Wieso scheitern bislang nicht wenige KI (Künstliche Intelligenz)-Projekte? Es liegt nicht an der fehlenden technischen Qualität der Lösungen. Kontrollverlust und Misstrauen verhindern vielmehr die Akzeptanz.

Auch der Konflikt im Nahen Osten scheint außer Kontrolle. Die Preise für Öl und seine Raffinate treiben die Inflation und bremsen die wirtschaftliche Erholung. Das lässt sich auch an den Industriemetallen ablesen.

Indonesien will durch die ICOMEX die Preise für Nickel setzen. Größte Produzentennation ist man schon. ifo-Studie beschäftigt sich mit den kritischen Rohstoffen. Leider ist ein Jahrzehnt ungenutzt vergangen.

Nachfrage für Batterierohstoffe wächst weiter, aber differenzierter. Staatliche Eingriffe spielen eine Rolle, aber auch veränderte Rezepturen. Die Herkunft mancher Redensarten bleibt hingegen rätselhaft.

Huthi gewinnen kein Vertrauen, andere verlieren die Kontrolle
Manchmal ist es schon merkwürdig. Man benutzt Phrasen im eigenen Sprachgebrauch, bei denen einem auf einmal auffällt, dass man deren Herkunft gar nicht kennt. So ist es dem Autor auch ergangen, wenn man nach einer besonders pfiffigen und schnellen Lösung von einem Problem sagt: „Das war Trick 17“. Bei der Recherche nach den Wurzeln dieses Ausdrucks fängt es schon damit an, dass es noch nicht einmal in Europa eine Einigung darüber zu geben scheint, um welchen Trick es sich denn handelt. Die Finnen sagen Trick 3, die Schweizer hingegen Trick 77.

So scheint es im Ergebnis viele Geschichten dazu zu geben, wo die Redensart herkommt. So soll es sich nach den einen um den einen, ganz besonderen, ultimativen Trick handeln, der im Zauberbuch eines großen Magiers fehlte. Oder 17 ist auch eine sehr hohe Punktzahl im englischen Kartenspiel Whist. Oder aber ein Plan aus dem ersten Weltkrieg mit der Nummer 17, der aber scheiterte. So soll man daher früher Trick 17 gesagt haben, wenn etwas nicht funktioniert hat. Am Ende ist es wohl tatsächlich so, dass man tatsächlich nicht genau weiß, woher genau. Eigentlich verblüffend!

Würde man die Künstliche Intelligenz (KI) nach dem Ursprung fragen, gäbe es vermutlich noch weitere kreative Antworten. Jedoch ist stets angeraten, die entsprechenden Quellen auf ihre Seriosität und Korrektheit zu überprüfen, denn die Halluzinationen von KI sind ja beinahe schon legendär. Beim unlängst bei der IHK Düsseldorf veranstalteten 24. German Malaysian Round Table (GMRT) ging es dann, neben natürlich Malaysia, auch um die KI als Schwerpunktthema.

In seinem Vortrag „Same AI, Different Needs: Why One Solution Doesn’t Fit All – On Cultural Differences and Individual Needs“ ging der Ingenieurpsychologe Dr. Magnus Liebherr, Leiter der Arbeitsgruppe „Human Factors and Cognition“ an der Universität Duisburg-Essen, auf die psychologischen und kulturellen Aspekte der Nutzung von KI ein. Aus der subjektiven Wahrnehmung heraus scheint das ein bisher noch eher wenig bearbeitetes Feld in den Wissenschaften zu sein. Dennoch hat es eine große Berechtigung, wie einige Highlights aus der Präsentation zeigen.

So besteht in Deutschland, bei allen untersuchten Ländern, die geringste Bereitschaft bestimmte wesentliche, soziale Rollen der KI zu übertragen. So ging es um die Frage, ob man sein Kind von der KI erziehen lassen würde, oder man sich von dieser untersuchen und diagnostizieren ließe oder ob die KI vielleicht ein täglicher Freund und Begleiter (Companion) sein könnte. Klar wird, dass es bei den Antworten nicht darum geht, wie fortgeschritten die Technologie ist, sondern um Psychologie. Und das lässt sich natürlich auch in den betrieblichen Alltag übertragen, wenn es um die Einführung von KI unterstützten Systemen in verschiedenen Ländern geht.

Leider scheint es aber nach den präsentierten Zahlen (noch) eine Geschichte von Misserfolgen zu sein. 80% der KI-Projekte in Unternehmen scheitern und liefern am Ende keinen geschäftlichen Mehrwert. Das ist immerhin doppelt so viel wie die noch immer erstaunlich hohe Rate von Misserfolgen bei Standard-IT-Projekten. Nicht wenige Unternehmen (nämlich 42 % in 2025), so der Referent, sollen daher einen wesentlichen Teil ihrer KI-Initiativen eingestellt haben. Und Grund ist am Ende nicht die Technologie, sondern der Mensch.

Ein entscheidender Faktor ist das Bestehen eines erheblichen Misstrauens gegenüber der KI-Nutzung, welches durchweg für verschiedene mögliche Rollen der KI besteht. Am Ende geht es also darum das Vertrauen der Menschen zu gewinnen, welches man in Rollen wie Begleiter oder Berater dadurch erzielt, dass der Mensch die Kontrolle über die KI behalten möchte. In Rollen wie Arzt oder Lehrer geht es darum, dass die KI das Vertrauen durch entsprechende Fähigkeiten gewinnt. Gerade die Kontrolle scheint hierbei ein zentraler Punkt zu sein.

Wenn man in diesem Kontext der aktuellen Medienberichterstattung folgt, scheinen aber selbst die großen KI-Konzerne und deren Repräsentanten etwas beunruhigt darüber zu sein, dass sich die KI auch sehr schnell der Kontrolle entziehen könnte und daher eine Verlangsamung der Entwicklungsgeschwindigkeit anmahnen. Denn sonst, so auch der erhellende Vortrag von Dr. Liebherr, könnte nicht nur die Kontrolle verloren gehen, sondern schnell auch das Vertrauen der Konsumenten und Unternehmen. Diese sollen aber nach den Geschäftsmodellen für die Vorteile der KI perspektivisch auch ordentlich bezahlen. Sonst rechnen sich die Investitionen nicht. Und jeder öffentlich gewordene Kontrollverlust bietet den Medien natürlich das Potenzial zum rufschädigenden Aufmacher.

Wer dachte, es geht im Nahen und Mittleren Osten kaum noch schlimmer, wurde eines Besseren belehrt. Nun sind auch die Huthi-Rebellen in den Konflikt eingestiegen und bedrohen im Jemen eine weitere wesentliche Transportroute für Öl und dessen Raffinate aus Saudi-Arabien. Eine zentrale Pipeline wurde bereits stark beschädigt. Das wirkt sich wiederum stark auf den Ölpreis aus und sorgt auch für einen massiven Anstieg der Diesel- und Benzinpreise. Das wiederum entzieht für eine breitere, wirtschaftliche Erholung dringend benötigte Kaufkraft von Konsumenten und Unternehmen.

Damit sinkt auch die Wahrscheinlichkeit für eine schnelle Lösung der von Israel und USA militärisch forcierten Krise. So handeln die Kapitalmärkte, mit Ausnahme des US-Dollars, wieder vermehrt nach der Devise „risk-off“. Die Industriemetalle haben in den letzten Tagen auf breiter Front nachgegeben und Nickel handelt, ohne weitere verbale oder tatsächliche Unterstützung aus Indonesien, bei rund USD 16.300,00 , nach dem zuvor schon Kurse von USD 16.000,00/mt, wie auch schon Anfang Juli 2026, erreicht wurden.

Zu Indonesien gibt es kurz vor Redaktionsschluss doch noch etwas Neues zu berichten. Am 4. Januar 2027 soll dort eine neue Rohstoffbörse namens ICOMEX starten, die von Beginn an auch Zinn und Ferronickel handelt. Der verantwortliche Regierungsvertreter Sarjito ließ in einem Parlamentshearing verlauten, dass er davon ausgehe, dass sich Indonesien über die Börse (und andere Maßnahmen) von einem Preis-Influencer zu einem Preis-Maker entwickeln wird.

Wenn der Druck nachlässt
Nachdem in der letzten Ausgabe Klimawandel und Niedrigwasser behandelt wurden und die stiefmütterliche Umsetzung von Resilienz-Maßnahmen durch die Regierung, soll es nun um ein weiteres Beispiel aus dieser Kategorie gehen. Leider müssen wir doch recht häufig den Finger in die Wunde legen. Aber offenbar ohne Schmerzen kein Fortschritt.

Das ifo-Institut hat vor kurzem eine interessante Studie zu den kritischen Rohstoffen mit dem Titel „Mapping the EU Landscape of Critical Raw Materials“ (Link: Mapping the EU Landscape of Critical Raw Materials | Client | ifo Institute ) veröffentlicht. Kritische Rohstoffe sind aktuell, auch wegen der geo- und zollpolitischen Auseinandersetzungen, wieder stark im Fokus. Dabei gab es diese Diskussion schon einmal vor vielen Jahren (rund um das Jahr 2010), nachdem die Preise für die sogenannten seltenen Erden und andere Rohstoffe vor dem Hintergrund der stark steigenden globalen Nachfrage (vor allem auch durch das Wachstum von China) explodiert waren. Oryx Stainless hatte deswegen seinerzeit eine Studie mit der TU Berlin zum Thema: „Key raw materials nickel, chrome and iron: Limited availability despite sufficient geological reserves?” initiiert, begleitet und finanziert. Die entsprechenden Forschungsergebnisse aus dem Jahr 2012 finden sich auf der Website wie folgt: Künftige Verfügbarkeit von Chrom und Edelstahlschrott kritischer als Rohöl – Oryx

Was im Zusammenhang mit der Studie des ifo-Instituts sehr interessant ist, ist das Chrom als sehr kritischer Rohstoff dort und auch in anderen einschlägigen Publikationen gar nicht wirklich vorkommt, obwohl gerade das Vorkommen von Chromerzen in sehr wenigen Ländern konzentriert ist. Dabei hat Chrom eine wesentliche industrielle Bedeutung.

Darüber hinaus gab es auch schon einen entsprechenden Richtlinien-Ausschuss beim renommierten Verband der Deutschen Ingenieure (VDI), der bis 2018 eine entsprechende VDI-Richtlinie zur Bewertung der Rohstoffkritikalität – VDI 4800 Blatt 2 erarbeitet hat, welche auch zahlreiche Hinweise und konkrete Indikatoren für die Unternehmen zur Prüfung der Abhängigkeiten und Maßnahmen zur Erhöhung der Resilienz enthielt. Offensichtlich war aber alles nur Makulatur. Denn leider haben die Politik und vor allem auch die Unternehmen selbst seinerzeit schnell wieder das Interesse verloren, als die grundsätzlich volatilen Rohstoffpreise wieder in den Sinkflug gingen. Der Druck war weg und alles ging – wider besseren Wissens – weiter wie bisher.

Leider, denn die Atempause für entsprechende Anpassungen ist verloren und der Druck heute höher denn je, wie die ifo-Studie zeigt. Grundsätzlich müsste man vielleicht an einem solchen Beispiel einmal untersuchen und transparent machen, aus welchen Gründen ein so „heißes“ Thema wieder beerdigt wurde, anstatt tätig zu werden. Vielleicht kann man diese Fehler jetzt vermeiden, auch wenn die Verfügbarkeit wieder steigen sollte und sich Preise und Abhängigkeiten vorübergehend wieder reduzieren.

Batterierohstoffe: Nachfrage wächst weiter, aber nicht mehr überall
Nach einer der schwersten Korrekturen der vergangenen Jahre hatten die Märkte für Batteriemetalle auch wieder Anzeichen einer Erholung gezeigt. Die Preise für Lithium, Nickel und Kobalt haben sich von ihren Tiefständen der Jahre 2024 und 2025 deutlich gelöst. Anders als in früheren Aufschwungphasen wird die Entwicklung derzeit jedoch weniger von einer boomenden Nachfrage als vielmehr von Angebotsbeschränkungen geprägt.

Insbesondere staatliche Eingriffe spielen eine zentrale Rolle. Die Demokratische Republik Kongo, weltweit wichtigster Kobaltproduzent, begrenzt seit Anfang 2025 ihre Exporte. Indonesien, das den globalen Nickelmarkt maßgeblich beeinflusst, versucht die Produktion über Förderquoten zu steuern. Auch am Lithiummarkt haben Produktionskürzungen sowie die zeitweise Aussetzung des großen Jianxiawo-Lithiumprojekts in China zur Stabilisierung beigetragen.

Die Nachfrageentwicklung bleibt dennoch der entscheidende Faktor für die mittelfristige Preisrichtung. Ein Blick auf die Entwicklung der Lithium-Ionen-Batterien zeigt, dass der langfristige Wachstumstrend weiterhin intakt ist. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) lag der weltweite Einsatz von Lithium-Ionen-Batterien im Jahr 2025 rund sechsmal höher als noch 2020. Rund 70 Prozent dieser Nachfrage entfielen auf Elektrofahrzeuge.

Allerdings hatte sich das Wachstum des E-Auto-Marktes deutlich abgeschwächt. Bei nachhaltig hohen Diesel- und Benzinpreisen könnte sich das möglicherweise ändern. Während die weltweiten Verkaufszahlen von Elektrofahrzeugen 2025 noch um 20 Prozent zulegten, betrug das Wachstum in den ersten fünf Monaten des Jahres 2026 lediglich 0,9 Prozent. Besonders schwach entwickelten sich Nordamerika mit einem Rückgang von 25 Prozent sowie China mit einem Minus von 15 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Europa hingegen verzeichnete ein Wachstum von 26 Prozent, während die übrigen Weltregionen sogar um 89 Prozent zulegten. Treiber dieser Entwicklung sind insbesondere steigende Exporte chinesischer Hersteller in andere asiatische Märkte.

Gleichzeitig entsteht mit stationären Batteriespeichern ein zweiter bedeutender Nachfragetreiber für Lithium. Die weltweit installierte Speicherkapazität hat sich innerhalb von fünf Jahren mehr als verzwanzigfacht. Bereits 15 Prozent der weltweiten Batterienachfrage entfielen 2025 auf Netz- und Energiespeicher. Vor allem der Ausbau erneuerbarer Energien erhöht den Bedarf an Speichersystemen zur Stabilisierung der Stromnetze.

Von diesem Trend profitiert jedoch nicht jede Batterierohstoffgruppe gleichermaßen. Die dominierende Batterietechnologie bei stationären Speichern sowie zunehmend auch im Fahrzeugbereich ist Lithium-Eisenphosphat (LFP). Diese Technologie kommt ohne Nickel und Kobalt aus und erreicht laut IEA inzwischen einen Marktanteil von rund 50 Prozent. Während Lithium daher von mehreren Wachstumstreibern profitiert, stehen die Perspektiven für Nickel und Kobalt stärker unter Druck.

Für die Rohstoffmärkte bedeutet dies eine neue Realität: Die Nachfrage nach Batteriematerialien wächst zwar weiter, jedoch deutlich differenzierter als noch vor wenigen Jahren erwartet. Hinzu kommt, dass steigende Rohstoffpreise die Kosten für Batterien erhöhen und damit selbst zum Hemmnis für weiteres Nachfragewachstum werden können. Ein neuer Rohstoffboom wie zu Beginn des Jahrzehnts erscheint daher derzeit wenig wahrscheinlich – auch wenn die Bedeutung von Batteriemetallen für die Energiewende ungebrochen bleibt.

LME (London Metal Exchange)

LME Official Close (3 Monate)
17. September 2026
  Nickel (Ni) Kupfer (Cu) Aluminium (Al)  
Official Close
3 Mon.Ask
16.370,00
USD/mt
14.409,00
USD/mt
3.285,00
USD/mt
 
LME Bestände in mt
  17. August 2026 17. September 2026 Delta in mt Delta in %
Nickel (Ni) 264.762 278.790 + 14.028 + 5,30 %
Kupfer (Cu) 207.825 255.900 + 48.075 + 23,13 %
Aluminium (Al) 246.925 242.600 – 4.325 – 1,75 %

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