LME-Nickelmarkt seit Weihnachtstagen wie ausgewechselt. Nach langer Durststrecke, gibt es wieder Phantasie. Allerdings ist man sich hinsichtlich der Erfüllung der geänderten Erwartungen uneinig.

Industriemetalle positiver. Allen voran Kupfer. Energiewende und Künstliche Intelligenz (KI) treiben die Nachfrage. Venezuela hat nicht nur Öl, sondern auch andere Rohstoffe. Woran es fehlt, sind Reformen.

Auch Indien sichert sich gegen das globale Überangebot an Stahl. Maßnahmen aus April 2025 werden deutlich ausgeweitet. Wie anderswo belasten vor allem hohe Exportmengen aus China.

Dekarbonisierung der Bergbauindustrie nicht nur moralische oder regulatorische Verpflichtung, sondern Erfolgsfaktor. Staaten nehmen Einfluss. Ziel: Abhängigkeiten reduzieren und kritische Rohstoffe sichern.

Nickelmarkt ,,wachgeküsst”
Der Nickelkontrakt an der London Metal Exchange (LME) führte seit geraumer Zeit ein Schattendasein. Er war mehr oder weniger gänzlich aus dem Fokus der Investoren verschwunden. Nachdem die Preise im Jahr 2025 zunächst nur eine Richtung kannten, nämlich nach unten, wurde von Mai bis Oktober eine relativ stabile Phase eingeleitet. Nickel oszillierte in einem engen Band zwischen USD 14.800,00/mt und USD 15.600,00/mt. Ab November ging es dann noch einmal weiter abwärts, auf einen Tiefststand von rund 14.250,00 USD/mt; allerdings mit einem kurzen Zwischenhoch bei knapp unter USD 15.000,00/mt.

Doch seit Ende Dezember ist alles anders. Es ist, als hätte jemand dem Nickelmarkt neues Leben eingehaucht. Und US-Präsident Donald Trump war es ausnahmsweise einmal nicht. Was war geschehen?

Über Weihnachten und zum Jahresende 2025 verzeichneten die Nickelpreise an der Londoner Börse einen steilen Anstieg, der sich dann im neuen Jahr 2026 sogar noch beschleunigte. Lag die Notierung am 17. Dezember 2026 noch bei USD 14.255,00/mt für den Drei-Monats-Futures, konnte am 7. Januar 2026 mit USD 18.800,00/mt der höchste Stand seit Anfang Juni 2024 erreicht werden. Immerhin eine Steigerung um rund 32 % in wenigen Tagen.

Zu schnell zu viel, könnte man meinen. So stand zunächst die Befürchtung im Raum, es könnte sich abermals um einen wesentlichen Squeeze handeln. Ein (Short) Squeeze beschreibt ein außergewöhnliches Marktphänomen, bei dem der Kurs einer Aktie oder eines anderen börsengehandelten Werts sprunghaft ansteigt, weil Anleger, die zuvor auf fallende Kurse gesetzt haben (Shortseller), gezwungen sind, ihre Positionen zur Verlustminimierung zu schließen. Das ist aber derzeit nicht die wahrscheinlichste Erklärung.

Börsen handeln Erwartungen und keine Fakten. Und die Einschätzung hinsichtlich des Angebotsüberhangs bei Nickel hat sich offensichtlich, mindestens bei einem Teil der Marktteilnehmer, deutlich geändert. In diesem Zusammenhang ist es erheblich, dass Indonesien der mit Abstand größte Nickelproduzent weltweit ist. Das Land verantwortet inzwischen rund 70 % der weltweiten Nickelproduktion und prägt damit maßgeblich das globale Marktgleichgewicht.

Hintergrund des Anstiegs waren daher mutmaßlich Äußerungen der indonesischen Regierung, dass die Lizenzen für die Nickelproduktion in Indonesien erheblich eingeschränkt würden. Hinzu kam die konkrete Nachricht, dass der Nickelproduzent PT Vale Indonesia die Bergbauaktivitäten wegen verzögerter Genehmigungen für 2026 stoppen musste.

Diese Situation zog schnell zahlreiche Investoren an, die spekulierten, dass die Nickelpreise wegen der zu erwartenden Verknappung deutlich steigen würden. Sie kauften also massiv Nickel-Futures an der LME und lösten damit tatsächlich den erwarteten Preisanstieg aus. Und das entsprechende Reporting der LME für diesen Zeitraum zeigt auch eine deutliche Zunahme von Kaufpositionen (auch „Longpositionen“ genannt) durch spekulative Marktteilnehmer, welche um 50 % gegenüber der Vorwoche zugenommen hatten.

Ein Teil dieser Positionen wurde inzwischen aber wieder zur Gewinnmitnahme geschlossen, denn schon am 8. Januar 2026, berichteten Medien, wie beispielsweise Reuters, dass der indonesische Minenminister zwar konkrete Quoten für den Kohlebergbau in 2026 angekündigt hätte, bezüglich Nickel jedoch keine weiteren Details bekannt gegeben wurden. Vielmehr blieb man in den Kommentaren sehr vage. Man würde derzeit die Quoten für 2026 kalkulieren und diese am Bedarf der heimischen Schmelzwerke orientieren. Konkrete Zahlen für das laufende Jahr wurden nicht genannt.

Ganz im Sinn der Devise „Buy the rumor, sell the fact“ (Kaufe das Gerücht und verkaufe die Fakten) war dies eine herbe Enttäuschung für die Spekulanten – diese hatten mehr Informationen über das Ausmaß der Beschränkungen erwartet. Und bei einer entsprechenden Bestätigung hätte sich die Preisrally auch vermutlich fortgesetzt. Aber so verkauften nicht wenige ihre spekulativen Positionen wieder und versuchten die über den Kursanstieg erzielten Gewinne zu realisieren. Das führte zu einem ebenso schnellen Preisverfall wie der Preisanstieg zuvor. Der Markt korrigierte auf USD 16.835,00/mt.

Warum reagierten die Investoren so skeptisch? Bereits in den letzten Jahren hatte die indonesische Regierung wiederholt Aussagen zu Beschränkungen der Nickelproduktion gemacht, die jedoch nie ernsthaft umgesetzt wurden. Der Markt ist daher nun sehr vorsichtig und schenkt diesen Aussagen keinen uneingeschränkten Glauben mehr. Ohne eine deutliche Reduzierung der defizitären Nickelproduktion in Indonesien, dem weltweit größten Nickel-Lieferanten, bleibt der Primärnickelmarkt aber deutlich überversorgt. Das erhält einen Druck auf die Preise aufrecht.

Andererseits verfügt Indonesien über direkte Steuerungsinstrumente, insbesondere über die Vergabe von Förderquoten (RKABs), mit denen sich das Angebot kurzfristig begrenzen lässt. Bei Redaktionsschluss handelt Nickel bei USD 17.800,00/mt.

Kupfer im Aufwind: Energiewende und KI treiben strukturelle Nachfrage
Nicht nur Nickel, sondern die globalen Industriemetallmärkte insgesamt sind mit erheblicher Dynamik ins neue Jahr gestartet. Kupfer steht dabei aber besonders im Fokus: Das Metall profitiert von einer Kombination aus langfristigen Nachfrageimpulsen, zunehmender Angebotsdisziplin und starken Kapitalzuflüssen. Trotz teils verhaltener Konjunktursignale markieren die Preise neue Mehrjahres- beziehungsweise Rekordstände. Kupfer hat seine Rally zuletzt weiter beschleunigt und erstmals die Marke von 13.000 US-Dollar je Tonne überschritten. Seit Jahresbeginn summiert sich der Preisanstieg auf deutlich über 35 % – der stärkste Jahresauftakt seit der Finanzkrise 2009.

Getrieben wird der Markt vor allem durch die stark wachsende Nachfrage aus strukturellen Zukunftsbereichen. Der Ausbau von Rechenzentren für Künstliche Intelligenz erfordert enorme Mengen an Strom und leistungsfähigen Netzen. Kupfer ist dabei aufgrund seiner außergewöhnlichen elektrischen Leitfähigkeit unverzichtbar – sowohl für Stromnetze, Transformatoren und Verkabelung als auch für Elektromobilität und Ladeinfrastruktur. Hinzu kommen Investitionen in erneuerbare Energien wie Wind- und Solarkraft, die ebenfalls kupferintensiv sind.

Parallel bleibt die Angebotsseite angespannt. Minenstörungen, Unfälle sowie Projektverzögerungen begrenzen das Produktionswachstum. Mehrere große Produzenten haben ihre Förderziele zuletzt gesenkt oder Investitionen verschoben, was die strukturelle Knappheit weiter verschärft. Analysten rechnen daher sowohl für dieses als auch für das kommende Jahr mit deutlichen Angebotsdefiziten. Man darf auch vermuten, dass nicht zuletzt vor dem Hintergrund des hohen Bedarfs an Kupfer, die Gespräche über eine Megafusion zwischen Glencore und Rio Tinto, zwei der größten Player im Kupfermarkt, wieder aufgenommen wurden.

Zusätzlich sorgen handelspolitische Faktoren für Verzerrungen im physischen Markt. Erwartete US-Importzölle haben große Kupfermengen in die Vereinigten Staaten gezogen. Die Bestände in COMEX (Commodity Exchange)-Lagerhäusern sind stark gestiegen, während sich die Lager in Europa und Asien spürbar leeren. Außerhalb der USA wirkt der Markt dadurch zunehmend angespannt, was die Preisentwicklung weiter unterstützt.

Blick nach Venezuela: Rohstoffreich, aber strukturell blockiert
In der aktuellen geopolitischen Lage rückt Venezuela wieder verstärkt in den Fokus internationaler Rohstoffmärkte. Neben seinen riesigen Ölreserven verfügt das Land über bedeutende Vorkommen an Bauxit, Gold, Industriediamanten sowie Coltan – einem für Mobiltelefone, Laptops und andere Hightech-Anwendungen kritischen Mineral. Dennoch ist Venezuela derzeit weit davon entfernt, eine relevante Rolle im globalen Bergbau zu spielen.

Trotz des geologischen Potenzials leidet der venezolanische Rohstoffsektor unter einer Vielzahl struktureller Probleme. Dazu zählen fehlende und veraltete geologische Daten, ein Mangel an qualifizierten Fachkräften, unzureichende Infrastruktur, organisierte Kriminalität sowie ein hochgradig volatiles politisches Umfeld. Eine verlässliche nationale Rohstoffinventur existiert seit 1994 nicht mehr, was Exploration und Projektbewertung erheblich erschwert.

Der Niedergang des Bergbausektors lässt sich maßgeblich auf das Bergbaugesetz von 1999 zurückführen, das unter Präsident Hugo Chávez verabschiedet wurde. Die vollständige Zentralisierung der Mineralrechte und die Pflicht zur staatlichen Beteiligung an allen Projekten verdrängten private Investoren, was zu einem drastischen Rückgang von Exploration, Produktion und Investitionen führte.
Ein weiterer Wendepunkt war die Schaffung des sogenannten Arco Minero im Jahr 2016 unter Präsident Nicolás Maduro. Rund 12 % des Staatsgebietes im Süden Venezuelas wurden als Bergbauzone ausgewiesen. Heute gilt das Gebiet – etwa so groß wie Portugal – jedoch als Zentrum illegaler Aktivitäten, massiver Umweltzerstörung und krimineller Kontrolle. Der Staat hat dort faktisch die Hoheit verloren, was seriöse internationale Unternehmen abschreckt.

Eine Rückkehr Venezuelas als relevanter Anbieter kritischer Mineralien setzt daher tiefgreifende Reformen voraus: einen transparenteren Bergbaukodex, die Wiederherstellung von Rechtssicherheit, Investitionen in Exploration und Infrastruktur sowie eine konsequente Durchsetzung staatlicher Kontrolle in den Abbaugebieten.

Indien verlängert Schutzzölle auf Stahlimporte – Schutz vor globalem Überangebot
(Auch) Indien setzt weiter auf handelspolitische Schutzmaßnahmen im Stahlsektor und verlängert bestehende Importzölle um drei Jahre. Das Finanzministerium kündigte an, für ausgewählte Stahlprodukte künftig Abgaben zwischen 11 % und 12 % zu erheben. Die ursprünglich im April eingeführten Maßnahmen galten zunächst für 200 Tage und werden nun deutlich ausgeweitet.

Hintergrund ist das anhaltende globale Überangebot an Stahl, das die Preise auf Mehrjahrestiefs gedrückt hat. Besonders hohe Exportmengen aus China belasten zahlreiche Märkte weltweit. Auch in Indien führten die gestiegenen Zufuhren preisgünstiger Importe zu zunehmendem Druck auf lokale Produzenten. Große Hersteller wie JSW Steel mussten Margeneinbußen hinnehmen, während kleinere Stahlwerke aufgrund des Wettbewerbsumfelds ihre Produktion teilweise sogar einstellen mussten – trotz weiterhin stabiler Inlandsnachfrage.

Indiens Stahlindustrie ist in den vergangenen zehn Jahren stark gewachsen, bleibt im internationalen Vergleich jedoch deutlich kleiner als die chinesische. Produzenten setzen langfristig auf eine steigende Nachfrage durch die fortschreitende Urbanisierung und Industrialisierung. Die verlängerten Schutzzölle gelten daher als wichtiger Schritt, um der heimischen Industrie kurzfristig Luft zu verschaffen und die Investitionssicherheit zu erhöhen.
An den Märkten wurde die Entscheidung positiv aufgenommen. Aktien indischer Stahlhersteller legten zu: Staatliche und private Produzenten verzeichneten deutliche Kursgewinne, was die Bedeutung der Maßnahme für die Branche unterstreicht.

Bergbau im Wandel: Kritische Rohstoffe, Klimaziele und die Rückkehr des Staates
Die globale Bergbauindustrie steht an einem Wendepunkt – das zeigte im Schlussquartal des letzten Jahres die IMARC-Konferenz in Sydney, eines der weltweit größten Branchentreffen mit über 10.000 Teilnehmern. Drei Themen dominierten die Diskussionen: der Wettlauf um kritische Mineralien, die wirtschaftliche Dekarbonisierung und die wachsende Rolle der Regierungen in der Rohstoffpolitik.

Selten war der Andrang bei Projekten rund um seltene Erden, Lithium und andere strategische Rohstoffe so groß wie in diesem Jahr. Auf der Ausstellungsfläche präsentierten zahlreiche Junior-Explorer ihre Vorhaben, um Investoren zu gewinnen – ein deutliches Signal, wohin derzeit das Kapital fließt. Während vor fünf Jahren Gold und zuvor Batteriemetalle wie Kobalt oder Nickel im Mittelpunkt standen, drehte sich alles um kritische Rohstoffe, darunter einige Projekte im Bereich von seltenen Erden. Viele der gezeigten Projekte dürften in den kommenden Jahren zur Diversifizierung der Lieferketten beitragen und so die Abhängigkeit vom dominanten Produzenten China verringern.

Auch die Reduktion von Emissionen bleibt ein zentrales Thema – wenngleich pragmatischer als in den Vorjahren. Trotz politischer Gegenwinde, etwa durch den erneuten Machtgewinn von Donald Trump in den USA, setzen die meisten Unternehmen weiter auf klimafreundlichere Produktion. Der Fokus verschiebt sich jedoch zunehmend auf Effizienz: Dekarbonisierung gilt weniger als moralische Verpflichtung, sondern als Weg, Energiekosten zu senken. Dieser ökonomische Anreiz könnte die Umstellung langfristig sogar beschleunigen.

Ein weiteres Schlüsselthema war die zunehmende staatliche Einflussnahme. Symbolisch hierfür steht das jüngst geschlossene Abkommen zwischen Australien und den USA über Investitionen von bis zu 8,5 Milliarden US-Dollar in die Förderung und Verarbeitung kritischer Rohstoffe. Ziel ist es, die Lieferketten zu diversifizieren und die Abhängigkeit von China zu reduzieren. Doch der Aufbau alternativer Kapazitäten wird teuer – und westliche Regierungen müssen klären, wie viel ihnen strategische Unabhängigkeit wert ist. Auch hier kann die Circular Economy (Kreislaufwirtschaft) eine Lösung zur höheren Autarkie sein.

Bemerkenswert zudem: Die sonst üblichen Umweltproteste blieben aus – ein Indiz dafür, dass auch Klimaschützer zunehmend anerkennen, dass die Energiewende ohne Bergbau nicht möglich ist. Die Kritik richtet sich nun stärker gegen die Öl- und Gasindustrie, die zunehmend als Hauptverursacher von Emissionen im Fokus steht.

LME (London Metal Exchange)

LME Official Close (3 Monate)
13. Januar 2026
  Nickel (Ni) Kupfer (Cu) Aluminium (Al)  
Official Close
3 Mon.Ask
17.805,00
USD/mt
13.236,00
USD/mt
3.183,50
USD/mt
 
LME Bestände in mt
  15. Dezember 2025 13. Januar 2026 Delta in mt Delta in %
Nickel (Ni) 253.392 284.148 + 30.756 + 12,14 %
Kupfer (Cu) 165.875 141.550 – 24.325 – 14,67 %
Aluminium (Al) 519.600 494.000 – 25.600 – 4,93 %

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