Auf die Korrektur folgt eine Erholung. Dann wieder eine Konsolidierung, gefolgt von einem Kursanstieg. Das Handeln der USA und ihres Präsidenten bewegt die Industriemetalle.

Aluminium als Profiteur der neuen Russlandsanktionen. RUSAL als einer der weltweit größten Alu-Produzenten unmittelbar betroffen. Der Aluminiumpreis steigt um 16% in einer Woche.

Kriegserklärung per Twitter. Ist ein Übersetzungsfehler schuld? Der Verwaltungsrat der Renova Holding des Oligarchen Vekselberg vereinte illustre Persönlichkeiten.

Edelstahlschrott ist nicht sanktioniert. Ein weiterer und neuer Aspekt in der Nachhaltigkeitsdebatte. Kobalt wird immer teurer, da China den relevanten Markt beherrscht. Nickel als Alternative?

Die Notierungen an der London Metal Exchange (LME) werden derzeit stark von exogenen Ereignissen bewegt. Und dabei zeigt der Nickelpreis bei weitem nicht die bemerkenswerteste Entwicklung. Durch die von der Trump-Administration angekündigten Zölle auf Stahl und Aluminiumprodukte kam es zunächst zu einer Korrektur der weltweiten Referenzpreise für Industriemetalle, aber auch der Aktienbörsen. Allerdings gefolgt von einer unmittelbaren Erholung, nachdem zahlreiche langjährige Partnerländer der USA zumindest vorübergehend von den Außenhandelsrestriktionen ganz oder teilweise ausgenommen wurden.

Sodann konzentrierte sich der amerikanische Präsident auf den Handelskonflikt mit China und es kam zu einem Wettlauf der Ankündigungen von Strafzöllen auf alle möglichen Produkte, worauf China – nicht überraschend – entsprechend antwortete und inzwischen auch die WTO angerufen hat. Abermals führte die Verunsicherung zu einer Korrektur der Märkte. Inzwischen waren die Aluminiumpreise in den USA schon deutlich gestiegen.

Zuletzt wurde durch die Vereinigten Staaten von Amerika eine Ausweitung der Sanktionen gegen Russland in Kraft gesetzt, die mit dem Unternehmen RUSAL vor allem über deren sanktionierte oligarchische Gesellschafter nun auch einen der größten Aluminiumproduzenten der Welt betreffen. Und was ist die Folge? Die Industriemetallnotierungen ziehen auf breiter Front an. Und wie nicht anders zu erwarten, ist insbesondere Aluminium der Spitzenreiter. Nach Kursen von noch unter USD 2.000,00/mt Anfang April, erreicht die Notierung im Zuge der Sanktionen, innerhalb von nur einer Woche, nun ein 6-Jahres-Hoch von USD 2.325,00/mt. Das ist ein Plus von rund 16%.

Damit hat Donald Trump der Weltwirtschaft sowie den eigenen Verbrauchern und Unternehmen wieder einmal einen Bärendienst erwiesen, nur der US-Aluminiumproduzent Alcoa mag jubilieren. Aber vielleicht wetten der Präsident oder seine Verwandten privat auf steigende Rohstoffpreise oder sind an Alcoa beteiligt. Schaut man auf die nackten Zahlen, steht der sanktionierte RUSAL-Konzern für rund 6% des weltweiten Aluminium-Angebots. Demgegenüber produzieren die USA insgesamt gerade einmal 900 Tausend Tonnen oder 1% des globalen Outputs. Die US-amerikanische Nachfrage liegt aber bei über 5 Millionen Tonnen, wodurch eine große Importabhängigkeit besteht.

Anders sieht es in China aus, welches für 58% der weltweiten Aluminiumproduktion steht und damit am Ende der große Profiteur der amerikanischen Sanktionen sein könnte. Das würde aber den eigentlichen Interessen von Trump aus dem begonnenen Handelskrieg zuwiderlaufen. Die Prognosen der Analysten für den Aluminiumpreis für 2018 dürften mit diesen Ereignissen erst einmal Makulatur sein.

Aber nicht nur russische Oligarchen und deren Unternehmen sind von den Sanktionen betroffen, auch andere illustre Leute bekommen kalte Füße, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) am 13. April 2018 berichtet. So gibt es in der Schweiz, die Renova Holding, welche dem russischen Oligarchen Viktor Vekselberg gehört. Diese Holdinggesellschaft ist Hauptaktionär der Schweizer Industriekonzerne Sulzer, Oerlikon und Schmolz + Bickenbach. Und die Renova hat, wie für ein schweizerisches Unternehmen üblich, natürlich einen Verwaltungsrat. Die Nachrichtenlage ist nicht ganz eindeutig, ob der Verwaltungsrat aufgelöst wurde oder ob nur einzelne Gremienmitglieder zurückgetreten sind.

Tatsache ist aber wohl und in der Tat bemerkenswert, dass bis zuletzt folgende Personen dem Aufsichtsgremium angehörten: der ehemalige Chef der Deutschen Bank Ackermann, der ehemalige Ferrari-Chef Luca di Montezemolo sowie der ehemalige Chef des amerikanischen Geheimdienstes CIA, John Mark Deutch. Zu schön, um wahr zu sein, möchte man meinen. Und wenn nicht die altehrwürdige FAZ davon berichtet hätte, wäre schnell der Verdacht einer Fake-News aufgekommen.

Aber damit nicht genug, der amerikanische Präsident musste schnell auch noch eine Kriegserklärung 2.0 per Twitter im Syrienkonflikt absetzen. Diese beruhte, wie man im Handelsblatt lesen konnte, vielleicht – als emotionale und direkte Reaktion – auf einem Übersetzungsfehler aus dem Arabischen, einer Äußerung des russischen Botschafters im Libanon. In welcher Welt leben wir eigentlich? Da kann man nur dem Leiter der Münchener Sicherheitskonferenz Wolfgang Ischinger zustimmen, der in einem aktuellen Interview zur Syrien-Krise eindrücklich davor warnte, über Vergleiche mit dem Kalten Krieg oder der Kubakrise Kriegspanik zu schüren und unbegründete Ängste zu schaffen.

Man kann sicher nicht in Frage stellen, dass der amerikanische Präsident die Märkte nicht bewegen würde, wie einstmals der geradezu legendäre Notenbankpräsident Alan Greenspan, dennoch hier drei Anmerkungen zum aktuellen Politikstil von Herrn Trump: Drohungen, denen man (zum Glück) häufig kein entsprechendes oder nur widersprüchliches Handeln folgen lässt, werden mit der Zeit wirkungslos. In der Kindererziehung spricht man von den klassischen Fallen. So schreibt ein Erziehungsratgeber: „Durch unrealistische Drohungen werden Kinder entweder verängstigt und verunsichert oder durchschauen, dass die Erwachsenen leere und damit wirkungslose Drohungen aussprechen.“

Auch nach der wirtschaftsmathematischen Spieltheorie muss eine Drohung folgende Voraussetzungen erfüllen: Wirksamkeit und Eignung müssen gegeben sein. Es wird zwischen erzwingenden, abschreckenden und leeren Drohungen unterschieden. Und, das Gegenstück zu einer Drohung ist das Versprechen, welches mittels positiver Auswirkungen eine Beeinflussung des Handelns anstrebt. Sollte man es nicht einmal damit versuchen?

Und nicht zuletzt hat die aktuelle, sehr ernsthafte Debatte über Facebook und den Datenmissbrauch, insbesondere in den USA, wie beispielsweise in den Hearings von Mark Zuckerberg vor dem Senat und Kongress gezeigt, dass dort auch durchaus noch Kräfte am Werk sind, denen tatsächlich an einer Verbesserung der Rahmenbedingungen gelegen ist. Es ist also noch lange nicht alle Hoffnung verloren.

Bei weiter fallenden Börsenlagerbeständen an der LME und an der Shanghai Futures Exchange (SHFE) blieb auch der Nickelkurs von den vorstehenden Ereignissen nicht unbeeindruckt. Nach einer Korrektur der Preise auf unter USD 13.000,00/mt im Zuge der Einführung von Strafzöllen auf Stahl- und Aluminiumprodukte durch die USA und der Eskalation des Handelskriegs mit China, konnten sich die Nickelkurse zuletzt nach den ausgeweiteten und verschärften Sanktionen gegenüber Russland wieder auf deutlich über USD 14.000,00/mt befestigen. Nickel profitiert damit nicht nur von einer allgemeinen Sentimentverbesserung im Zusammenhang mit den Kurssprüngen bei Aluminium, sondern Russland ist mit Norilsk Nickel (Nornickel) auch ein sehr wesentlicher Produzent und Exporteur dieses Rohstoffs. Im Jahr 2017 hat Norilsk insgesamt 217 Tausend Tonnen Nickel produziert und repräsentiert damit rund 10% der Weltprimärnickelproduktion.

Da liegt eine Befürchtung in den Märkten nicht fern, dass sich bei einer weiteren Verschärfung der Sanktionen auch das Nickelangebot, ähnlich wie bei Aluminium, einengen könnte. Obwohl RUSAL, über von diesen kontrollierten Einheiten, nach Angaben des Metal Bulletin mit 27,8% an Norilsk Nickel beteiligt sein soll, ist aber dem Vernehmen nach Nornickel bisher nicht von den Sanktionen betroffen. Während die LME von RUSAL produziertes Aluminium ab dem 17. April von der Liste der von der Börse akzeptierten Qualitäten gestrichen hat, gibt es bezüglich der Nickelprodukte von Nornickel keine solchen Aussagen.

Sanktionstechnisch auf der sicheren Seite befinden sich Nickelverbraucher natürlich immer dann, wenn diese ihre Nickeleinheiten aus heimischen Rohstoffen, wie zum Beispiel dem Edelstahlschrott beziehen. Damit hat die in der vergangenen Ausgabe behandelte Nachhaltigkeitsdiskussion quasi über Nacht einen weiteren Aspekt bekommen. Logischerweise könnte eine sanktionsbedingte Einschränkung des Primärnickelangebots einen Einfluss auf die Preisbildung auch bei den entsprechend komplementären Sekundärrohstoffen haben.

Mittlerweile ist die Bedeutung des Metalls Kobalt für die weitere Entwicklung der Elektromobilität auch in den wirtschaftlichen Publikumsmedien angekommen. So beschäftigt sich das renommierte britische Wirtschaftsmagazin „The Economist“ in einem Artikel mit dem Titel „What if China corners the cobalt market?“ mit den sogenannten Koboldmetallen. Die Namen der Metalle Kobalt und Nickel leiten sich nämlich von Kobolden ab. Nach mythologischer Vorstellung verzauberten diese Silber- oder Kupfererze, so dass eine Verhüttung mit der zu dieser Zeit bekannten Technologie nicht möglich war.

Wie der Economist berichtet, sei vielleicht noch bekannt, dass sich mehr als die Hälfte aller Kobaltreserven in der Demokratischen Republik Kongo befinden, einem nicht gerade stabilen Land und vielleicht auch nicht unbedingt demokratisch nach hiesiger Vorstellung. Was aber weit weniger bekannt, aber umso wichtiger sei, ist der Umstand, dass 80% aller Kobaltsulfate und – oxide, welche zur Herstellung von Kathoden für Lithium-Ionen-Batterien benötigt werden, in China raffiniert werden. Die verbleibenden 20% werden wohl in Finnland produziert, allerdings kommen die entsprechenden Rohstoffe ebenfalls aus dem Kongo und zwar aus einer sich mehrheitlich im Besitz der chinesischen Firma China Molybdenum befindlichen Kobaltmine.

Und damit nicht genug. Am 14. März wurde bekannt, dass sich der Chinesische Batteriehersteller GEM ein Drittel aller Kobaltlieferungen des Rohstoffhändlers Glencore für die Jahre 2018 bis 2020 gesichert hat. Damit kommt China gegenwärtig eine dominierende Stellung im Kobaltmarkt zu, wie vor einigen Jahren schon bei den sogenannten Seltenen Erden. So ist es auch kein Wunder, dass sich die Kobaltpreise gegenüber 2016 bereits auf über USD 90.000,00/mt beinahe vervierfacht haben. Man geht allerdings, so der Bericht weiter, nicht davon aus, dass es bei dieser marktbeherrschenden Stellung darum geht, den Markt für spekulative Zwecke zu manipulieren. Vielmehr ginge es China darum, die Voraussetzungen für die Erreichung der sehr ambitionierten Elektromobilitätziele zu schaffen.

Natürlich bereitet diese Situation insbesondere den entsprechenden Firmen außerhalb Chinas Kopfzerbrechen, denn allzu präsent sind noch die auf Seltene Erden erlassenen Ausfuhrbeschränkungen. Aus diesem Grund wird auch kaum mit einer kurz- bis mittelfristigen Entspannung im Kobaltmarkt gerechnet.

Daher wenden sich die Batteriehersteller zunehmend der Frage zu, wie man bei den üblichen in Elektrofahrzeugen benutzten Batterien, den Anteil an knappem und sehr teurem Kobalt reduzieren kann. Ein Versuch besteht darin, den Anteil von Nickel zu erhöhen. Dadurch wird die Kapazität einer Batterie sogar noch vergrößert, die Produktion ist aber aktuell noch deutlich schwieriger. Ebenso hat man das Problem einer leichteren Entflammbarkeit noch nicht hinreichend lösen können. Die weitere Entwicklung der Batterietechnik wird daher zeigen, ob sich die Elektromobilität nicht noch deutlich stärker auf die Nickelnachfrage auswirken wird, als bisher vermutet.

LME (London Metal Exchange)

LME Official Close (3 Monate)
16. April 2018
Nickel (Ni) Kupfer (Cu) Aluminium (Al)
Official Close
3 Mon.Ask
14.210,00
USD/mt
6.853,00
USD/mt
2.349,00
USD/mt
LME Bestände in mt
14. März 2018 16. April 2018 Delta in mt Delta in %
Nickel (Ni) 325.386 311.988 – 13.398 – 4,12%
Kupfer (Cu) 319.325 352.000 + 32.675 + 10,23%
Aluminium (Al) 1.311.900 1.360.275 + 48.375 + 3,69%

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