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Stimmungstief zum Jahresende. Schlechte Nachrichten, wo man hinschaut. Konjunkturelle Dämpfung gewiss. Pessimismus übertrieben. Kontrast: Nickelkurs positiv in das Jahr 2019 gestartet.

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Investmentbank Goldman Sachs reduziert kurzfristige Metallpreisprognose. Stellt eigene Argumente auf den Kopf. Und erzeugt Transaktionen und Flow. Umfang der Anpassung ebenfalls übertrieben.

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Artificial Intelligence hilft Großorganisationen bisher nicht Komplexität zu bekämpfen. Realitätsferne und Zeitverzögerungen in der Kommunikation auffällig. Handelskrieg und Brexit sind Beispiele.

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Chrom-Benchmark gesunken. Lagerabnahme bei Nickel an der LME setzt sich fort. Mit Elon Musk und Edelstahl zum Mars. Eine Rezession ist keine Gewissheit, solange reagiert wird.

Das Jahresende 2018 stellte nicht nur bezüglich Konjunkturerwartungen und Börsen einen relativen Tiefpunkt dar. Auch die Nickelnotierung an der London Metal Exchange (LME) verabschiedete sich an Silvester mit einem Tief von USD 10.630,00/mt aus dem Markt und damit auf dem niedrigsten Stand seit Ende September 2017. Während des Kalenderjahres 2018 vollzog sich bis Anfang Juni zunächst eine deutliche Befestigung der Nickelpreise, danach kam es aber zu einer unaufhörlichen Talfahrt im Einklang mit dem allgemeinen politischen und makroökonomischen Stimmungstief. Durch die arg gebeutelten Aktienmärkte und deren Indizes wurde die Marktschwäche auch von einer breiteren Öffentlichkeit wahrgenommen. Lediglich die Autofahrer freuten sich an den Tankstellen über den sichtbar gefallenen Öl- bzw. Benzinpreis.

Man konnte die schlechten (Wirtschafts-)Nachrichten kaum noch hören und nicht wenige Propheten und Unternehmenslenker ließen sich von der schlechten Stimmung anstecken. Die sichtbare Zurückhaltung bei Aufträgen und Investitionen kann natürlich ihrerseits aus der Befürchtung schnell eine Gewissheit machen. Dennoch schien nach hiesiger Beurteilung die Negativeinschätzung, makroökonomisch und was den weiteren Ausblick der Edelstahlproduktion angeht, doch etwas übertrieben. Das heißt nicht, dass bestritten wird, dass es zu einer konjunkturellen Dämpfung kam und diese sich vielleicht auch noch ein wenig fortsetzt. Darin besteht wohl allenthalben kaum ein Dissens.

Ob nun allerdings die große Krise oder Rezession ausbricht, darüber gehen die Meinungen doch (zum Glück) etwas auseinander. Dämpfung ja, Rezession nein, ist eher das Credo. Mit Ausnahme von Auftragsmarktforschern, die durch ihre pointierten Aussagen für Handelsaktivität, oder man sagt auch „Flow“, bei Wertpapier- und sonstigen Finanztransaktionen sorgen wollen. Denn mit der Volatilität und der Anzahl an abgewickelten Geschäften verdienen nicht wenige ihr Geld, unabhängig auf welchem Niveau diese nun durchgeführt werden.

An diese Stelle passt auch die unter anderem vom Nachrichtendienst Bloomberg verbreitete Meldung bezüglich der Anpassung der kurzfristigen Metallpreisprognose der Investmentbank Goldman Sachs. Gehörten die Rohstoffanalysten von Goldman noch bis vor kurzem zu den klaren Verfechtern, dass der Markt die Preisentwicklung und Aussichten bei Nickel zu negativ sehen würde und die Korrektur dadurch zu stark ausgefallen sei, kam es nun zum Jahresbeginn zu einer deutlichen Korrektur der eigenen Erwartungen. Begründet mit einer Abschwächung des Wirtschaftswachstums in China im 4. Quartal 2018 – verbunden mit weiterhin dürftigen Erwartungen für den Jahresbeginn, ausgedrückt durch einen schwachen, chinesischen Einkaufsmanagerindex –wurden die Preisschätzungen („targets“) für drei, sechs und zwölf Monate deutlich nach unten korrigiert.

Lagen diese zuvor noch bei stolzen USD 15.000,00/mt, USD 16.000,00/mt und USD 18.000,00/mt, wurden diese nun deutlich auf USD 11.000,00/mt, USD 11.500/mt und USD 12.500,00/mt angepasst. Bei Nickel sollen neben China auch neue HPAL-Projekte in Indonesien die Nickel-Nachfrage aus dem Bereich der Elektromobilität dämpfen. Ob die Ungeduld und das Abrücken der Analysten schließlich mit einer korrekten Prognose belohnt werden, bleibt abzuwarten und wird hier eher bezweifelt.

Sicherlich sorgt es aber für mehr „Flow“ bei den eigenen Rohstofftransaktionen, wie oben beschrieben. Und sicher spielt die Entwicklung der chinesischen Volkswirtschaft für die Rohstoffnachfrage- und preise, aber nicht nur für die, mittlerweile eine sehr wesentliche Rolle. Gegenmaßnahmen wurden durch die chinesische Regierung mittels größerer Infrastrukturausgaben, Steuersenkungen und Krediterleichterungen bereits eingeleitet und haben auch in der Vergangenheit schon Wirkung gezeigt. Über den Zeitpunkt einer Erholung kann man indes trefflich streiten.

Bezüglich des schwelenden Handelsstreits zwischen den USA und China ist bemerkenswert, dass zuletzt doch ein gewisser Realismus auf beiden Seiten eingetreten ist. Es werden Presseberichte zitiert, nach denen die US-Administration nun eine baldige Einigung anstrebt, um die Verunsicherung an den Finanzmärkten bezüglich der Risiken aus dem Handelskonflikt zu dämpfen. Und die zuletzt in China geführten bilateralen Gespräche geben durchaus Anlass zur Hoffnung. Zumindest haben beide Parteien von positiven Signalen berichtet. Und der Ölpreis sowie die Rohstoffpreise haben auch schon mit Preissteigerungen reagiert.

Was die grundsätzliche Personalauswahl der amerikanischen Exekutive angeht, darf auf keinen Fall verschwiegen werden, dass der geradezu legendäre Kurzzeit-Kommunikationschef von Präsident Trump, Anthony Scaramucci, wie die Presse berichtet, einen weiteren Karriereschritt macht. Er geht bei der nächsten Staffel von „Big Brother“ des US-Fernsehsenders CBS in den TV-Container. Man weiß bald nicht mehr, mit wem man eigentlich Mitleid haben soll.

Eines ist, nun wieder in vollem Ernst,  in diesem Zusammenhang aber doch erstaunlich. Aller angeblichen und tatsächlichen Artificial Intelligence zum Trotz agieren  insbesondere große Organisationen, wie zum Beispiel Regierungen oder Großkonzerne, fernab der Realität. Und wie lange es dauert, bis sich Fakten und Gewissheiten in diesen Apparaten herumgesprochen haben. Größe ist nicht immer ein Vorteil, diese ist auch gleichbedeutend mit Komplexität. Exemplarisch sind der Handelskrieg und der Brexit leider unrühmliche Beispiele. Das anfängliche Getöse führt hier am Ende vermutlich, außer zu erheblichem Aufwand, noch nicht einmal zu einem minimal besseren Ergebnis. Und auch die aktuelle Diskussion über neue, kreative Preismodelle zur Bewertung des Schrotts gehört vermutlich in diese Kategorie.

Der Abbau der LME-Börsenlagerbestände an Nickel setzt sich auch im neuen Jahr fort. Die „Schallmauer“ von 200.000 mt Nickel wurde am 14. Januar 2019 mit einem Wert von 199.542 mt erstmals seit Juli 2013 wieder nach unten durchbrochen. Auch wenn man bei der Interpretation von Lagerbeständen, wie des Öfteren erklärt, vorsichtig sein muss, ist dies jedoch ein weiteres (positives) Mosaiksteinchen zum Gesamtbild, wenn es um die Normalisierung der Nickelpreisentwicklung geht. Bei der Ferrochrom-Benchmark für das 1. Quartal 2019 haben sich die Vertreter der Anbieter- und Verbraucherseite, Aperam und Glencore auf einen Preis von USD 1,12 per lb geeinigt. Das entspricht gegenüber dem Preis für das 4. Quartal 2018 von USD 1,24 per lb einem Rückgang von 12 US-cents oder 9,7%. Die Reduzierung des Referenzpreises war erwartet worden, da sich die Spotchrompreise im letzten Quartal in China, aber auch in Europa, bereits vermindert hatten.

Kurz vor Weihnachten twitterte Tech-Visionär Elon Musk ein Foto des neusten SpaceX Prototyps. Das Foto zeigt ein noch unfertiges Raumschiff, lediglich Form und Ummantelung geben einen Eindruck, in was für einem Gefährt Passagiere zukünftig auf den Mars fliegen könnten. Das Besondere daran ist, dass der Prototyp ein glänzendes Gewand aus Edelstahl hat. Musk lobt in seinem Tweet die Vorzüge des Materials. So eignet sich Edelstahl besonders gut zur Wärmeableitung. Damit könnte die neue Hülle die starken Belastungen eines Raumfluges, beispielsweise zum Mars, besonders gut aushalten.

Bisher nutzten die Ingenieure nur Ummantelungen aus Kohlenstofffasern, da Edelstahl zu schwer war. Die Entwickler schafften, unter Einsatz von äußerster Kälte, der sogenannten Kryotechnik, das Gewicht des Edelstahls deutlich zu reduzieren, so Musk. Die Erkenntnisse der Entwickler ähneln den bekannten Vorzügen des Kaltwalzens bei Raumtemperatur. Das Kaltwalzen wird mittels schwerer Rollen durchgeführt, wobei die Molekularstruktur geändert und die Kristallgröße verringert wird. Kaltwalzen ist langsamer als Warmwalzen, lässt aber eine feinere und bessere Qualität entstehen, mit zwanzig Prozent höherer Festigkeit. Jedoch ist Kaltwalzen deutlich teurer als Warmwalzen. SpaceX könnte einen Testflug des Prototyps mit neuer Ummantelung bereits im März oder April durchführen.

Um nicht ständig Trübsal zu blasen, soll an dieser Stelle ganz bewusst ein positiver Gegenentwurf zu der Konzentration negativer Nachrichten der letzten Monate skizziert werden. Und die Marktentwicklung der ersten Tage des neuen Jahres scheint durchaus eine gewisse Sympathie für diese etwas ausgewogenere Sichtweise zu teilen. Nickel ist beispielsweise seit Jahresbeginn um rund USD 800,00/mt gestiegen. Sollte sich dieser Trend fortsetzen, müsste sich die Stimmungsspirale, die sich im zweiten Halbjahr 2018 in der Tendenz eher nach unten gedreht hatte, eigentlich auch wieder einmal nach oben drehen. Das wäre dann auch verbunden mit entsprechenden selbstverstärkenden Effekten, wie einer größeren Investitionsneigung und damit einem höheren Auftragseingang.

Auch wenn klar ist, dass sich nicht alle weltpolitischen Baustellen gleichzeitig lösen lassen, so spricht schon die Wahrscheinlichkeitsrechnung dafür, dass nicht alle Herausforderungen in Chaos und Verderben enden müssen, wie es in den Medien bis kurz vor dem Jahresende als unvermeidlich erschien. Was wäre denn, wenn die durch die chinesische Regierung eingeleiteten Maßnahmen wirklich in absehbarer Zeit zu einer Stärkung des Wirtschaftswachstums führen würden? Was würde passieren, wenn die Europäische Union den Edelstahlmarkt vor Dumpingimporten auch aus anderen asiatischen Ländern schützen würde, wie es schon im Hinblick auf die chinesischen Überkapazitäten erfolgreich vollzogen wurde? Und was würde mit den Märkten passieren, wenn sich die Streithähne USA und China, auch vor dem Hintergrund der inzwischen sichtbaren negativen Folgen für beide Volkswirtschaften, doch von der zumindest ökonomischen Vernunft leiten ließen und den Handelskrieg mit einem für beide Seiten tragbaren Kompromiss beilegen?

Wie würde es sich wohl auf die Weltwirtschaft auswirken, wenn die US-Notenbank ihre zurückhaltende Rhetorik noch weiter vertieft und ggf. Zinserhöhungen verschiebt, um Märkte und Unternehmen wieder positiver zu stimmen und die Investitionsbereitschaft zu erhöhen? Wie würde sich die im globalen Kontext inzwischen eher unbedeutende europäische Ökonomie entwickeln, wenn es nach einigem weiteren Hängen und Würgen doch noch zu einem annehmbaren „Brexit-Deal“ käme oder vielleicht sogar zu einem Verbleib Großbritanniens in der Europäischen Union? Was wäre, wenn das tödliche Attentat auf den Bürgermeister in Danzig zu einem Weckruf zur Änderung der Kultur der politischen Auseinandersetzung und Kommunikation in Polen führen würde?

Und was wäre, wenn der US-Präsident Trump und sein türkischer wahlweise Mit- und Gegenspieler Erdogan aus innerster Überzeugung ein Deeskalationsseminar besuchen würden. Spätestens jetzt ist klar, dass eine durchaus auch von Humor geprägte, optimistische Grundhaltung, die auch die bestehenden Handlungsoptionen der Beteiligten nicht ausblendet, die Welt am Ende nicht besser macht als sie ist, aber durchaus hilft, die Dinge konstruktiver und vor allem mit mehr Elan anzugehen, als eine verhärmte, nur am Negativen orientierte Weltsicht. Niederlagen und Rücksetzer gibt es ohnehin, aber eben auch Reaktionen und Entscheidungen, die zum Besseren führen. Politische oder ökonomische Auseinandersetzungen müssen daher nicht zwangsläufig in Chaos und Rezession enden, sie stellen auch Chancen dar. In diesem Sinne ein gutes und erfolgreiches Jahr 2019. An der Nickelbörse scheint der Start geglückt.

LME (London Metal Exchange)

LME Official Close (3 Monate)
15. Januar 2019
Nickel (Ni) Kupfer (Cu) Aluminium (Al)
Official Close
3 Mon.Ask
11.475,00
USD/mt
5.916,00
USD/mt
1.836,50
USD/mt
LME Bestände in mt
10. Dezember 2018 15. Januar 2019 Delta in mt Delta in %
Nickel (Ni) 210.846 197.952 – 12.894 – 6,12%
Kupfer (Cu) 122.500 133.600 + 11.100 + 9,06%
Aluminium (Al) 1.040.975 1.295.750 + 254.775 + 24,48%

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