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Nickel trotzt schwächeren Daten aus China. Schwäche könnte staatliche Maßnahmen herausfordern. Inflationsgespenst gibt zu Spekulationen, aber nicht zur Sorge Anlass. Sicht der EZB ist nicht die Einzige.

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Indonesien hat klar die Pole-Position. Produktion und Kapazitäten kennen nur eine Richtung. China verliert beim NPI. Dort zählt inzwischen auch der Blick auf den blauen Himmel. Nickelbedarf wächst auch.

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Russland nimmt Anpassung an Zollregeln für Rohstoffe vor. Linke Tasche, rechte Tasche. Stahlschrott klar im Fokus. LME Ring wieder offen. Wie lange noch, ist vielleicht die Frage?

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LME Nachhaltigkeitsregister startet. Aluminium macht den Anfang. Angaben erst einmal freiwillig. Man macht sich auf die Reise. Baosteel möchte Treibhausgasneutralität erreichen. Schrott ist ein wichtiger Schlüssel.

China’s Wirtschaft stottert, Nickel unbeeindruckt
Trotz allgemein schwächerer Wirtschaftsdaten, schwächerer Aktienbörsen und der zunehmenden Angst, die Zentralbanken könnten auf Sicht die Zügel der ultralockeren Geldpolitik anziehen, setzt Nickel an der London Metal Exchange (LME) und Shanghai Futures Exchange (SHFE) seinen Aufwärtstrend unbeirrt fort. Bei Kursen von um und über USD 20.500,00/mt wurde an der LME ein neuer Höchststand seit sieben Jahren verzeichnet, bevor die Notierung korrigierte und nun um USD 20.000,00/mt handelt. An der SHFE erreichte Nickel gar ein Allzeithoch, was allerdings auch damit zusammenhängt, dass der Nickel Future an der chinesischen Börse erst im März 2015 eingeführt wurde. An der LME wird Nickel immerhin schon seit 1979 gehandelt.

Die Stärke von Nickel wird vor allem durch eine gute Nachfrage und niedrige Börsenlagerbestände begründet. Aber Vorsicht, bei den Börsenbeständen handelt es sich nur um die sichtbaren Reservemengen. Sicher spielten aber bei den letzten Preisanstiegen charttechnische Kaufsignale ebenso eine Rolle, wie eine zunehmende Beimischung von Industriemetallen zum Inflationsschutz. Inflationäre Tendenzen bei den Rohstoffen sind je nach Rohstoff im Jahr 2021 durchaus feststellbar. Gesamtwirtschaftlich stellt sich so die Frage, wie nachhaltig diese Effekte auf die allgemeine Preisentwicklung für Unternehmen und Haushalte durchschlagen.

Gespenst Inflation macht derzeit noch keine Angst
Derzeit ist es (noch) die herrschende Meinung von Zentralbanken und Ökonomen, dass der Anstieg der Inflation ein temporäres Phänomen ist. Wie das Morning Briefing von ThePioneer allerdings schreibt, wird durch den Bundesbankpräsidenten Weidmann für Deutschland bis zum Jahresende eine Inflationsrate von 5 Prozent erwartet. Aus seiner Sicht überwiegen klar die Aufwärtsrisiken. Insbesondere die Europäische Zentralbank (EZB) ist aber überzeugt, dass das Verschwinden der sogenannten Basiseffekte zu einem mechanischen Rückgang der Inflation im kommenden Jahr führen wird. Das heißt im Klartext, wenn die Preise erst einmal ihren Höhepunkt erreicht haben und es zu keinen weiteren Preissteigerungen kommt, werden die Veränderungen im kommenden Jahr ins mathematische Verhältnis zu einem bereits höheren Preisniveau gesetzt, was die prozentuale Rate entsprechend niedriger ausfallen lässt, als bei einer niedrigeren Basis.

Und die EZB hat natürlich auch ein Interesse an dieser Argumentation. Schließlich ist sie zu einem wichtigen Finanzierer der Staatsschulden Europas geworden und damit von einem Hüter der Preisstabilität zu einem gewichtigen wirtschaftlichen Player. Doch Morning Briefing warnt, dass sich die tatsächliche Inflationsentwicklung nicht an diese (mitunter opportunistische) Prognose halten könnte. Denn bei allen Projektionen sollten die folgenden vier Preistreiber berücksichtigt werden: der Klimaschutz und der damit unweigerlich steigende CO2-Preis wird für eine andauernde Teuerung sorgen. Ebenso spielen zukünftig steigende Mindestlöhne eine Rolle. Auch wird die Demographie in Deutschland für eine Verteuerung der Arbeitskräfte sorgen. Immer weniger Erwerbstätige und immer mehr Rentner verteuern den Faktor Arbeit.

Und schließlich könnte über die Importpreise auch China einen Einfluss auf die Inflation in Deutschland nehmen. Auch dort könnten Demographie und die Ein-Kind-Politik die Arbeit und damit die Produkte und Dienstleistungen teurer machen. Und, je länger die hohen Inflationsraten anhalten, umso mehr besteht auch die Notwendigkeit, dass die Lohn-Preis-Spirale in Gang kommt. Die derzeit hohen Preise sorgen für ein geringere Kaufkraft bei den Haushalten und Unternehmen, ebenso führen Preisindexierungen von Mieten, die an diese Inflationsraten gekoppelt sind zu einer weiter schwindenden Kaufkraft, so dass es nach einiger Zeit kaum noch Argumente gegen einen Kaufkraftausgleich über entsprechende Lohnerhöhungen gibt. Diese führen dann aber wiederum zu steigenden Preisen für Produkte und Dienstleistungen. Man muss diese Entwicklung unbedingt im Auge behalten, denn auch deutlich steigende Zinsen könnten die Folge sein. Gesünder für die Volkswirtschaften wäre es, vielleicht aber nicht unbedingt bequemer. Leichter lebt es sich auf Kosten der Sparer und der nachfolgenden Generationen.

Indonesien spurtet bei Nickel allen anderen davon
Die australische Investment- und Commoditybank Macquarie hat sich mit der aktuellen Angebots- und Nachfragebilanz im physischen Nickelmarkt beschäftigt. Entgegen der eigenen Erwartung hat sich der Markt im Jahr 2021 in ein großes Angebotsdefizit respektive einen Nachfrageüberhang verschoben. Die hohe Nachfrage nach Nickel hat deshalb bis heute zu einem Lagerbestandsabbau von über 150.000 Tonnen (LME, SHFE und Produzenten) geführt. Hatte der Markt 2020 nach Berechnungen von Macquarie noch bei einem Überschuss von 100.000 Tonnen gelegen, wird für das Gesamtjahr mit einem Defizit von 125.000 Tonnen Nickel gerechnet.

Für 2022 wird dann aber schon wieder mit einem Überschuss gerechnet, da Produktionskapazitäten und tatsächlicher Output in Indonesien weiter steil nach oben zeigen. Selbst im Jahr 2021 wird mit einem Wachstum von rund 300.000 mt gerechnet und damit mehr als der ebenfalls deutlich gestiegene Verbrauch in der Edelstahlproduktion. Parallel hat allerdings die Nickel Pig Iron (NPI)- und Ferronickel-Produktion in China um erwartete 85 Tausend Tonnen abgenommen, sowie weitere 40 Tausend Tonnen Angebotsverluste an anderen Orten außerhalb Indonesiens. Bei den NPI-Kapazitäten in Indonesien, die von 1,26 Millionen Jahrestonnen in diesem Jahr auf geschätzte 2,3 Millionen Jahrestonnen im Jahr 2025 steigen, kann einem schwindelig werden. Eine Vollauslastung wird es anfänglich wohl noch nicht geben.

Allerdings werden die zukünftigen Rohstoffmengen auf Sicht auch benötigt, denn zu dem Bedarf aus der seit den 1960er Jahren mit 5-6% pro Jahr wachsenden Edelstahlproduktion, gesellt sich zunehmend die Batterieproduktion für die Elektromobilität. In den 2000er Jahren war es zu erheblichen Engpässen bei Nickel gekommen, da die Volkswirtschaft in China ein weit überdurchschnittliches, rasantes Wachstum mit entsprechendem Rohstoffbedarf hingelegt hatte. Das Nickelangebot war seinerzeit nicht auf die große Nachfrage vorbereitet und bis auf den Edelstahlschrott auch kurz- bis mittelfristig nicht flexibel. Nickelpreise von bis zu USD 50.000,00/mt und mehr waren die Folge. Solche Niveaus scheinen bei der aktuellen Perspektive aber nicht zu „drohen“.

Die Dominanz Indonesiens bei der Nickelproduktion (rund 50% Weltmarktanteil) überrascht aufgrund der hohen Wirtschaftlichkeit der Vorhaben kaum. Unvorstellbar schnelle Amortisationen von Anlageinvestitionen innerhalb von zwei Jahren, so Macquarie, scheinen nicht völlig abwegig zu sein. Von daher entstehen auch kaum noch neue Kapazitäten außerhalb Indonesiens. Das einzige Projekt soll derzeit eine 10.000 Jahrestonnen-Operation in Zypern sein.

Allerdings weisen die Autoren der Bank auch völlig zurecht darauf hin, dass es neben der Kalkulation und allgemeinen Abhängigkeit auch noch andere Gründe, wie geopolitische und ökologische Risiken gibt, die es nicht unbedingt ratsam erscheinen lassen, „alle Eier in den indonesischen Korb zu legen“. Außer dem Edelstahlschrott gibt es aktuell aber kaum Alternativen. Und die Umweltrisiken sind hoch. Immerhin verursacht jede Tonne NPI einen Fußabdruck von 55-65 Tonnen Kohlendioxid. Dem hingegen spart der Einsatz einer Tonne Edelstahlschrott rund 4,5 Tonnen ein.

Bis auf Schrott, keine Zölle mehr in 2022
S&P Global Platts berichtet, dass die durch Russland von August bis Dezember 2021 eingesetzten Ausfuhrzölle auf Eisen- und Stahlprodukte sowie Industriemetalle, wenn man den Worten des stellvertretenden Industrie- und Handelsministers Evtukhov Glauben schenken kann, nicht in das Jahr 2022 verlängert werden. Das Ziel der Dämpfung der Rohstoffpreise zum Schutz der heimischen Wirtschaft und Industrie sei erreicht worden und der 15%ige Ausfuhrzoll daher nicht länger nötig.

Anders sähe allerdings die Situation bei Stahlschrott aus. Sowohl die heimische als auch die Exportnachfrage wären sehr robust. Ende Juli war der Exportzoll auf Stahlschrott von zuvor 45 EUR/mt auf 70 EUR/mt oder 5 % (was jeweils größer ist) angehoben worden. Auch wenn es aktuell nicht geplant sei, schloss der Minister auch ein vorübergehendes Exportverbot für Schrott nicht aus.

Diese Tatsache zeigt, dass auch bei Russlands Stahlproduzenten das Interesse an dem nachhaltigen und umweltfreundlichen Rohstoff Stahlschrott groß ist. Dieses Interesse dürfte noch weiter steigen, wenn die Europäische Union auch die Emissionen der, für die heimische Stahlproduktion sowie die Stahlimporte, eingesetzten Rohstoffe in den EU-Emissionshandel mit einbezieht.

Durch Aussagen von Präsident Putin haben auch Industriestimmen weiteren Auftrieb erhalten, die davon ausgehen, dass, im Gegenzug zur Abschaffung des Exportzolls auf Industriemetalle ab Januar 2022, die Steuer auf den Abbau von Erzen deutlich erhöht werden soll. Dabei ginge es aber vermutlich weniger um die ökologische Lenkungswirkung als das fiskalische Stopfen von Budgetlücken. Nach Ansicht von Marktteilnehmern sollte sich die Höhe der Erzsteuer an der Höhe der jeweiligen Erzpreise orientieren.

Der ikonische LME Ring ist wieder geöffnet und doch könnten seine Tage gezählt sein
Nach 18 Monaten Abwesenheit durften vor einigen Tagen die Händler wieder auf den roten Sofas der LME Platz nehmen. In den vergangenen Ausgaben dieses Newsletters wurde bereits ausgiebig über die ungewisse Zukunft des traditionsreichen Rings berichtet. Mit der Wiedereröffnung des Rings sieht es nun so aus, als ob die Broker einen kleinen Zwischenerfolg für sich verbuchen können. Dennoch bleibt offen, ob der Präsenzhandel wieder das Volumen von vor der Corona-Krise erreichen wird. Die Zeichen der Zeit sprechen für eine permanente Schließung.

Anfang des Monats berichtete LME CEO Matthew Chamberlain auf einer Tagung von schwierigen Gesprächen mit verschiedenen Interessensgruppen hinsichtlich der Zukunft des Rings. CEO Chamberlain selbst bekräftigt regelmäßig die Vorzüge des Online-Handels. Zudem haben zahlreiche Marktexperten ihre Zweifel geäußert, ob der Ring noch zeitgemäß ist. Ferner gibt es derzeit keine Anlageklasse, die so volatil ist, wie Rohstoffe. Die Risikosteuerung sei am Monitor viel leichter als über einen Ansprechpartner im Ring.

Auch verschiedene Zeitungen berichteten über die Rückkehr der Händler in den Ring. Hinter vorgehaltener Hand berichteten einige Broker, dass sie Zweifel hätten, dass das Handelsvolumen annähernd so hoch sein wird wie vor der Corona-Krise. Mindestens ein Händler berichtete, dass er sicherheitshalber noch die Etiketten an seinen neuen Anzügen lässt und noch keine Jahreskarte für die Tube (U-Bahn) bestellt hat. Sollte das Handelsvolumen keine kritische Größe erreichen, wird es wirtschaftlich schwierig sein, ein Team für den Ring zu rechtfertigen.

LME veröffentlicht Nachhaltigkeitsregister für Metalle
Die LME gab vor zwei Wochen bekannt, ab Oktober 2021 ein elektronisches Nachhaltigkeitsregister für Metalle zu veröffentlichen. Das Register firmiert unter dem Namen LMEpassport und wird zukünftig die bisher papierbasierten Analysezertifikate, Spezifikations- und Qualitätssicherungsdokumente ablösen.

Dabei handelt es sich bisher um Dokumente, die bei jeder Lieferung in das und aus dem LME-Lagerhaus hinzugefügt werden müssen. Neu ist, dass zukünftig auch freiwillige Angaben zu den Nachhaltigkeitseigenschaften von Metallen gemacht werden. Mit diesem Vorstoß verspricht sich die LME nicht nur eine höhere Prozessautomatisierung in den eigenen Lagerhäusern, sondern auch eine höhere Transparenz für die Marktteilnehmer. Zu Beginn wird das Nachhaltigkeitsregister für das Metall Aluminium dafür zur Verfügung stehen.

Chinesischer Stahlgigant: Klimaneutralität im Fokus
Auch im Land der aufgehenden Sonne macht man sich Gedanken wie man eine Klimaneutralität erreichen kann. Vor einiger Zeit berichtete Xu Wanren, der Chefökonom von Baosteel, dem zweitgrößten Eisen- und Stahlunternehmens Chinas und das fünftgrößte der Welt, dass die Entwicklung neuer Technologien für die Stahlherstellung elementar zur Erreichung einer CO2-Neutralität ist.

Mit der Entwicklung des Direktreduktionsverfahrens wird Eisenerz mit Hilfe von Erdgas zu Eisenschwamm reduziert, welcher anschließend im Elektrolichtbogenofen weiterverarbeitet werden kann. Dies reduziert die CO2-Emissionen um 35-40% gegenüber der konventionellen Herstellung, ersetzt man Erdgas mit Wasserstoff lässt sich sogar eine Reduktion von 70-80% erzielen. Die Einsparungen lassen sich aber nur erzielen, wenn grüne Energie und Schrott in ausreichender Menge verfügbar sind, so Wanren.

LME (London Metal Exchange)

LME Official Close (3 Monate)
15. September 2021
  Nickel (Ni) Kupfer (Cu) Aluminium (Al)  
Official Close
3 Mon.Ask
19.840,00
USD/mt
9.505,00
USD/mt
2.888,00
USD/mt
 
LME Bestände in mt
  18. August 2021 15. September 2021 Delta in mt Delta in %
Nickel (Ni) 199.110 174.282 – 24.828 – 12,47%
Kupfer (Cu) 245.125 234.000 – 11.125 – 4,54%
Aluminium (Al) 1.315.125 1.299.900 – 15.225 – 1,16%

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