie Stahlerzeugung investieren. Die Produktion soll dabei auf eine wasserstoffbasierte Stahlerzeugung umgestellt werden. ThyssenKrupp-Stahlchef Andreas Goss begründete im Handelsblatt diesen Schritt gar als „Aufgabe der Industrie, ihren Beitrag zum Klimaschutz zu leisten“.  Derzeit zählt die deutsche Stahlbranche mit einem Ausstoß von bis zu 32.000 Kilotonnen zu den wesentlichen Emittenten von CO2 in Deutschland. Dies entspricht fast einem Drittel der gesamten Emissionen der deutschen Industrie. Damit hat die Stahlbranche ihre Vision für die nächsten zwanzig Jahre hin zu einem grünen Stahl verkündet.

Bis dahin ist es zwar noch ein gewisser Weg, leider wurde aber in dem Artikel unverständlicherweise nicht die erhebliche Bedeutung des Rohstoffs Schrott zur Einsparung von Treibhausgasen beleuchtet. Denn schließlich trägt die deutsche und europäische Stahl- und Edelstahlindustrie schon heute und jetzt durch den erheblichen Einsatz von Schrott ganz wesentlich zu den CO2-Einsparungen der deutschen und europäischen Volkswirtschaft bei. Nur leider wird dies, wie der Artikel zeigt, von den Medien, der Politik und der Öffentlichkeit scheinbar gar nicht wahrgenommen. Eine höhere Schrottquote würde den Ausstoß des klimaschädlichen Gases noch weiter reduzieren. Möglich wäre es, mithilfe von Gesetzen, den Weg zu grünem Stahl und Edelstahl schneller zu bestreiten. Beispielsweise würde ein EU-weiter Emissionshandel für Stahlwerke, bei denen der Schrotteinsatz belohnt würde, dazu führen, dass die Schrottquote in der Produktion erhöht wird.

Neben den Emissionen, die sich langfristig in Form des Klimawandels zeigen, sind kurz- und mittelfristig ökologische, ökonomische und soziale Auswirkungen nicht außer Acht zu lassen, die sich mit einem intelligenten und verstärkten Einsatz von Schrott vermeiden lassen. So hat erst vor einigen Wochen ein Dammbruch bei einer brasilianischen Eisenerzmine die Öffentlichkeit wieder aufhorchen lassen, dass Abbau und Produktion von Primärrohstoffen für Mensch und Natur nicht folgenlos sind. Eine Schlammlawine riss 300 Menschen in den tragischen Tod. Bereits seit geraumer Zeit hatten die Einwohner in der Region mit verseuchtem Grundwasser zu kämpfen. Dabei ist der rote Schlamm ein ungewünschter Nebeneffekt, der beim Abbau von Erzen entsteht, da selbst das reinste Erz zahlreiche Verunreinigungen enthält. Bei dem Verarbeiten des Materials wird das Gestein gemahlen und so, mithilfe von Wasser, das Eisenerz vom Rest separiert. Daher gibt es im Umkreis dieser Minen hunderte Rückhaltebecken mit Schlick, die die rote Masse sammeln.

Bereits im November 2015 hatte der Verursacher dieses Unglücks, der brasilianische Bergbaukonzern Vale, damals in einem Joint Venture mit BHP Billiton, durch einen Dammbruch eine Schlammlawine ausgelöst, bei der 19 Menschen starben. Experten schätzten damals, dass es mindestens 100 Jahre dauern würde, bis die Giftstoffe aus dem Boden verschwinden würden. Beide Partner des Joint Ventures einigten sich mit den Behörden eine Schadenssumme von cirka 5 Mrd. Euro zu begleichen. Die Investoren störte das bislang wenig. Denn innerhalb von drei Jahren hatte Vale die Nettoverschuldung reduziert, die operative Rendite erhöht und so die Marktkapitalisierung um mehr als 500 Prozent gesteigert, bis zu jenem Tag im Januar 2019, an dem der Aktienkurs um 25 Prozent einbrach. Doch im Zuge eines fortschreitenden Nachhaltigkeitsfokus von Politik und Gesellschaft, können sich Rohstoffkonzerne, Banken und Finanzmärkte dieser überfälligen Diskussion nicht mehr entziehen. So titelt die Financial Times „Brazilian disaster poses test for mining industry“ und bringt damit das Thema Nachhaltigkeit einmal mehr auf die öffentliche Agenda.

Auch die Rohstoffmärkte reagierten empfindlich auf das Unglück, da Vale als weltweit größter Eisenerzproduzent gilt. Aufgrund eines möglichen Engpasses erklärte Vale Force Majeure auf einige Lieferverträge, da es sich nicht dazu in der Lage sah, sämtliche Produktionsaufträge fristgerecht zu erfüllen. Es drohe ein Produktionseinbruch von ca. 70 Millionen Tonnen Eisenerz für 2019. Die Angebotsknappheit führte an den Rohstoffmärkten innerhalb kurzer Zeit zu einem Kursanstieg von ca. $76 auf $92 pro Tonne Eisenerz. Einige Analysten halten bereits $100 pro Tonne für realistisch.

LME (London Metal Exchange)

LME Official Close (3 Monate)
11. Februar 2019
Nickel (Ni) Kupfer (Cu) Aluminium (Al)
Official Close
3 Mon.Ask
12.560,00
USD/mt
6.165,00
USD/mt
1.869,50
USD/mt
LME Bestände in mt
15. Januar 2019 11. Februar 2019 Delta in mt Delta in %
Nickel (Ni) 197.952 200.448 + 2.496 + 1,26%
Kupfer (Cu) 133.600 148.550 + 14.950 + 11,19%
Aluminium (Al) 1.295.750 1.292.175 – 3.575 – 0,28%

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