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Industriemetalle zeigen Stärke. Pandemie ist noch nicht überwunden. Medaillenspiegel ändert sich. Der Erfolg im Frühjahr hat nachlässig gemacht. Man muss nun das Beste aus der Situation machen.

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Nickel mit rasantem Anstieg. Kupfer erreicht Höchststand seit 2013. Die Hoffnung für Europa und USA und das solide Abschneiden von Asien trägt. Asien ist bei der Bewältigung von Corona aktuell erfolgreicher.

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Class 1 und Class 2 Nickel. Gibt es einen Zusammenhang? Ist eine Transformation möglich. Wie wirkt sich das auf die Preise aus. Mikroökonomische Gewissheiten und Gesetze gelten auch hier.

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Handelskonflikt China-Australien. Eisenerz bisher außen vor. Gesichtsverlust soll vermieden werden. Banken vorsichtiger gegenüber asiatischem Rohstoffhandel. Die Macht der Worte und Zahlen. Bilde dir eine Meinung.

Pandemie ist ein Langstreckenlauf
So richtig will in diesem besonderen Jahr keine vorweihnachtliche Stimmung aufkommen. Das ist auch kein Wunder. Denn wer glaubte, die Pandemie sei mit dem Sommer überwunden, der wurde eines Besseren belehrt und schaut nun auch weiterhin in eine eher ungewisse Zukunft. Leider handelt es sich wohl doch um einen Langstreckenlauf, bei dem nur dummerweise nicht festgelegt ist, wie lang die Strecke ist und wo das Ziel liegt. Das ist schon etwas zermürbend. Immerhin gibt es verschiedene Impfstoffkandidaten und die Forschung nach Medikamenten läuft auch weiter auf Hochtouren. Das gibt Anlass zur Hoffnung, die die Märkte teilweise schon vorwegnehmen.

Unsere asiatischen Freunde sind da, mit wenigen Ausnahmen, weitaus erfolgreicher unterwegs als Europa oder die USA. Das liegt vermutlich daran, dass bereits in der jüngeren Vergangenheit konkrete Erfahrungen mit pandemischen Ausbrüchen gemacht wurden und man daher von Vorneherein besser auf die Situation vorbereitet war. Mit anderen Worten, eine 50er-Packung OP-Masken gehört für jeden Haushalt in Singapur zur Grundausstattung. Auch sitzt die Angst vor Infektionen in Asien tief, sodass die für unsere hiesigen Verhältnisse beinahe verschwindend geringen, täglichen Fallzahlen dort immer noch für ein hinreichend vorsichtiges und distanziertes Verhalten sorgen.

Aber irgendwie scheint es ja auch mit den Umgebungstemperaturen und den damit verbundenen, üblichen Aufenthaltsorten zu tun zu haben. Das würde ein etwas anderes Licht auf die scheinbaren Erfolge in Deutschland und Österreich im Frühjahr, verglichen mit diesem Herbst und Winter, werfen. Vielleicht hatte man einfach ein Riesenglück bei der ersten Welle. Jedenfalls sind die beiden Musterschüler im Corona-Medaillen-Spiegel ganz schön abgerutscht.

Aktuell weiß man sich kaum zu helfen und ist offensichtlich verstört, warum die neuen Maßnahmen, die denen aus dem Frühjahr durchaus ähneln, keine richtige Wirkung zeigen. Vielleicht hat man auch wegen der guten Bilanz zu Jahresbeginn die weitere Vorbereitung, was zum Beispiel Schulen und Schutz der vulnerablen Gruppen angeht, doch ein wenig vernachlässigt. Das ist häufig die Schattenseite des Erfolgs. Aber bilanziert wird sowieso erst am Ende des Langstreckenlaufs, der noch manche Überraschung bereithalten wird.

Veränderungen in den globalen Edelstahlmärkten
Der Nickelmarkt an der London Metal Exchange (LME) schlägt gegenwärtig Kapriolen. Blieben die Notierungen seit der letzten Ausgabe im Wesentlichen stabil, kam es in den letzten Tagen zu einem rasanten Anstieg, der die Notierung bis über USD 17.500,00/mt führte. An dieser Stelle wurde bereits über die robuste Nickelnachfrage berichtet, allerdings wird der Markt auch von der Erwartung einer Erholung im Anschluss an die Pandemie getragen.

Man hofft, dass man im Laufe von 2021 auch weltweit durch die breit angelegten Impfungen wieder zur Normalität zurückfindet. Die Aktienmärkte hatten sich bereits sehr gut entwickelt, sodass manche professionelle Anleger vielleicht auch gewisse Umschichtungen vornehmen, die sich in den kleineren Industriemetallmärkten natürlich deutlich auswirken. Dafür spricht auch, dass Kupfer an der LME mit einem Kurs von USD 7.850,00/mt einen Höchststand seit 2013 erreichen konnte.

In diesem Zusammenhang wirkt es zunächst erstaunlich, dass die Preise für Nickel Pig Iron (NPI) – ein sogenanntes Class 2 Nickelprodukt, welches nicht direkt an der LME gehandelt wird – in China zuletzt gesunken sind. Es scheint aber so zu sein, dass die in China für ein Krisenjahr starke Edelstahlproduktion – es wird mit einem Gesamtjahresplus von über 3% gegenüber dem Vorjahr gerechnet – zu einem Angebotsüberhang an Edelstahl geführt hat, der nun zunächst die Edelstahlpreise und dann auch die NPI-Nachfrage negativ beeinflusst hat.

Spätestens seit dem 2. Quartal 2020 haben sich die Importe von Edelstahl aus China reduziert. Europa hat offensichtlich eine wirksame Abschottung des Marktes erreicht, sodass Produktionsüberhänge nicht in andere Märkte abfließen können. Auch die USA verfolgen eine entsprechende Politik. Weiter muss man wissen, dass NPI, welches fast ausschließlich in China und Indonesien aus indonesischen und philippinischen Nickelerzen hergestellt wird, auch fast ausschließlich durch Edelstahlproduzenten in China und Indonesien verbraucht wird.

Es scheint wenig Interesse bei den chinesischen und indonesischen Edelstahlproduzenten zu geben, diesen Rohstoff, welcher auch als eine sehr wesentliche Basis für eine günstige Rohstoffversorgung betrachtet werden muss, mit den übrigen globalen Wettbewerbern zu teilen. So wird eine Arbitrage zwischen Rohstoffpreisen in den unterschiedlichen Regionen unterbunden und es kann durch nicht marktwirtschaftliche Allokation sogar zu fallenden Preisen in einem allgemein robusten bis prosperierenden Sektor kommen. Wie sich die letzte Preisentwicklung bei LME-Börsennickel auf die NPI-Preise auswirkt, bleibt abzuwarten.

Insofern ist es wenig erstaunlich, dass die Edelstahlschrottpreise in Europa sehr fest sind. Das hängt damit zusammen, dass die Nickelpreise an der LME nach oben zeigen. Ebenso ist die Angebotssituation, wohl auch durch gewisse Covid-19 induzierte Volumenrückgänge in der Edelstahlverarbeitung mit Einfluss auf die Neuschrottverfügbarkeit in Europa, sehr eng und trifft auf eine nach wie vor sehr gute Nachfrage durch die europäische Edelstahlindustrie. Hinzu kommt noch das steigende Interesse Chinas an einer Erhöhung der Edelstahlschrotteinsatzquoten, nicht nur aus ökologischen, sondern auch aus ökonomischen Gründen.

Damit wird deutlich, was schon bisher nicht nur eine Vermutung war. Nämlich, dass der chinesische NPI-Preis keine wirklich volkswirtschaftlich stringente Referenz für die Edelstahlschrottpreise in Europa sein kann. Allenfalls gibt es einen schwachen, indirekten Zusammenhang über die Edelstahlfertigprodukte und – halbzeuge, wobei dann aber keine protektionistischen Maßnahmen bestehen dürften. Wurde in der Vergangenheit durch die Verbraucher gerne das Argument ins Feld geführt, dass der Edelstahlschrottpreis in Europa zur Sicherstellung der Wettbewerbsfähigkeit nicht höher sein dürfte als der NPI-Preis in China, so ist dieser Wunsch zwar nachvollziehbar, aber nicht wissenschaftlich zu belegen.

Seinerzeit konnten tatsächlich entsprechende Preisnachlässe erreicht werden, allerdings in einer Phase, als ein normales Angebot einem geringen Bedarf gegenüberstand. Somit war der Verhandlungserfolg nicht der Güte des Arguments geschuldet, sondern der kurz- bis mittelfristigen regionalen Angebots- und Nachfragesituation. Das ist heute anders. Die Pipeline und Bestände an Edelstahlschrott sind leer beziehungsweise gering. Die Nachfrage ist gut. Und hier kommt nun auch wieder der LME-Nickelmarkt ins Spiel. Sollte es nicht möglich sein, den Bedarf durch Edelstahlschrott und anderes verfügbares Class 2 Nickel wie zum Beispiel Ferronickel zu decken, dann müssen auch Class 1 Nickel Produkte, wie Nickelkathoden und -pellets zum Einsatz kommen. Und deren Preis bestimmt sich unmittelbar an der LME.

Insofern können auch Theorien, die eine Zweiteilung des Nickelmarktes erklären wollen, als widerlegt gelten, denn die letzte Tonne Nickel bestimmt den mikroökonomischen Gleichgewichtspreis. Das heißt nicht, dass es nicht zwischen den Nickelprodukten je nach Art und Form Preisunterschiede geben kann, aber logisch wäre, dass sich diese Preise von der gleichen Basis ableiten und auch grundsätzlich in Abhängigkeit von dieser Basis schwanken. Das setzt aber wiederum voraus, dass es keine Marktverwerfungen, -manipulationen oder Handelsbeschränkungen gibt, wie die bereits genannten für NPI in Asien.

Diesem Thema widmet sich auch eine aktuelle Ausgabe des Commodities Comment der Rohstoff- und Investmentbank Macquarie. Dieser beschäftigt sich mit der Frage, ob es möglich ist, aus NPI Class 1 Nickel zu machen. Damit wird auch auf die Diskussion einer vermuteten Zweiteilung des Nickelmarktes Bezug genommen, die üblicherweise vor allem auch hinsichtlich Class 1 Nickel und Nickelsulfat, welches für die Batterieproduktion benötigt wird, geführt wurde. Heute, so Macquarie, wäre eine Zweiteilung vielleicht mehr unter dem Aspekt NPI versus Class 1 Nickel zu betrachten.

Die Analyse kommt zu dem Schluss, dass es in Abhängigkeit von den Kosten und damit den individuellen Abschlägen auf den LME-Preis für NPI durchaus ökonomisch möglich ist, NPI oder Ferronickel in Class 1 NiSO4 (Nickelsulfat) umzuwandeln. Somit besteht sogar ein unmittelbarer Zusammenhang hinsichtlich des LME-Nickelpreises als Basis. Sollte sich bei der Lektüre ein Wissenschaftler und Ökonom berufen fühlen, den wissenschaftlichen Nachweis auch für den Edelstahlschrott zu führen, würde sich der Autor über eine Kontaktaufnahme sehr freuen.

Eisenerz bleibt bei dem Handelskonflikt zwischen China und Australien außen vor
Seit einiger Zeit herrscht eine Auseinandersetzung zwischen der australischen Regierung und der kommunistischen Führung in Peking. Dies hat in den vergangenen Wochen zu verschiedenen Maßnahmen geführt, wie beispielsweise Strafzölle auf australische Waren oder Verzögerungen bei dem Import australischer Rohstoffe nach China.

Eisenerz war von der Auseinandersetzung bisher noch nicht betroffen, vermutlich weil dieser Rohstoffhandel für beide Länder am wichtigsten ist. Das jährliche Handelsvolumen beträgt ca. 75 Mrd. USD. Während China der weltweit größte Abnehmer von Eisenerz auf dem Seeweg ist, stammen mehr als zwei Drittel dieser Importe aus Australien. Dies bedeutet, dass Chinas Wirtschaft, die auf Infrastrukturprojekte und Bauwesen ausgerichtet ist, in hohem Maße abhängig von australischem Eisenerz ist.

Bisher waren beide Parteien noch nicht gewillt, diesen Handel anzutasten. Jedoch besteht die Möglichkeit, dass Australien in Erwägung ziehen könnte, die Eisenerzexporte nach China als Vergeltungsmaßnahme einzuschränken. Zumindest innerpolitisch könnte Präsident Morrison bei seinem Wähler mit diesem Schritt punkten. Offen bleibt, wie die beiden Streithähne ihren Konflikt schlichten können, ohne dass eine der beiden Parteien das Gesicht verliert.

Asiatische Rohstoffhändler unter Druck
Kürzlich berichtete Fastmarkets über die schwierige Lage einiger unabhängiger asiatischer Rohstoffhändler. Während viele dieser Firmen in den 2000er Jahren durch den Rohstoff-Boom florierten und hohe Gewinne erzielten, sanken die Margen im Zuge der COVID-19 Pandemie bei gleichzeitig gestiegenem Risiko. Schon in den vergangenen Monaten stellten verschiedene kleine bis mittelgroße asiatische Trader ihr Geschäft ein, suchten gezielt die Nähe zu dem chinesischen Staat oder zu Unternehmen, die Kreditlinien zur Verfügung stellen können.

Diese Entwicklung seitens der asiatischen Händler geschieht inmitten einer globalen Angebotsverknappung von Finanzierungslinien für den Bereich Commodity Financing. Zahlreiche internationale Großbanken haben in den vergangenen Monaten hohe Wertberichtigungen auf Forderungen verbucht. Das Nachrichtenportal Fastmarkets verweist auf eine Studie der Unternehmensberatung Oliver Wyman, dass vor allem kleine Trader es besonders schwer haben. Denn das so wichtige Arbitrage-Geschäft funktioniert nur gut, wenn ein Unternehmen eine kritische Größe erreicht hat, mit Zugang zu verschiedenen internationalen Märkten und Produzenten sowie einer stabilen Lieferantenstruktur.

Die Macht der Worte und Zahlen
Die nachfolgenden, besinnlichen Ausführungen sollen dazu anregen, auch wieder einmal selbst zu denken und sich nicht das Denken von anderen abnehmen zu lassen. Die Auswahl der Denkanstöße ist natürlich subjektiv und deutet auch vielleicht in eine gewisse Richtung, aber es besteht immer auch die Freiheit, in der Überlegung nicht auf den naheliegendsten Schluss zu kommen. Mitunter sind die Dinge komplex, aber eigene Recherche und Reflektion lohnt sich, nicht nur in diesen Tagen, und ist am Ende, wie Sie sehen werden, auch sehr befriedigend.

Kommen wir zunächst zur Macht der Worte. In einer Rede im Bundestag am 9. Dezember 2020 sagte die Bundeskanzlerin Angela Merkel: „Wenn wir jetzt vor Weihnachten zu viele Kontakte haben und anschließend es das letzte Weihnachten mit den Großeltern war, dann werden wir etwas versäumt haben. Das sollten wir nicht tun.“ Das deutsche Statistische Bundesamt Destatis hält in seiner Statistik fest, dass im Jahr 2019 723.437 Menschen in Deutschland mit einem Alter von über 70 Lebensjahren gestorben sind. An oder mit Covid-19 sind in diesem Jahr bisher 20.372 Menschen (Stand: 10. Dezember 2020) gestorben.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO definiert Gesundheit wie folgt: „Health is a state of complete physical, mental and social well-being and not merely the absence of disease or infirmity.“ Durch den Autor in das Deutsche übersetzt: „Gesundheit ist ein Zustand vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht lediglich die Abwesenheit von Krankheiten und Gebrechen. Die Kreditversicherung Euler Hermes erwartet, dass eine wirtschaftliche Erholung auf das Vorkrisenniveau nicht vor dem 4. Quartal 2022 stattfinden dürfte und daher bis Ende 2021 die Insolvenzen um 31% steigen sowie rund 20% der Kurzarbeiter in Arbeitslosigkeit rutschen werden.

Die schweizerische Historikerin und Politikwissenschaftlerin Regula Stämpfli schreibt in einem Kommentar für die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) am 9. Mai 2020 sehr zugespitzt: „Die Kombination von «monokausalen Narrativen» und «virologisch basierter Datenhoheit» habe ein «Zeitalter der totalen Gewissheit» geschaffen.“ Daten- oder man könnte auch sagen zahlengestützt werden Wahrheiten „inszeniert“, die letztlich beabsichtigen monokausal, den Sieg über die Wirklichkeit zu erringen. Empirische Realitäten werden mit präzise berechneter Schlüssigkeit zerstört, so Stämpfli, dass der Unterschied zwischen Fiktion und Realität kaum noch erkennbar ist. Als Beispiel nennt sie Umfragen, zum Beispiel bei den Wahlen zum amerikanischen Präsidenten. Das ist zweifellos schwere Kost.

Und damit endet die Berichterstattung für dieses Jahr. Auch im kommenden Jahr soll es natürlich weitergehen. Wir hoffen, Sie hatten Freude an der Lektüre. Über Feedback freuen wir uns jederzeit. Allen unseren Leserinnen und Lesern und deren Familien wünschen wir ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Jahreswechsel. Bleiben Sie gesund und uns gewogen.

LME (London Metal Exchange)

LME Official Close (3 Monate)
11. Dezember 2020
  Nickel (Ni) Kupfer (Cu) Aluminium (Al)  
Official Close
3 Mon.Ask
17.254,00
USD/mt
7.760,00
USD/mt
2.034,50
USD/mt
 
LME Bestände in mt
  18. November 2020 11. Dezember 2020 Delta in mt Delta in %
Nickel (Ni) 238.980 243.180 + 4.200 + 1,76%
Kupfer (Cu) 160.200 146.325 – 13.875 – 8,66%
Aluminium (Al) 1.409.575 1.329.600 – 79.975 – 5,67%

Oryx Rohstoff News

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