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Selbst ein starker US-Dollar kann den Anstieg der Rohstoffpreise kaum dämpfen. Nach vielen Jahren der Baisse, haben auch die Rohstoffunternehmen wieder einmal etwas Rückenwind verdient.

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China möchte Rohstoffpreise einfrieren oder senken. Andererseits hält das Land die Unternehmen zur stärkeren Absicherung von Rohstoffpreisrisiken an. Da beißt sich die Katze vielleicht in den Schwanz.

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China möchte mehr Kreislaufwirtschaft und Metallrecycling um die Klimaziele zu erreichen. Frachtkosten sind stark gestiegen. Globaler Handel erholt sich schneller als die Dienstleistungen.

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EU-Kommission legt Pläne für einen Ausgleich von Treibhausgasemissionen an der Grenze vor. Eisen und Stahl sind bei der Erstauflage mit dabei. Ferrolegierungen sollen hingegen geschont werden.

Starker US-Dollar dämpft die Rohstoffpreise nicht
Von Sommer ist in unseren Breiten leider keine Spur. Eine ausgeprägte Kälteperiode wurde von einer ausgeprägten Regenperiode abgelöst. Insofern gibt es nun eine Sommerausgabe ohne echtes Sommerfeeling. Ohnehin ist die Leichtigkeit zuletzt in allen Teilen der Welt auch schon aus viralen Gründen abhandengekommen. Es kann und wird also nur besser werden. Was die Rohstoffpreisentwicklung angeht, gibt es allerdings für deren Produzenten und Händler durchaus Grund zur Freude, denn nach vielen Jahren der Baisse, ist gegenwärtig ein gewisser Boom festzustellen. Über die Hintergründe hatten wir in der letzten Ausgabe schon ausführlich berichtet.

Die Auftragsbücher der Stahlproduzenten sind gut gefüllt, die privaten und industriellen Konsumenten haben einen Nachholbedarf und so gibt es sowohl bei den Fertigwaren und Halbzeugen sowie den primären und sekundären Rohstoffen aus unterschiedlichen Gründen Engpässe. Diese dürften sich aber, mit einer Verbesserung der internationalen Logistiksituation, zumindest zum Teil bessern. Insofern sind die Rohstoffnotierungen wie man sagt „gut unterstützt“ und derzeit gibt es wenig Anzeichen, wieso dies nicht für einen längeren Zeitraum so bleiben sollte.

Die Nickelnotierung an der London Metal Exchange (LME) handelt derzeit bei Kursen von deutlich über USD 18.500,00/mt und hat auch schon kurz an der USD 19.000,00-Marke gekratzt. Dennoch muss man, auch eingedenk der immer noch grassierenden Pandemie, auf exogene Schocks immer vorbereitet sein. Interessant ist auch, dass der aktuelle Anstieg parallel mit einer deutlichen Befestigung des US-Dollars gegenüber dem Euro (USD/EUR 1,18) und anderen Währungen erfolgte. Üblicherweise hat ein starker Dollar eine dämpfende Wirkung auf die Rohstoffpreise. Allerdings lehrt die Erfahrung, dass sich Preisentwicklungen selten eindimensional nur von einzelnen Einflussfaktoren ableiten.

Chinas Interventionen und Ziele nicht immer im Einklang
Vor dem Hintergrund der vorstehend beschriebenen Situation an den Rohstoffmärkten mit entsprechend hohen Preisen, hatten wir über Ambitionen und auch tatsächliche Interventionen der chinesischen Regierung berichtet, die Preisentwicklung für chinesische Unternehmen zu bekämpfen. Nicht zuletzt hatte auch der chinesische Ministerpräsident Li Keqiang noch einmal auf einer Regierungswebsite bekräftigt, dass China die begonnenen Dämpfungsmaßnahmen noch für die nächsten 18 Monate aufrechterhalten wolle. Während man mit diesen Eingriffen den fairen und freien Wettbewerb mit den nicht-chinesischen Unternehmen, die nicht auf einen im wahrsten Sinne des Wortes generösen „Vater Staat“ zurückgreifen können, unterbindet, könnten diese Maßnahmen aber auch für die chinesischen Unternehmen selbst negative Konsequenzen haben.

Hier wurde nämlich darüber informiert, dass es die chinesische Regierung sehr begrüßen würde, wenn sich die inländischen Unternehmen deutlich mehr und zahlreicher, mit entsprechenden Rohstoffderivaten gegen unvorteilhafte Preisschwankungen absicherten. Die Tücke liegt allerdings im Detail der Absicherungs-/Hedging-Logik. Um eine perfekte Absicherung zu erreichen, ist es wichtig, dass die Preisbasis des realen Grundgeschäfts (zum Beispiel der Kauf einer bestimmten Menge Nickels) und die Preisbasis des Absicherungsgeschäfts (zum Beispiel des Nickel-Futures an der Shanghai Futures Exchange (SHFE) möglichst übereinstimmen.

Sonst kann es nämlich passieren, dass sich ein negatives Ergebnis aus dem Grundgeschäft und ein positives Ergebnis aus der Absicherung (oder mit jeweils umgekehrten Vorzeichen) nicht wie eigentlich gewünscht kompensieren. Vielmehr kann es bei einer erheblich differierenden Preisbasis dazu kommen, dass sowohl das Ergebnis aus dem Grundgeschäft als auch aus dem Absicherungsgeschäft für das betroffene Unternehmen negativ ausfallen. Das ist insbesondere dann der Fall, wenn sich an einem Börsenmarkt, wie der SHFE, die Preise frei nach Angebot und Nachfrage bilden können, während entsprechende Behörden in abgegrenzten Bereichen Preise regulieren und zum Beispiel in ihrer Bewegung nach oben oder unten beschränken können. Wir stehen herzlich gerne bereit, diesen komplexen Zusammenhang der chinesischen Regierung bei Bedarf zu erklären.

Aber auch in Europa kann man mitunter solche Erfahrungen machen. Was zum Beispiel die Absicherung von Unternehmen gegenüber unvorteilhaften Zinsänderungen angeht, ist bei den derzeitigen Negativzinsen festzustellen, dass die meisten Banken in den mit den Unternehmen bestehenden Kreditverträgen einen sogenannten Floor (Untergrenze) für den Referenzzinssatz vereinbart haben. Sollte dieser Zins negativ sein oder werden, wird dieser für die Berechnung der Zinsen auf mindestens 0 Prozent zuzüglich Zinsmarge festgelegt. Hat nun ein Unternehmen eine entsprechende Zinsabsicherung abgeschlossen, für die natürlich ein entsprechender Floor üblicherweise nicht gilt, hat man es mit dem gleichen Phänomen respektive Problem wie vorstehend im chinesischen Zusammenhang zu tun.

China’s Bekenntnis zur Kreislaufwirtschaft
Die chinesische Kommission für Entwicklung und Reform veröffentlichte am Anfang des Monats ihren vierzehnten Fünfjahresplan. In dessen Fokus steht ganz besonders die Förderung der Kreislaufwirtschaft, mithilfe derer eine CO2-Neutralität bis zum Jahre 2060 erreicht werden soll. Die EU hat sich für dieses ambitionierte Ziel übrigens das Jahr 2050 auf die Fahnen geschrieben.

Hinsichtlich des Metallrecyclings möchte die Kommission die Verwendung von Stahlschrott bis 2025 auf 320 Mio. Tonnen steigern. Des Weiteren soll der Output von recycelten NE-Metallen auf 20 Mio. Tonnen wachsen, davon: 4,0 Mio. Tonnen Kupfer, 11,5 Mio. Tonnen Aluminium und 2,9 Mio. Tonnen Blei.

Ferner sollen mit dem Fünfjahresplan neue Technologien gefördert werden, um Industrieabfälle in Sekundärrohstoffe umzuwandeln. Den chinesischen Städten wird nahegelegt, neue Standorte für die Verarbeitung von Siedlungsabfällen zu schaffen. Außerdem soll ein System für die Verwertung von Altbatterien aus Elektroautos entstehen.

Starker Frachtkostenanstieg aufgrund des gestiegenen Güterverkehrs
Die Rohstoffexperten von Macquarie haben Anfang Juli über die globale wirtschaftliche Entwicklung berichtet und die damit einhergehenden Auswirkungen auf die globalen Frachtkosten.

Die Autoren sind zu dem Ergebnis gekommen, dass sich aufgrund des US-Konjunkturpakets der Gütersektor wesentlich schneller erholte als der Dienstleistungssektor. Dies führte dazu, dass sich der globale Handel rasch rehabilitierte, mit einem Anstieg der Warenexporte im April um 27% gegenüber dem Tiefpunkt im Zeitraum von Ende März bis Anfang April 2020. Im Jahresvergleich stiegen die globalen Exporte um 4% an. Vergleicht man die Entwicklung mit der Finanzkrise, so fällt auf, dass die Corona-Pandemie auf den globalen Handel deutlich kürzere Auswirkungen hatte.

Dies führte einerseits zu einer Verengung von Lieferketten und steigenden Inputkosten, als auch zu einem rasanten Anstieg der globalen Frachtkosten. Allerdings ist auch hier keine einheitliche Entwicklung zu erkennen. Der Preisindex für das weltweite Verschiffen von Hauptfrachtgütern (Kohle, Eisenerz) Baltic Dry Index befindet sich noch immer unter den Werten des Rohstoff-Superzyklus im Jahre 2008. Hingegen übersteigt die Preisentwicklung am Chartermarkt für Containerschiffe Harpex Index bereits das Preisniveau nach den Jahren der Finanzkrise. Laut den Rohstoffexperten von Macquarie liegt dies darin begründet, dass die Nachfrage nach Konsumgütern noch einmal deutlich stärker gestiegen sei als die nach Rohstoffen.
Die wirtschaftliche Lage hat in den meisten Ländern fast wieder den Stand von vor der Pandemie erreicht. Dies hat die Weltwirtschaft vor allem China zu verdanken. Das chinesische Exportvolumen liegt 20% über dem Vorjahr, während andere Länder nur Anstiege von zirka 2% verzeichnen. Die Unterschiede der Exportvolumina spiegeln sich auch in den Frachtraten wider. Die Kosten für einen Seecontainer von Shanghai nach New York stiegen um rund 300% gegenüber dem Vorjahr an, während die Frachtraten von Rotterdam nach New York lediglich um 120% zunahmen.

Während der Frachtkostenanstieg zwar zum globalen Inflationsdruck beiträgt, wie sich an dem globalen Purchasing Managers‘ Index (PMI) ablesen lässt, waren die tatsächlichen Auswirkungen auf die Inflation allerdings bisher eher schwach. Die gestiegenen Rohstoffpreise haben eine deutlich größere Auswirkung auf die Inflation als die gestiegenen Frachtraten.

Vorschlag der EU-Kommission zum Carbon Border Adjustment Mechanismus
Wie zahlreiche Medien berichten, hat die Europäische Kommission am 14. Juli 2021 ihren Vorschlag zum sogenannten Carbon Border Adjustment Mechanismus (CBAM) zur weiteren Diskussion unterbreitet. Dieser ist Teil eines Maßnahmenpakets mit dem bedeutungsschwangeren Namen “Fit for 55“, welches die Erreichung des proklamierten Ziels einer Reduktion der Emission von Treibhausgasen in der EU von 55% gegenüber dem Niveau von 1990 bis spätestens zum Jahr 2030 sicherstellen soll. Wohlweislich hat man nun, bei der bislang auch unter dem Namen Carbon Border Tax oder Duty (Steuer/Zoll) diskutierten Maßnahme, den Begriff Steuer oder Zoll vermieden, da die Vereinbarkeit eines solchen Regelwerks mit der Freizügigkeit von Waren der Welthandelsorganisation WTO bereits jetzt schon kontrovers diskutiert wird.

Der CBAM der EU soll zunächst für Produkte aus den Bereichen Zement, Eisen und Stahl, Aluminium sowie Düngemittel und Elektrizität gelten. Bei Eisen und Stahl ist die komplette zweistellige Oberkategorie 72 des internationalen Zolltarifs – auch genannt Kombinierte Nomenklatur – umfasst, mit den Ausnahmen der vierstelligen Kategorien 7202, also den Ferrolegierungen sowie 7204, den Stahl- und Edelstahlschrotten. Dass man die Ferrolegierungen aus dem Entwurf des CBAM herausgehalten hat, kann nur daran liegen, dass diese häufig mit hohem Energieaufwand und daher hohen Treibhausgasemissionen in Drittländern produziert werden. Hier will man offensichtlich die europäischen Weiterverarbeiter, die in großem Umfang Importe dieser Inputmaterialien einsetzen, von zusätzlichen Belastungen aus dem CBAM schützen, denn viele dieser Unternehmen sind bereits mit Kosten aus dem europäischen Emissionshandelssystem EU ETS belastet.

Mit dem CBAM soll verhindert werden, dass es zu der sogenannten Carbon Leakage kommt. Ein hoher CO2-Preis im EU ETS könnte dafür sorgen, dass klimaschädliche Produktion aus der EU in Drittländer abwandert und zukünftig die dort möglicherweise klimaungünstiger hergestellten Produkte in die EU importiert würden. Per Saldo würden dann mit dem Emissionshandel, entgegen den Zielen, nicht die globalen Emissionen reduziert, sondern diese im schlechten Fall sogar erhöht, indem umweltfreundliche Produktionsstätten in der EU, durch weniger umweltfreundliche in Drittländern ersetzt würden.

Emissionen in Drittländern müssen berücksichtigt werden
Insofern führt an einer entsprechenden Berücksichtigung auch der Emissionen in Drittländern von in die EU importierten Waren kein Weg vorbei, wenn man die Klimaziele erreichen möchte. Zu den gleichen Verwerfungen und Inkonsistenzen würde es kommen, wenn man den Export von klimafreundlichem Stahl- und Edelstahlschrott aus der EU behindern wollte. Hierdurch könnte der Export von Klimaschutz beschränkt werden und dadurch in Summe mehr CO2-Emissionen entstehen, da die für einen Schutz des globalen Klimas erforderliche Maximierung des weltweiten Schrotteinsatzes unterbunden würde. Von den Lippenbekenntnissen zum fairen und freien Handel im Rahmen der WTO hier einmal ganz zu schweigen.

In einer Übergangszeit zwischen 2023 und 2025 sollen die Importeure zunächst nur die Emissionsmengen der importierten Güter melden, ohne dass es zu einer Belastung für die Einfuhren kommt. Ab 2026 sollen dann die konkreten Maßnahmen in Kraft treten. Importeure müssten dann, wenn die Regeln so wie vorgeschlagen in Kraft treten, bis Mai des Folgejahres die mit den importierten Waren und Energie verbundenen Mengen an Treibhausgasen melden und für diese Mengen entsprechende CBAM-Zertifikate übergeben. Der Preis entspricht den Kosten für CO2, wie diese im EU ETS für die jeweilige Periode Geltung hatten. Sollte es in den Exportländern vergleichbare Emissionshandelssysteme mit einem Preis für die Treibhausgase geben, können Importeure diese Kosten von den Belastungen für die CBAM-Zertifikate abziehen.

Zunächst sollen sich, so der Vorschlag der EU-Kommission, die CBAM-Maßnahmen nur auf die direkten Emissionen bei der Herstellung der importierten Produkte im Drittland beziehen. Dass heißt, die Rohstoffe, die häufig für einen ganz erheblichen Teil der klimaschädlichen Emissionen stehen, bleiben außen vor. Die EU behält sich aber vor, den CBAM um den Einbezug der indirekten Emissionen zu erweitern. Wenn man es in Europa mit der Carbon Leakage und einem echten, universellen Preis für die schädlichen Klimagase ernst meint, dann führt an einem Einbezug der Rohstoffe kein Weg vorbei.

Erst wenn auch deren Klimaschäden im Sinne einer Internalisierung der externen Kosten Berücksichtigung finden, ist ein fairer Wettbewerb unter den Rohstoffen überhaupt hergestellt. Ansonsten würde es keine Rolle spielen, ob klimafreundliche und nachhaltige Sekundärrohstoffe wie Stahl- und Edelstahlschrott oder klimaschädliche Alternativen als Inputmaterial in der EU eingesetzt werden. Nur zur Erinnerung, der Einsatz einer Tonne Edelstahlschrott in der Edelstahlproduktion spart gemäß Fraunhofer UMSICHT 4,5 Tonnen CO2 gegenüber einer Tonne der entsprechenden Primärrohstoffe beziehungsweise Ferrolegierungen.

Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern einen sonnigen und erholsamen Sommer.

 

LME (London Metal Exchange)

LME Official Close (3 Monate)
16. Juli 2021
  Nickel (Ni) Kupfer (Cu) Aluminium (Al)  
Official Close
3 Mon.Ask
18.907,00
USD/mt
9.433,50
USD/mt
2.510,50
USD/mt
 
LME Bestände in mt
  17. Juni 2021 16. Juli 2021 Delta in mt Delta in %
Nickel (Ni) 238.602 223.248 – 15.354 – 6,43%
Kupfer (Cu) 143.750 224.175 + 80.425 + 55,95%
Aluminium (Al) 1.628.800 1.457.800 – 171.000 – 10,50%

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