Ein neuer Krieg ist ausgebrochen. Der Ölmarkt reagiert. Man ist um Schadensbegrenzung bemüht. Ein Masterplan ist nicht zu erkennen. Vielleicht bringt das Ende des Fastenmonats die Wende. Und dann?

US-Dollar ist wieder als „Sicherer Hafen“ gefragt. Allen Unkenrufen zum Trotz. Nickel ist fundamental gut unterstützt. Die indirekten Effekte eines Dauerkonflikts würden aber die Weltwirtschaft treffen.

CBAM kann zum Game-Changer werden. Für definierte Importe sind für 2026 erstmals Klimazölle zu bezahlen. Die Schaffung eines fairen Wettbewerbs hinsichtlich Emissionen ist sinnvoll.

Nicht nur Emissionen sind ein Umweltproblem. Manche Minen in Indonesien sind ohne die notwendigen Lizenzen tätig. Davor verschließen die Verbraucher aber gerne die Augen oder sind schlecht informiert.

Konsistentes Handeln sieht anders aus
Nachdem für die Industrie und den Stahl- und Edelstahlsektor sehr dürftigen Jahr 2025 – man kann es durchaus als eines der herausforderndsten in den letzten 25 Jahren bezeichnen – standen die Zeichen zum Jahresbeginn auf Erholung. Seit dem 28. Februar 2026 ist allerdings die Frage berechtigt, ob die zuletzt deutlich verbesserten Einkaufmanagerindizes, vor dem Hintergrund des Beginns der Bombardierungen des Iran durch die USA und Israel sowie die entsprechenden Gegenschläge auf viele Länder der Region, unbeeindruckt von den Ereignissen bleiben werden.

Prinzipiell ist die weltwirtschaftliche Bedeutung des Nahen Ostens eher überschaubar und damit der direkte ökonomische Einfluss vermutlich beschränkt. Dennoch richtet sich der Blick der volkswirtschaftlichen Analysten intensiv auf diese Region, da es einige Rohstoffe gibt, allen voran Erdöl, aber auch zum Beispiel Schwefel, die indirekt über die Verknappung, steigende Preise oder gestörte Lieferwege doch einen Einfluss auf die künftige Entwicklung der Weltwirtschaft nehmen könnten.

Das Herunterspielen der Situation durch den amerikanischen Präsidenten, die USA würden als größter Ölproduzent der Erde eine Menge Geld durch die steigenden Preise machen, geht doch eher an der Sache vorbei. Auch profitiert nicht nur die USA, sondern zum Beispiel auch der große Widersacher Russland. Und den Bürgerinnen und Bürgern, die an deutschen Tankstellen teilweise über Euro 2,00 für den Liter Superbenzin RON 95 bezahlen müssen (gegenüber knapp über Euro 1,60 pro Liter zum Jahresende 2025), ist mit den Extragewinnen der großen Ölkonzerne, Raffinerien und Tankstellenbetreiber nicht geholfen. Den privaten Verbrauchern fehlt das Geld im Portemonnaie und Kaufkraft geht verloren.

So ist denn zunächst eine Konsumzurückhaltung der privaten Haushalte die größte Befürchtung der Ökonomen und der bange Blick ist daher auf den Ölpreis gerichtet. Die Sorte Brent jedenfalls hat sich in kürzester Zeit von rund USD 60 pro Barrel auf bis über USD 110 pro Barrel katapultiert. Auch die Tatsache, dass man nun seitens der USA und deren Partner sichtbar um Schadenbegrenzung bemüht ist, zeigt, dass es sich wohl nicht nur um eine Lappalie handelt.

So sollen die Förderquoten anderer Produzentenländer wie zum Beispiel von Saudi-Arabien erhöht werden, um das Angebot auszuweiten. Ferner denken die USA über die Eskortierung von Tankern durch die logistisch für die Öllieferungen enorm wichtige Straße von Hormus nach, die der Iran möglicherweise vermint hat sowie als starkes Druckmittel gegen die militärischen Gegner einsetzt. Und nicht zuletzt spricht es Bände, wenn die US-Administration es nun amerikanischen Unternehmen für eine gewissen Zeit erlaubt, russisches Öl zu kaufen. Vor kurzem wurden Tanker der sogenannten Schattenflotte Russlands noch durch das amerikanische Militär an die Kette gelegt, um Umgehungen der Sanktionen zu unterbinden.

Nicht nur der ukrainische Präsident Selenskyj musste sich vermutlich dreimal kneifen, bevor er der Veröffentlichung der neuen Regelung, die faktisch die bestehenden Sanktionen aushebelt, Glauben schenken konnte. Bei aller hilfreichen Disruption, die die weltweiten Regierungen und vor allem die der Wohlstandsländer aus dem Tiefschlaf und ihrer Lethargie geholt hat, sieht planvolles und konsistentes Handeln anders aus.

US-Dollar ist nicht tot
Aber noch eine andere Lektion war durch den Ausbruch des Krieges zu lernen. Hatten die Medien den USA unter der Trump-Administration durch das so beabsichtigte, unberechenbare Verhalten eine erhebliche Zerstörung des Vertrauens in die internationalen Finanzmärkte bescheinigt und auch die Stellung des US-Dollars als Reservewährung und „Safe Haven“ in Frage gestellt, darf man beruhigt feststellen, dass der US-Dollar eben nicht tot ist, sondern sich seit Ausbruch der Krise gegenüber fast allen Währungen befestigt hat. Die Marktteilnehmer beurteilen die USA offensichtlich nicht nur nach der derzeitigen Episode mit Donald Trump, sondern sind auch weiterhin von der Funktionsfähigkeit des Landes mit Checks und Balances überzeugt. Ohne Frage ist es aber aktuell anders als in der Vergangenheit. Eine Rolle spielt sicher auch, dass es aktuell keine andere, ausreichend bedeutende und liquide Währung gibt, die sich als alternativer „Sicherer Hafen“ eignen würde. Und Gold alleine, welches keine laufenden Erträge erzielt, ist auch keine Option.
Das ändert nichts an der schleichenden Verschiebung der Bedeutung von USA und Europa zugunsten von Asien, die auch mit der fortschreitenden Änderung der weltwirtschaftlichen (und militärischen) Gewichte zu Gunsten von Asien zusammenhängt. Aufgrund der hohen Wachstumsdynamik in den neuen Tigerstaaten und China ist dies nur eine Frage der Zeit.

Der Nickelpreis an der London Metal Exchange (LME) bleibt von alldem bisher relativ unbeeindruckt, von reflexartigen „Risk-off“-Reaktionen in den ersten Tagen nach Ausbruch eines weiteren Krieges einmal abgesehen. Zum Redaktionsschluss lag der Kurs des Dreimonats-Futures bei USD 17.300/mt und damit über dem Durchschnittskurs im Februar 2026 von USD 17.133/mt. Mittelfristig sind die Notierungen aber aus verschiedenen Gründen und fundamental gut unterstützt, wie man auch in dem nachfolgenden Absatz lesen kann. Die Prognoseunsicherheit liegt vermutlich sogar auf der Oberseite.

Es sei denn, der Krieg würde sich zu einem Dauerkonflikt für die Region mit entsprechenden direkten und vor allem indirekten Auswirkungen auf die Weltwirtschaft ausweiten. Von daher bleibt zu hoffen, dass das Leiden für die betroffene Zivilbevölkerung, in diesem Konflikt, aber auch in den anderen Kriegen, bald ein Ende hat. Manch langjährige Beobachter der politischen Situation im Iran, könnte sich einen Sturz der gegenwärtigen Regierung ab Samstag, dem 21. März 2026 zum Ende des islamischen Fastenmonats Eid al-Fitr beziehungsweise Hari Raya vorstellen.

Schon in der Vergangenheit war es an diesem Tag zu Unruhen gekommen, die nun auf eine deutlich geschwächte Regierung treffen, mit einem religiösen Führer, der bislang eher als ein Phantom beziehungsweise nicht in Erscheinung getreten ist. Einen echten, internationalen Plan, wie es nach einem Umsturz weitergehen soll, scheint es bislang aber auch nicht zu geben.

Klimazoll wirft auch bei Edelstahl seine Schatten voraus
Bereits im Jahr 2023 hat die Europäische Kommission das CO2-Grenzausgleichssystem (Carbon Border Adjustment Mechanism) auf den Weg gebracht. Es ist ein Klimainstrument und verpflichtet Importeure bestimmter energieintensiver Waren zur Zahlung einer Abgabe, um faire Wettbewerbsbedingungen zu schaffen. Europäische Unternehmen unterliegen dem EU-ETS – dem Europäischen Emissionshandel. Der EU-ETS funktioniert nach dem Prinzip des sogenannten „Cap and Trade“. Eine Obergrenze (Cap) legt fest, wie viele Treibhausgas-Emissionen von den emissionshandelspflichtigen Anlagen insgesamt ausgestoßen werden dürfen. Die Mitgliedstaaten geben eine entsprechende Menge an Emissionsberechtigungen an die Anlagen aus – teilweise kostenlos, teilweise über Versteigerungen. Eine Berechtigung erlaubt den Ausstoß einer Tonne Kohlendioxid-Äquivalent (CO2-Äq). Die Emissionsberechtigungen können auf dem Markt frei gehandelt werden (Trade). Hierdurch bildet sich ein Preis für den Ausstoß von Treibhausgasen. Dieser Preis setzt Anreize bei den beteiligten Unternehmen ihre Treibhausgas-Emissionen zu reduzieren.

Zu Beginn des Jahres 2026 ist CBAM nunmehr auch in der Praxis angekommen und effektiv, das heißt, nicht nur mit Berichtspflichten und Datensammlungen, sondern mit der Zahlungsverpflichtung von Klimazöllen, in Kraft getreten. CBAM zielt derzeit v.a. auf Grundmaterialien wie Aluminium, Zement, Elektrizität und Stahl ab. Importeure zahlen einen CO2-Preis für Emissionen, die an diese Waren gebunden sind, analog zu in der EU hergestellten Materialien, die dem EU-ETS unterliegen. Für die Edelstahlindustrie sind vor allem Rohstoffe wie z.B. FeCr, FeNi aber auch das aufgrund seiner schlechten Umweltbilanz in der Kritik stehende NPI (Nickel Pig Iron) betroffen, aber auch Zwischen- und Fertigprodukte wie Brammen und Coils. Im Ergebnis verteuern sich diese Produkte und der jeweilige Importeur muss für die entstehende CBAM-Belastung eine entsprechende Rückstellung bilden und bei Fälligkeit bezahlen.

Wiederkehr der Fonds sorgt für Renaissance
Die London Metal Exchange (LME) erlebt derzeit ein bemerkenswertes Revival. Nach der Vertrauenskrise infolge des Nickel-Debakels im Jahr 2022, das die traditionsreiche Börse zeitweise an den Rand der Bedeutungslosigkeit brachte, verzeichnete sie in 2025 Rekordhandelsvolumina. Besonders im vierten Quartal kam es zu einem deutlichen Zufluss spekulativen Kapitals, die den Handel mit Industriemetallen auf ein neues Niveau hob (vgl. hierzu auch das vorstehende Kapitel).

Ein zentraler Treiber dieser Entwicklung ist auch die zunehmende Unsicherheit auf den physischen Metallmärkten, ausgelöst durch die handelspolitischen Maßnahmen der US-Regierung unter Donald Trump. Importzölle – bereits umgesetzt bei Aluminium und angedroht bei Kupfer – haben globale Lieferketten durcheinandergebracht und massive Arbitragebewegungen ausgelöst. Kupfer wird weiterhin aus anderen Weltregionen in die USA umgeleitet, da Marktteilnehmer erneut auf mögliche Strafzölle auf raffiniertes Kupfer wetten. Eine Entscheidung dazu wird für Juni 2026 erwartet.

Diese Gemengelage hat insbesondere auch den Kupferhandel an der LME befeuert. Die durchschnittlichen Tagesumsätze stiegen 2025 im Jahresvergleich um 12 %. Gleichzeitig verlor der wichtigste US-Kupferkontrakt an der CME Group deutlich an Attraktivität: Die extremen Preisschwankungen zwischen London und den USA führten zu einem Rückgang der Handelsaktivität um 33 %. Teilweise kompensiert wurde dies jedoch durch eine starke Zunahme bei bestimmten Aluminiumkontrakten, die von den höheren US-Zöllen profitierten.

Der eigentliche Wendepunkt für die LME war jedoch die Rückkehr institutioneller Investoren. Seit September strömen Fonds wieder massiv in den Basismetallkomplex. Neben dem Überschwappen der Euphorie aus dem Edelmetallsektor spielten auch neue Rekordstände bei Kupfer sowie kräftige Preisanstiege bei fast allen anderen LME-Metallen eine Rolle. Im vierten Quartal erreichten die Handelsvolumina bei Kupfer und Zinn die höchsten Werte seit über einem Jahrzehnt, während Nickel das stärkste Jahr seit 2019 verzeichnete – ein klares Signal für das wiedergewonnene Vertrauen in den Londoner Markt.

Die spekulative Begeisterung blieb nicht auf den Westen beschränkt. In China kam es im Dezember auch zu einem regelrechten Handelsrausch an der SHFE. Nach einem zunächst schwachen Jahresverlauf explodierten die Umsätze: Aluminium und Nickel erreichten Mehrjahreshochs, Kupfer so viel Aktivität wie zuletzt 2015. Besonders auffällig war Zinn, bei dem allein im Dezember neun Millionen Tonnen gehandelt wurden. Die staatlich unterstützte China Nonferrous Metals Industry Association (CNIA) warnte zwar vor einer „irrationalen“ Preisrallye – doch die Märkte zeigten sich unbeeindruckt.

Auch in den USA nimmt die spekulative Aktivität zu, allerdings vor allem in kleinere, auf Privatanleger ausgerichtete Kupferprodukte an der CME. Das sollte zur Vorsicht mahnen. Der Micro-Kupfer-Kontrakt verzeichnete 2025 ein Volumenplus von 20 % gegenüber dem Vorjahr. Zudem erreichten die 2022 eingeführten Kupfer-Event-Optionen im Dezember ein höheres Handelsvolumen als im gesamten Jahr 2024 und dienen als Zugangsinstrumente für Investoren, die bisher vor allem im Edelmetallbereich aktiv waren.

Landesweite Überprüfung: Indonesien stoppt Dutzende Kohle- und Nickelminen
Im Oktober hatten wir über das Milliardenprojekt des indonesischen Staatsfonds Danantara im Nickelbereich berichtet – verbunden mit einer zunehmend strengeren staatlichen Kontrolle über den Rohstoffsektor. Diese Linie setzt die Regierung nun mit konkreten Maßnahmen im Umweltbereich fort.

Das indonesische Umweltministerium hat 36 Bergbauunternehmen angewiesen, ihre Aktivitäten umgehend einzustellen. Hintergrund ist die Aussetzung ihrer Umweltgenehmigungen aufgrund fehlender Abwasser-Einleitungsgenehmigungen. Ohne diese zentralen Nachweise dürfen die betroffenen Firmen – überwiegend aus dem Kohle- und Nickelbergbau – keine operativen Tätigkeiten durchführen.

Umweltminister Hanif Faisol Nurofiq erklärte, dass mehrere Unternehmen die verbindlichen Umweltstandards, insbesondere im Bereich des Abwassermanagements, nicht erfüllt hätten. Das Ministerium leitete zudem gegen rund 30 Firmen zivilrechtliche Schritte ein und fordert Schadenersatz in Höhe von insgesamt 5 bis 6 Billionen indonesischen Rupiah (rund 297 bis 356 Millionen US-Dollar). Die Vorwürfe betreffen Umweltschäden infolge unzureichender oder nicht genehmigter Abwasserentsorgung.

Parallel dazu griff auch die Forest Area Enforcement Task Force ein: In Palu wurde eine Goldminen-Konzession versiegelt, nachdem mutmaßlich unerlaubte Rodungen innerhalb des Konzessionsgebiets festgestellt worden waren. Betreiber ist PT. Citra Palu Minerals. Das Unternehmen bestätigte die Schließung des Standorts, wies jedoch eine Verantwortung für die Abholzungen zurück. Nach Angaben des Ministers liegt die Konzession oberhalb der Stadt Palu, weshalb fortgesetzte Aktivitäten erhebliche Umwelt- und potenzielle Katastrophenrisiken bergen könnten. Eine umfassende Umweltprüfung soll nun mögliche Gefahren und erforderliche Gegenmaßnahmen bewerten.

Die aktuellen Schritte sind Teil einer breiter angelegten nationalen Überprüfung des Rohstoffsektors. Bislang wurden rund 250 Unternehmen in 14 Provinzen im Rahmen des staatlichen Aufsichtsprogramms einer Umweltbewertung unterzogen.

 

LME (London Metal Exchange)

LME Official Close (3 Monate)
16. März 2026
  Nickel (Ni) Kupfer (Cu) Aluminium (Al)  
Official Close
3 Mon.Ask
17.335,00
USD/mt
12.842,00
USD/mt
3.417,00
USD/mt
 
LME Bestände in mt
  13. Februar 2026 16. März 2026 Delta in mt Delta in %
Nickel (Ni) 287.088 283.914 – 3.174 – 1,11 %
Kupfer (Cu) 203.875 311.600 + 107.725 + 52,84 %
Aluminium (Al) 481.550 442.825 – 38.725 – 8,04 %

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