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Trend bei Nickel weiter im grünen Bereich. Nachholbedarf sorgt für lange Lieferzeiten. Makrorisiken zuletzt gestiegen. Edelstahlproduzenten präsentieren strahlende Zahlen.

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Kauft der blaue Engel grünen Stahl? Reflektionen über Hüllen und Inhalte. Klare Definitionen sind unbedingt nötig. Farben vielleicht nicht die beste Alternative.

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Neuer Stahlschrottindex von Fastmarkets. Ergänzung zur bestehenden Indexfamilie. Monatliche Durchschnitte von mengengewichteten Verkaufsabschlüssen. Prohibitive Preispolitik verstörend.

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Tesla sichert sich Nickel für die Batterieproduktion. Aber nicht aus den geheimen Rohstoffreserven Chinas. Im gleichen Moment hübscht BHP seine Klimabilanz auf. Win-win also?

Nickeltrend kann sich weiterhin behaupten
Trotz einer gewissen Volatilität bleibt der positive Trend bei Nickel an der London Metal Exchange (LME) intakt. Das Hoch von knapp unter USD 20.000,00/mt Ende Juli konnte indes bisher nicht verteidigt werden. Nach einer Korrektur, die bis auf USD 18.600,00/mt führte, gab es eine erneute Aufwärtsbewegung um etwa USD 1.000,00/mt nach oben. Gegenwärtig handelt das Legierungs- und Batteriemetall wieder etwas leichter bei um USD 19.000,00/mt.

Auch wenn die allgemeinen, wirtschaftlichen Risiken zuletzt aufgrund der Pandemie, eines schwächeren Wachstums in China und der Causa Afghanistan eher wieder zugenommen haben, ist die Nachfrage nach Nickel durch einen offenbar ganz erheblichen Nachholbedarf und Logistikrestriktionen geprägt. Nicht nur Computerchips, auch Werk- und Baustoffe sind knapp. Die darauf beruhenden, aktuellen Lieferzeiten von zum Beispiel weißer Ware – wie Spülmaschinen, Waschmaschinen und Geschirrspülern – kannte man so vormals nur von bestimmten besonders gefragten Neuwagenmodellen. Dieses Marktumfeld spiegelt sich auch in den sehr gesunden Zahlen der Edelstahlproduzenten für das 1. und 2. Quartal 2021, ebenso wie für den Ausblick auf das laufende 3. Geschäftsquartal wider.

Staaten und Regierungen in Lieferverzug
Bisweilen könnte man in diesen Tagen meinen, die Welt würde von irgendwelchen übersinnlichen Mächten heimgesucht. In beinahe trauriger Regelmäßigkeit berichten die Medien von Starkregen und Überschwemmungen, Rekordhitze und Waldbränden, zuletzt auch von Erdbeben und militärischen Entwicklungen sowie Evakuierungen in Afghanistan. Und das in einer Zeit, die ohnehin von einer großen weltumspannenden Pandemie geprägt ist. Dennoch sind die meisten dieser Umstände nicht zufällig oder in ihren Auswirkungen so überraschend und unbeherrschbar, wie es scheint.

Bei entsprechender Recherche durch Medien und Politik fällt auf, dass nicht selten Staaten, ihre Institutionen und Organe und auch einzelne Entscheidungsträger an die Grenzen ihrer Fähigkeiten und ihres Leistungsvermögens stoßen. Manchmal handelt es sich auch einfach um Führungs- oder Managementversagen, welches es logischerweise auch bei kleinen, mittleren und großen Unternehmen gibt. Auch ist gut gemeint nicht immer gut gemacht und man kann auch mit guten Absichten eine Menge Unheil anrichten. Das allsorgende und vorausschauende Gemeinwesen scheint mehr eine Wunschvorstellung der Menschen zu sein, die in der Regel, die Sicherheit der Unsicherheit vorziehen.

Wenn das Vorherstehende stimmt, kann man der gegenwärtigen Situation bei allem Übel allerdings auch etwas Positives abgewinnen. Denn wenn es tatsächlich etwas zu verbessern gibt, kann sich auch etwas verbessern. Und damit gibt es eine Perspektive. Die Potenziale müssen allerdings auch gehoben werden, aber darauf ist das menschliche Wesen eigentlich gepolt. Aber nun von vielleicht ein wenig viel Philosophie zurück zur Realität und konkreten Möglichkeiten der Einflussnahme für jeden Bürger. Die unter anderem in Deutschland bevorstehenden Wahlen könnten neue Impulse bringen. Jede Stimme ist wichtig und sollte genutzt werden.

Wieso eigentlich „grüner“ Stahl?
Es gibt kaum noch eine Zeitung oder Zeitschrift, die nicht über Grünen Stahl beziehungsweise Green Steel berichtet. Auch gibt es die EU und ihren Green Deal. Es hat sich offensichtlich eingebürgert, dass man die Farbe mit einer nachhaltigen Art und Weise (der Herstellung) assoziiert. Vielleicht hat sich das auch durch Grün als Farbe der Wälder, Pflanzen und Natur ergeben. Oder die in vielen Ländern inzwischen etablierten Parteien der sogenannten Grünen haben mit ihren Forderungen und Programmen zu dieser Assoziation beigetragen. Redewendungen, wie zum Beispiel „grün vor Neid“, die sicher keinen positiven Umstand beschreiben, zeigen, dass die grüne Farbe nicht immer nur positiv wahrgenommen wurde. Auch gibt es in Deutschland zum Beispiel seit 40 Jahren das Umweltlabel der Blaue Engel.

Nicht nur aus diesen Gründen sollten nun ernsthaft Wirtschaft, Policymaker und Zertifizierer darüber nachdenken, ob Sie dieses eher marketing- und worthülsenartige Label des Green Steels weiter nutzen und verbreiten wollen. Denn was sich dahinter verbirgt ist weder definiert noch irgendwie vorgeschrieben. An diesem Punkt kann und sollte natürlich so oder so gezielt gearbeitet werden, aber wieso bringt man nicht auch in der Begrifflichkeit auf den Punkt, um was es allen eigentlich geht: um Nachhaltigkeit, welche die Unterziele Umwelt, Soziales und Compliance oder neudeutsch ESG umfasst. Insofern sind oder würden Labels wie Sustainable Steel oder ein Sustainability Deal die Dinge wesentlich treffender umschreiben. Und wenn es nur darum ginge, die anderen Farben nicht zu diskriminieren. Was kann denn das Rot dafür, dass es rot ist?

Neuer transaktionsbasierter Stahlschrottindex von Fastmarkets
Wie der Nachrichten- und Preisdatendienst Fastmarkets/Metal Bulletin bekannt gab, wurde zum 2. August 2021 ein neuer transaktionsbasierter Stahlschrottindex eingeführt. In der vollen Bezeichnung heißt dieser MB-STE-0894 steel scrap, HMS 1&2 (80:20 mix), month-to-date deal-weighted average, North Europe origin, cfr Turkey, US$ per tonne. Dieser soll den bereits bestehenden täglichen Preisindex für Stahlschrottlieferungen der Qualität HMS 1&2 (80:20 mix) aus Nordeuropa in die Türkei ergänzen.

Der Unterschied zu dem schon existierenden Index besteht darin, dass in den neuen Index nur Preise von tatsächlich abgeschlossenen Transaktionen einfließen, während bei dem alten Index neben echten Abschlüssen auch Angebote und Einschätzungen der Marktteilnehmer berücksichtigt werden. Die jeweiligen Vertragspreise werden zur Berechnung des Durchschnitts mit den Mengen der Abschlüsse gewichtet. Mit jedem Tag, an dem es gemeldete Transaktionen gibt, ändert sich der Durchschnittswert entsprechend. Zum Monatsanfang beginnt jeweils eine neue Berechnung. Zu der Frage, wie viele Unternehmen die Preismeldungen vornehmen, wurden keine Angaben gemacht.

Nun könnte man vermuten, dass Zweifel an der Repräsentativität – die im Übrigen bei jedem Index in regelmäßiger Folge durch Marktteilnehmer geäußert werden, je nach dem, ob der Preis subjektiv als zu hoch oder zu niedrig empfunden wird – zu der Ergänzung der Index-Familie geführt haben. Viel wahrscheinlicher ist aber, dass Fastmarkets/Metal Bulletin möglicherweise eine realistische Alternative zu dem entsprechenden Index des Konkurrenten Platts schaffen wollte. Die Platts-Notierung ist nämlich Grundlage für den Stahlschrott-Future an der LME.

Zuletzt hatte es erheblich Kritik aus Marktkreisen an der prohibitiven Preispolitik der Datenlieferanten gegeben, die in der Industrie auch schon zu Überlegungen geführt haben, sich von diesen Diensten aus Kostengründen abzuwenden. Es ist daher kein Zufall, dass sich mit Argus Media über die letzten Jahre ein weiterer, ernstzunehmender Provider für Rohstoff- und Energiebenchmarks etabliert hat.

Auch ist zu bedauern, dass Fastmarkets/Metal Bulletin inzwischen den langjährig geführten Stainless Steel 304 Europe Raw Materials Index eingestellt hat. Dieser war eine gute Referenz für die Preisentwicklung der für die Edelstahlherstellung von AISI 304 relevanten Rohstoffmischung und hätte durchaus, ähnlich wie die Platts Notierung, als Basis für einen LME-Future für Edelstahlrohstoffe dienen können.

Bislang ist es Usus, aber vielleicht nicht unbedingt optimal, dass die Edelstahllegierung zur Durchführung von Preissicherungen (Hedging) durch die Marktteilnehmer in die einzelnen Komponenten Nickel, Chrom, Eisen und ggf. Molybdän zerlegt wird. Es soll an dieser Stelle aber nicht verschwiegen werden, dass auch das Desinteresse der produzierenden Industrie an dem Index zu dessen Einstellung beigetragen hat.

Chinas geheime Rohstoff-Reserven
Im Zuge der Preisrally auf den Rohstoffmärkten hat China, erstmalig seit einem Jahrzehnt, Rohstoffe aus seiner strategischen Reserve freigegeben. Dies soll Produzenten entlasten, die inputseitig von den steigenden Preisen belastet werden. Neben Metallen wurden auch Kohle und Mais Reserven freigegeben und Schweinefleisch eingekauft, um den Markt zu stützen.

Experten gehen davon aus, dass China zwischen 1,5 bis 2 Millionen Tonnen Kupfer, 800 bis 900 Tausend Tonnen Aluminium und 250 bis 400 Tausend Tonnen Zink lagert. Außerdem wird vermutet, dass China rund 7 Tausend Tonnen Kobalt, ein Schlüsselrohstoff der Batterieproduktion, auf Lager hält.

Neben den vorgenannten Metallen hat China zudem Speicherkapazitäten für Getreide in Höhe von 650 Millionen Tonnen, welche laut eigenen Angaben ausreichen würden, um die Bevölkerung zu ernähren. Die Lagerbestände von Reis und Weizen, welche rund 70% des Getreidebestands ausmachen, sollen den Konsum mehr als ein Jahr decken können. Zum Vergleich, in der strategischen Reserve der Bundesregierung lagern rund 0,9 Millionen Tonnen Getreide, Reis & Hülsenfrüchte (Stand 2019).

Tesla sichert sich Nickel-Liefervertrag
Wie die Zeitung FAZ berichtet, sind der aufstrebende Elektrofahrzeugpionier Tesla und der australische Bergbauriese BHP eine langfristige Liefervereinbarung für Nickel eingegangen. Die Vereinbarung wird bei Letzterem als Befreiungsschlag für die zuletzt schwächelnde Nickelsparte „Nickel West“ wahrgenommen. Dies ist beachtlich vor dem Hintergrund, dass bis 2019 vergeblich versucht wurde, die Geschäftseinheit an chinesische oder kanadische Investoren zu verkaufen, da es an geeigneten Zukunftsaussichten mangelte.

Bereits in der zweiten Jahreshälfte 2019 wurden rund 80% von Nickel West an die Batterieindustrie geliefert, ein deutlicher Anstieg im Vergleich zum Vorjahr, wo der Anteil noch unter 60% lag. Zudem soll nun die Nickelsulfatproduktion verdreifacht werden, d.h. von aktuell 89 auf zukünftig 300 Tausend Tonnen. Neben den finanziellen Erträgen soll die batteriebezogene Nickelproduktion aber auch die Klimabilanz des Bergbaugiganten (optisch) verbessern. Passend dazu kündigte BHP an, sein Öl- und Gasgeschäft verkaufen zu wollen.

Bereits in dem vergangenen Jahr hatte Tesla verlauten lassen, langfristige Nickel-Lieferverträge mit Batterieherstellern eingehen zu wollen. Zu dem damaligen Zeitpunkt hatte Indonesien noch große Hoffnungen, die Amerikaner beliefern zu dürfen, was sich aber angesichts des Vertrages mit BHP und einer weiteren Liefervereinbarung mit einer Nickelmine in Neukaledonien zerschlagen haben dürfte. Branchenexperten gehen davon aus, dass Tesla zirka 18.000 Tonnen pro Jahr von BHP beziehen werde, was derzeit in etwa 25% von deren Jahresproduktion entspricht.

Aufgrund der erhöhten Nachfrage nach Nickel, u.a. aufgrund der Batterieindustrie, stieg der Nickelpreis bereits stark an, und liegt mit rund 19.000 USD/mt rund 30% über dem Vorjahresniveau. BHP gehe davon aus, dass sich die Nachfrage nach Batterie-Nickel innerhalb von zehn Jahren mehr als verfünffachen werde. Der ehemalige Chef des Schweizer Rohstoffkonzerns Glencore, Ivan Glasenberg, teilte vor einiger Zeit mit, dass die Nickelproduktion jährlich um 250.000 Tonnen steigen müsse, um mit der Nachfrage aus der Batterieindustrie Schritt halten zu können.

Ähnliche Preisentwicklung bei Industriemetallen
Kupfer, Aluminium und Nickel bilden gemeinsam den sogenannten Metallkomplex, da sich diese phasenweise preislich in die gleiche Richtung bewegen. Der Hintergrund ist, dass es sich bei diesen wichtigen Rohstoffen um wesentliche Industriemetalle handelt, die allesamt eine Abhängigkeit von der allgemeinen Konjunkturentwicklung haben. Die weltweite Nachfrage nach Industriemetallen hat sich seit den frühen 2000er Jahren von den westlichen Industrienationen nach Asien verlagert. Chinas rasanter Aufstieg zur Wirtschaftsmacht geht mit einem unersättlichen Appetit nach Ressourcen einher. Inzwischen ist China der größte Verbraucher von Industriemetallen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass alle Industriemetalle bei der Nachfrage eine gewisse Korrelation haben, früher aus den westlichen Industrienationen, heute aus den ostasiatischen Schwellenländern.

Auf der Angebotsseite haben die Industriemetalle gemeinsam, dass ein Großteil in Minen gewonnen wird. So mussten beispielsweise viele Minen in der Corona-Pandemie ihren Betrieb vorübergehend unterbrechen, was das Angebot der Industriemetalle verknappte. Auch der aktuelle Anstieg der Frachtkosten und die Quarantänemaßnahmen für Schiffsbesatzungen führten bei allen Industriemetallen zu einer Angebotsverknappung. Ferner kommen diese Metalle, zum Beispiel Kupfer und Nickel, auch in Vergesellschaftung mit den entsprechenden Erzen vor, sodass angebotsseitig auch ein gewisser, technischer Zusammenhang besteht.

Neben Angebot und Nachfrage gibt es eine dritte Komponente, die die Rohstoffpreise beeinflusst. Anleger und Spekulanten können sich plötzlich von vermeintlich riskanteren Anlagen abwenden und damit die Preise der Industriemetalle beeinflussen. Da Kupfer, Aluminium und Nickel zu den umsatzstärksten Metallen an der London Metal Exchange gehören, sind diese in besonderem Interesse von Spekulanten. Abschließend gibt es auch praktische Gründe für Investoren, die für Industriemetalle sprechen: Kupfer, Nickel und Aluminium sind leichter zu lagern als Rohöl oder landwirtschaftliche Rohstoffe.

LME (London Metal Exchange)

LME Official Close (3 Monate)
18. August 2021
  Nickel (Ni) Kupfer (Cu) Aluminium (Al)  
Official Close
3 Mon.Ask
19.012,00
USD/mt
9.168,50
USD/mt
2.571,50
USD/mt
 
LME Bestände in mt
  16. Juli 2021 18. August 2021 Delta in mt Delta in %
Nickel (Ni) 223.248 199.110 – 24.138 – 10,81%
Kupfer (Cu) 224.175 245.125 + 20.950 + 9,35%
Aluminium (Al) 1.457.800 1.315.125 – 142.675 – 9,79%

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