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Nickel robust. Aktienmärkte laufen Entwicklung voraus. Neue Impfstoffe geben Anlass zur Hoffnung. Umschichtung von Anlagegeldern von den Industriemetallen in andere Wertpapiere.

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Geldpolitik der Notenbanken regiert das Geschehen. Immense Kosten zur Aufrechterhaltung einer gewissen Normalität. Erhebliche Lasten für zukünftige Generationen. Daher muss jede Ausgabe begründet sein.

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Joe Biden löst Donald Trump ab. Juristische und verbale Rückzugsgefechte. Was bleibt von Trump? Das Vermächtnis fällt vielfältig aus. Schillernd auch. Todgesagte leben länger.

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Südafrika erhebt künftig Exportzoll auf Chromerz. Marktteilnehmer haben unterschiedliche Einschätzungen über die Auswirkungen. China ist stark betroffen. Ein weiterer Grund für mehr Edelstahlschrotteinsatz.

Nickelnotierung robust, China läuft auf hohen Touren
Die Nickelnotierungen an der London Metal Exchange (LME) zeigen sich nach wie vor von ihrer freundlichen Seite und handelten in der letzten Woche durchaus behauptet in einem Band zwischen USD 15.000/mt und USD 16.000/mt. Die letzten Meldungen zu zwei verheißungsvollen Impfstoffen mit vermutet hoher Wirksamkeit haben allerdings dazu geführt, dass die Industriemetalle die Notnagelfunktion für anlagesuchende und renditeorientierte Investoren erst einmal verloren haben. Dafür boomen weltweit aktuell wieder die Aktienbörsen, die konkrete Hoffnung vorwegnehmend, dass die Pandemie in nicht allzu langer Ferne im Wesentlichen überwunden sein könnte. Für den Rest sorgt das billige Geld der Zentralbanken.

Dennoch wird sich eine Normalisierung hinsichtlich der pandemischen Schockstarre auch für die Nickelnachfrage und -preise natürlich positiv auswirken. Nur mit gemischten Gefühlen kann man hingegen betrachten, dass die chinesische Edelstahlproduktion schon wieder auf Hochtouren läuft, dabei aber offensichtlich mehr ein Volumenziel, als ein Profitabilitätsziel verfolgt. Vermutlich ist es aber auch dort egal, solange der Vater Staat es bezahlt. Sowohl die hohen Kapazitäten, die (noch) nicht in Einklang mit der Nachfrage stehen sowie die weltweit implementierten Handelsrestriktionen gegenüber den Importen von chinesischem Edelstahl werden wohl geflissentlich ausgeblendet.

Es müsste den chinesischen Markt eigentlich schon ein wenig beunruhigen, wenn der Edelstahl-Future an der Shanghai Futures Exchange auf ein Fünfmonats-Tief fällt und das, obwohl die volkswirtschaftliche Performance Chinas nach der scheinbar erfolgreichen Bewältigung der Pandemie durchaus beindrucken kann. Für den Edelstahlschrott in der Region kann es so oder so nur gut sein, denn schließlich hat sich auch in China längst herumgesprochen, dass Schrott der nachhaltigste und kosteneffizienteste Rohstoff zur Stahl- und Edelstahlproduktion ist.

Geldpolitik regiert weiterhin das Geschehen
Allerdings muss man zu Bedächtigkeit und Achtsamkeit mahnen, denn zwei Schlagzeilen machen noch keinen Sommer, zumal wir uns aktuell in weiten Teilen der Welt im Winterhalbjahr befinden und dieses den meisten Viren optimale Verbreitungsbedingungen bietet. Es sei denn wir reden über harte Lockdowns, die immer auch mit erheblichen wirtschaftlichen Einbußen und sonstigen Kollateralschäden einhergehen. Es ist also auch immer wieder mit Rückschlägen in der Erholung zu rechnen.

Ohnehin ist dem ökonomisch vorgebildeten Autor schleierhaft, wo das ganze Geld herkommt, mit dem trotz Situation und Maßnahmen aktuell der Bevölkerung und den Unternehmen eine gewisse Normalität suggeriert werden soll, die bei genauer Betrachtung nicht besteht. Ein ganz erheblicher Teil entfällt wohl auf die Notenpresse der (Europäischen) Zentralbank, die sich im Rahmen der geldpolitischen Ausrichtung über den Aufkauf von Staatsanleihen, entgegen dem eigentlichen Auftrag, doch gerne an der Finanzierung der Staatshaushalte beteiligt.

Am Ende werden es die Bürgerinnen und Bürger und vor allem die Kinder und nachfolgenden Generationen bezahlen müssen. Die dürfen sich dann vielleicht noch aussuchen, ob die Tilgung und Bedienung der Schulden über Geldentwertung und Verfall der Sparguthaben bezahlt wird oder, was ehrlicher wäre, über eine dramatische Anhebung von Steuern und Sozialabgaben. Aber soweit denkt im Augenblick natürlich kaum einer und schon gar kein Politiker.

Wer dennoch glaubt, die aktuelle Fata Morgana der Aufrechterhaltung von Einkommen für notgedrungen unproduktive Firmen und Mitarbeiter wäre ohne erhebliche Kosten und Konsequenzen möglich, der irrt sich gewaltig beziehungsweise dem ist nicht mehr zu helfen. Das Beste aller Übel wäre, die Abzahlung möglichst über die nächsten Jahrzehnte und -hunderte zu strecken, damit es nicht so auffällt. Allerdings fehlen diese Mittel dann an anderen Ecken und Enden, zum Beispiel für Forschung, Innovation und Digitalisierung. Daher ist es auch gegenwärtig anderen Aussagen zum Trotz ganz und gar nicht egal, wieviel Geld und für was im Augenblick im Wochentakt durch den Staat verblasen wird.

Was bleibt von Trump?
Die Wahl in den USA scheint entschieden, auch wenn es noch letzte verbale und juristische Rückzugsgefechte durch den scheidenden Präsidenten gibt. Donald Trump hat die Welt amüsiert, paralysiert, geschockt, genervt und bisweilen in Atem gehalten, manch einen auch begeistert. So könnte man es sich einfach machen und das Erbe im irritierenden und unglaublichen Zitat des Präsidenten und Schwerenöters: „Grab them by the pussy, you can do anything“ zusammenfassen.

Das wäre dann aber vermutlich doch etwas zu kurz gesprungen. Denn Präsident Trump hat zwar einen gewöhnungsbedürftigen Politikstil bis zuletzt und auch aktuell noch geprägt und gepflegt, aber nicht alles was er sehr laut und unorthodox auf die Tagesordnung gebracht hat, war völlig aus der Luft gegriffen. So haben die USA und China durchaus ihre eigenen, nur selten übereinstimmenden Positionen. Staaten haben eben keine Freunde, sondern legitime Interessen und um diese Interessen darf und muss auch gerungen werden.

Es liegt in der Natur der Sache, dass das nun einmal konfliktgeladen ist. Daher müssen auch Deutschland und Europa ihre Interessen erkennen und formulieren, nach außen vertreten und möglichst auch durchsetzen. Das ist die Politik den Wählern und Bürgern schuldig. In diesem Zusammenhang dürfen, ja müssen auch unangenehme Wahrheiten genannt und erörtert werden. Trump hat auch gelehrt, dass man nicht alles glauben darf, was gesagt und geschrieben wird. Medien wie Fox News, aber auch CNN, als auch soziale Medien wie Twitter standen und stehen für mindestens selektive Berichterstattung. Medienkompetenz entwickeln ist hier das Stichwort.

Auch ist es ein Vermächtnis, weiter mit den Potentaten in dieser Welt zu sprechen. Wenn man etwas für die eigenen Interessen oder die Bevölkerung und Nachbarn dieser Länder erreichen will, führt am Dialog kein Weg vorbei. Unorthodoxe Ansätze waren bei Trump zu erkennen, leider ging es im Kern aber mehr um den Medienauftritt, als die Botschaft und Diplomatie hinter den Bildern. Auch scheint die scharfe Kritik an der politischen Kaste durchaus legitim. Dynastien wie Bush Senior und Junior sowie die Clintons und die Tatsache, dass Joe Biden nun schon zum x-ten Mal den Anlauf ins Präsidentenamt genommen hat, sind nicht wirklich ein Ruhmesblatt für die USA als eine der größten Demokratien weltweit.

Nun geht also eine Ära zu Ende und nicht wenige werden das mit Erleichterung zur Kenntnis nehmen. Aber wird mit dem President elect Biden alles besser. Vermutlich wenn es um den Stil geht, ja. Wenn es um die Politik geht, muss sich das erst noch zeigen. Denn im Ergebnis wurde wohl eher Trump abgewählt, als Biden ins Amt getragen. Daher ruhen die Hoffnungen in den USA wohl auch stark auf dem neuen Führungsgespann oder der Vizepräsidentin.

Und Todgesagte leben länger. Es ist daher nicht auszuschließen, dass eine Persönlichkeit mit Steherqualitäten wie Trump in einigen Jahren doch wieder auf der politischen Bühne erscheint. Dann liegt es an der Bilanz von Biden und Harris sowie der Erneuerungsfähigkeit der republikanischen Partei, ob er noch einmal eine Chance hat oder nicht.

Claus Kleber leistet dem Qualitätsjournalismus einen Bärendienst
In der Nachrichtensendung Heute Journal vom 16.11.2020 im öffentlich-rechtlichen ZDF brennen dem an und für sich beliebten und grundsätzlich renommierten Moderator Claus Kleber beim Thema Corona die Sicherungen durch. Offensichtlich in persönlicher Betroffenheit und unzufrieden über die „mageren“ Beschlüsse des Austauschs zwischen Bundesländern und Kanzleramt nach zwei Wochen des sogenannten „Lockdown light“, platzt es in einem Interview mit dem stellvertretenden Ministerpräsidenten des Landes Nordrhein-Westfalen und Minister für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration Dr. Joachim Stamp aus ihm heraus. Bei Klassenzimmern und Schulen handele es sich doch um „Virenschleuderapparate“ für die er recht undifferenziert zumindest die teilweise und erneute Schließung fordert.

Sodann versteigt er sich auch noch in Thesen hinsichtlich der virologischen, wissenschaftlichen Studienlage bezüglich des Infektionsgeschehens an den Schulen. Vermutlich hat Herr Kleber kurz vergessen, dass die zentrale Aufgabe eines Anchormans als Journalist ist, für Aufklärung des Publikums und Fakten durch entsprechende (auch kritische) Fragen an den sehr ruhigen, sachlichen und unaufgeregten Interviewpartner zu sorgen. Gefühlt hatte aber Herr Kleber mehr Redezeit in eigener Sache, als er dem Interviewten Zeit zur Antwort gab und diesem überdies fortwährend in das Wort fiel.

Unabhängig von Inhalt und Sache, in denen man geteilter Meinung sein kann, wäre es für den Intendanten des ZDF durchaus an der Zeit auch einen verdienten Herrn Kleber einmal zu einem Vier-Augen-Gespräch zu bitten und ihn an das zu erinnern, was er mutmaßlich an der Journalistenschule gelernt hat. An das, was Qualitätsjournalismus, wie man ihn insbesondere von den öffentlich-rechtlichen Medien erwarten darf, verkörpert.

Südafrika erhebt eine Exportsteuer auf Chromerz
Am 22. Oktober wurde der Chrommarkt von der südafrikanischen Regierung überrascht, denn zukünftig soll auf alle Chromerz-Exporte eine Ausfuhrsteuer erhoben werden. Südafrika ist der weltgrößte Exporteur des Rohstoffs, der zur Herstellung von der Vorlegierung Ferrochrom benötigt wird. Ein Großteil der Ferrochromproduktion wiederum fließt in die Edelstahlherstellung. Daher hat diese Regierungsentscheidung einen bedeutenden Einfluss auf den weltweiten Chrom- und Edelstahlmarkt.

Noch vor 10 Jahren war Südafrika der weltgrößte Hersteller von Ferrochrom. Doch seitdem sich das Land in einer schweren wirtschaftlichen Krise befindet, hat China Südafrika diesen Rang abgelaufen. Ungeachtet davon befinden sich nach wie vor die größten Chromerzvorkommen in Südafrika, so dass China hinsichtlich der Rohstoffe für die Ferrochromproduktion auf Südafrika angewiesen ist. Mit der Exportsteuer möchte die südafrikanische Regierung vor allem die inländischen Ferrochromproduzenten unterstützen und so die Wertschöpfung im Land behalten. Weiter soll die Exportsteuer zu neuen Arbeitsplätzen in Südafrika führen und gleichzeitig dringend benötigte Steuereinnahmen in die Staatskasse spülen, so das Kalkül der Regierung.

Mehr als ein Jahrzehnt diskutierte die Regierung über die Exportsteuer. Die wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus haben bei der Entscheidungsfindung nun offensichtlich ihren Beitrag geleistet. Der Plan der Regierung könnte aufgehen, glaubt man den Angaben verschiedener Marktbeobachter. Den chinesischen Ferrochromproduzenten bleibt nichts anderes übrig, als den höheren Preis zu bezahlen. Denn entweder akzeptieren die chinesischen Unternehmen die zollbedingte Preissteigerung, oder sie verzichten auf die südafrikanischen Rohstoffe, was wiederum zu Minenschließungen, einer Angebotsverknappung und einer Preiserhöhung führen würde, resümierte das Nachrichtenportal Fastmarkets, das dies aus Gesprächen mit Branchenkennern erfahren hatte.

Jedoch gibt es auch Marktteilnehmer, die die Wirksamkeit der Exportsteuer bezweifeln, zumal die südafrikanischen Ferrochromproduzenten fundamentale Probleme haben, die durch die Exportsteuer nicht behoben werden. So haben sich im letzten Jahrzehnt die Strompreise mehr als versechsfacht. Während die Experten von einer weiteren Verteuerung der südafrikanischen Strompreise ausgehen, werden für China eine steigende Energieeffizienz und damit einhergehende sinkende Strompreise vorhergesagt. Da Ferrochrom in US-Dollar gehandelt wird, wurden die steigenden Strompreise von der stetigen Abwertung des Südafrikanischen Rands kompensiert.

China fördert den Einsatz von Stahlschrott
Ende Oktober veröffentlichte das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Chinas eine amtliche Mitteilung, in dem die Ziele des kommenden Fünfjahresplans bekanntgegeben wurden. Während die Ziele in der Vergangenheit präzise formuliert wurden, wie etwa die Schaffung eines Hochgeschwindigkeitsnetzes bis zum Jahr 2016 auf 45.000 Kilometer, sind die neuen Ziele eher vage gehalten. Dennoch sind die Ziele, die unter anderem die Bereiche Wirtschaft, Wissenschaft und Umwelttechnik umfassen, ehrgeizig formuliert.

So sieht das Kommuniqué vor, dass China bis zum Jahr 2060 CO2-neutral sein wird. Ein wesentlicher Baustein ist die Weiterentwicklung des Stahlsektors, weg von hochofenbasierten Hüttenwerken unter Einsatz von Primärrohstoffen, hin zu Elektrolichtbogenöfen unter Einsatz von nachhaltigen Stahlschrotten. Derzeit haben die chinesischen Hochöfen unter Verwendung von Eisenerz und Koks noch einen Anteil von zirka 90% an der Produktionsinfrastruktur. In diesem Zusammenhang wird auch erwartet, dass China in naher Zukunft wieder den unbeschränkten Import von Stahlschrotten erlaubt. Die formale Billigung des Fünfjahresplans erfolgt im kommenden März.

Fast zeitgleich gab die chinesische Rohstoffbörse Dalian Commodity Exchange (DCE) bekannt, einen Terminkontrakt für geschredderte Stahlschrotte einzuführen. Laut den Angaben eines Sprechers der DCE hat geschredderter Stahlschrott eine tendenziell homogenere Qualität und Spezifikation im Vergleich zu schwerem Stahlschrott und ist daher für die Produktion von nachhaltigem Stahl besonders geeignet. Der genaue Termin, wann der Kontrakt eingeführt wird, wurde nicht bekanntgegeben. Insgesamt zeichnet sich aber deutlich ab, dass China Stahl- und Edelstahlschrotten eine höhere Bedeutung einräumt.

ASEAN-Staaten vereinbaren den weltgrößten Handelspakt
Nach acht Jahren Verhandlungen haben am 15. November 2020 vierzehn Staaten und China das Freihandelsabkommen Regional Comprehensive Economic Partnership (RCEP) unterzeichnet. Rund 2,2 Milliarden Menschen und in etwa ein Drittel der weltweiten Wirtschaftsleistung umfassen das Abkommen. Der Pakt fördert den weltweiten Handel und ist ein klarer Erfolg für China. RCEP verringert Zölle, definiert gemeinsame Handelsregeln und erleichtert damit Lieferketten. Weiter umfasst das Abkommen unter anderem die Bereiche Handel, Investitionen und Telekommunikation. Die Handschrift Chinas ist unverkennbar: Freie Gewerkschaften, Arbeitnehmerrechte und Umweltstandards bleiben außen vor.

China hat es geschafft, sich neue Märkte zu erschließen und die Abhängigkeit von den USA zu verringern, während die USA mit Präsident Trump dem Protektionismus das Wort redeten und sowohl die Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft (TTIP), als auch die Transpazifische Partnerschaft (TPP) gestoppt haben. Zudem hagelte es Schutzzölle. Hinzu kommt, dass China seinen außenpolitischen Einfluss weiter stärken konnte, obwohl US-Präsident Trump genau Gegenteiliges mit seiner Politik bezwecken wollte. Das Abkommen ist wohl möglich ein schweres außenpolitisches Erbe, das Donald Trump seinen Nachfolgern hinterlässt.

LME (London Metal Exchange)

LME Official Close (3 Monate)
18. November 2020
  Nickel (Ni) Kupfer (Cu) Aluminium (Al)  
Official Close
3 Mon.Ask
15.777,00
USD/mt
7.101,50
USD/mt
1.994,00
USD/mt
 
LME Bestände in mt
  19. Oktober 2020 18. November 2020 Delta in mt Delta in %
Nickel (Ni) 237.342 238.980 + 1.638 + 0,69%
Kupfer (Cu) 183.900 160.200 – 23.700 – 12,89%
Aluminium (Al) 1.406.550 1.409.575 + 3.025 + 0,22%

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